Neues von EBV Elektronik

Dreifach-Verstärkung für die Analog-Linecard

14. März 2022, 14:30 Uhr | Karin Zühlke
Thomas Staudinger
Thomas Staudinger, EBV: »In Summe war 2021 ein sehr starkes Jahr. Wir haben im zweiten Quartal von der Runrate her das gleiche Volumen erreicht vergleichbar mit Zeiten, als wir noch Hersteller in der Linecard hatten, die heute andere Vertriebswege beschreiten.«
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Die Jahres-Bilanz von Thomas Staudinger, seit 2021 President von EBV, fällt trotz turbulenter Marktsituation positiv aus. Auch einige Neuerungen hat der EBV-Chef in petto: Die Software rückt stärker in den Fokus, EBV will weitere Analog-Hersteller an Bord holen und geht beim Arbeitsmodell neue Wege.

Herr Staudinger, wie schaut die Umsatz-Bilanz für 2022 aus?

In Summe war 2021 ein sehr starkes Jahr. Wir haben im zweiten Quartal von der Runrate her das gleiche Volumen erreicht vergleichbar mit Zeiten, als wir noch Hersteller in der Linecard hatten, die heute andere Vertriebswege beschreiten. Das heißt, wir haben innerhalb von drei Jahren ungefähr 500 Millionen Euro Umsatz kompensiert. Im dritten und vierten Quartal sind wir zudem jeweils im hohen einstelligen bzw. niedrigen zweistelligen Bereich gewachsen; insgesamt also ein sehr erfolgreiches Jahr, das aber von Allokation und Preissteigerungen geprägt war und für alle viel Stress kreiert hat.

Was waren die Treiber hinter diesem Wachstum?

Dazu haben zwei große Themen beigetragen: Auf der einen Seite haben wir es aktuell mit einem Markt zu tun, der ziemlich verrücktspielt und uns ein extrem hohes Backlog beschert. Das hat sich innerhalb von eineinhalb Jahren versechsfacht. Auf der anderen Seite sind wir je nach Hersteller mit hohen Preissteigerungen konfrontiert, die sich in den Umsätzen reflektieren.

Und wie lautet Ihr persönliches Fazit nach einem Jahr als EBV-President?

Das Team hat einen Superjob gemacht, die Allokation und die Situation um die Preissteigerungen zu meistern: vom Vertriebsinnendienst über die Account Manager, das Backoffice bis hin zum Management – all diejenigen, die in all die intensiven Gesprächen und Meetings involviert waren.

Wir haben darüber hinaus zahlreiche Programme angeschoben, mit denen wir EBV die nächsten drei bis fünf Jahre auf die nächste Stufe heben wollen, angefangen bei der Kundensegmentierung über den Analytics-Bereich und die Frage, wie wir unser Angebot bei den Logistik-Leistungen weiter verbessern können, bis hin zum Thema, wie wir die Employer Value Proposition besser herausstellen können. Von der Zusammenarbeit her habe ich das Jahr insgesamt als sehr positiv erlebt. Und die Ergebnisse geben uns Recht.

Auf der anderen Seite war es ein Jahr, das sehr viel Kraft gekostet hat. Das gilt für uns, aber genauso für unsere Wettbewerber, die Hersteller und unsere Kunden, weil nichts problemfrei durchlief, sondern alles zur Ausnahme wurde. Allein die Anzahl der Calls auf Management- und Arbeitsebene war gigantisch. Und natürlich bedeutet das obligatorische Homeoffice, dass man relativ wenig bei den Kunden vor Ort und im Büro bei den Kollegen ist. Das ist natürlich schon ein Element, das fehlt.

Wie sieht die aktuelle Homeoffice-Regelung bei EBV aus?

Aufgrund der hohen Zahl der Omikron-Fälle wird wieder so viel wie möglich im Homeoffice gearbeitet. Das haben wir auch übers letzte Jahr hindurch sehr gut hinbekommen. Wir haben aber auch gelernt, dass wir uns um die Leute, die zu Hause arbeiten, deutlich mehr und anders kümmern müssen.

Wie bereiten Sie bzw. EBV die Rückkkehr ins Büro vor, die ja – ein Abflauen der Pandemie vorausgesetzt – irgendwann kommen wird?

Das Pendel ist von heute auf morgen von traditionellem bürobasiertem Arbeiten in Richtung »alle daheim« geschwungen. Nun müssen wir die richtige Balance finden. Wir werden deutlich in Richtung offener Arbeitsplatz-Modelle gehen, abhängig von den Rollen der Mitarbeiter. Von einem Account Manager beispielsweise würde ich erwarten, dass er einen Tag die Woche im Büro ist, um sich mit den Kollegen auszutauschen; beim Vertriebs-Innendienst werden es eher zwei bis drei Tage sein.
Derzeit sind wir in Vorbereitung bzw. beim Rollout des neuen Modells. Das hat auch massiven Einfluss, wie wir die Büros künftig gestalten. Denn unter der beschriebenen Prämisse brauchen wir nicht mehr für jeden Mitarbeiter einen Arbeitsplatz, sondern können nur noch etwa 60 bis 70 Prozent der Büro-Arbeitsplätze vorhalten. Dennoch ist unser Ziel, trotz des New Way of Working unseren Mitarbeitern immer noch eine Plattform zu geben, wo sie sich treffen, als Team arbeiten und auch gemeinsam kreativ sein können. Wir haben gelernt, dass man existierende Themen gut im Homeoffice abarbeiten kann, aber für Kick-offs und Innovation müssen wir die Teams live zusammenbringen.

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Welche strukturellen bzw. internen Neuerungen gibt es bei EBV?

Wir haben vor einigen Jahren ein Projekt begonnen, im Rahmen dessen wir die Struktur des Vertriebsinnendiensts entzerrt haben. Wir haben zum einen Repräsentanten, die in Richtung Kunde arbeiten, auf der andere Seite Spezialisten, die sich in SAP sehr gut auskennen und Spezialprozesse abwickeln.

Wir haben zudem unseren Einkauf neu strukturiert und deutlich stärker an der Prozesskette orientiert. In der Vergangenheit haben wir mit Einkäufern gearbeitet, die alles abgedeckt haben. Jetzt ist der Einkauf in unterschiedliche Kategorien aufgeteilt. Ein Teil kümmert sich um das Back-to-Back-Geschäft, bei dem es um Designprojekte geht. Ein anderer Teil kümmert sich um das High-Runner-Geschäft. Beides erfordert unterschiedliche Prozessketten. Bei Back-to-Back beispielsweise muss der Vertrieb deutlich mehr eingebunden werden, während das High-Runner-Geschäft stärker über das Asset Management gefahren wird.

EBV hat vor einiger Zeit damit begonnen, ein Team in Belgrad aufzubauen. Wie groß ist das Team in der Zwischenzeit und welche Aufgaben sind dort verankert?

Wir beschäftigen im Avnet-Konzern in Belgrad derzeit etwa 450 Mitarbeiter, ein gutes Drittel davon arbeitet für EBV. Das fing damals an als »helfende Hände«, sprich: wir haben Leute eingestellt, die das Team in ganz Europa von vielen Routine-Tätigkeiten entlasten sollten. Inzwischen sind diese Kollegen in und mit ihren Aufgaben gewachsen und möchten auch das, was sie an Ausbildung und Erfahrung haben, in andere Rollen einbringen. Demzufolge besetzen wir Spezialisten-Rollen, wo möglich und sinnvoll, in Belgrad. Das Team ist sehr motiviert und sehr gut ausgebildet und bringt eine große Energie und Dynamik mit. Gewisse Themen können wir somit dort sehr gut zentralisieren, z. B. das Sample Management.

Bleiben wir bei den Neuerungen: Die Kunden brauchen immer mehr Software Support. Wie trägt EBV dem Rechnung?

Wir sehen in der Tat, dass das Thema Software immer wichtiger wird. Unsere Rolle bei diesem Thema sehen wir zum einen sehr stark bei der Beratung, was der Kunde genau braucht und wie wir ihm dabei helfen können. Das schließt auch Training ein. Andererseits können wir dem Kunden auch Standard-Software-Packages anbieten oder ihm mit Support Packages helfen, um seine Ressourcen zu entlasten. Diese Unterstützung kann entweder von EBV-Kollegen, Ingenieuren bei den Herstellern oder von Partnern geleistet werden.

Bei Turn Key Designs sehen wir unsere Rolle als Mittler – um die richtigen Parteien an einem Tisch zusammenzubringen. Das sind Fälle, bei denen ein Kunde eine komplette Software spezifisch auf seine Bedürfnisse zugeschnitten braucht. Wir arbeiten hier mit einem Ecosystem an Spezialisten und haben bekanntlich mit Softweb und Witekio auch zwei Firmen in der Avnet-Gruppe, die solche Themen abdecken können.


  1. Dreifach-Verstärkung für die Analog-Linecard
  2. Haben die Speedboats eine Zukunft?
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