Interview mit Hermann Reiter, Digi-Key

»Das Modell der High-Service-Distribution steht erst am Anfang!«

17. April 2020, 9:12 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Digi-Key launcht eigenen Marktplatz

Entwickler und Einkäufer sind Ihre Zielgruppe – doch haben beide Gruppen ganz unterschiedliche Anforderungen. Wie bildet Digi-Key das ab?

Der Ingenieur ist der erste Kontakt, und den wollen wir mit den neuesten Produkten und Informationen versorgen, wie ich im Gespräch ja schon erläutert habe. Aber wir möchten es auch für den Einkauf und für die Supply Chain einfach gestalten, die von ihnen benötigten Daten abzurufen. Ein Schlüssel hierzu ist unseres Erachtens die API-Konnektivität und/oder die Verbindung zum ERP-System des Kunden. Neben APIs bieten wir auch Servicepartner an, die für die Verarbeitung von Bill-of-Materials Sorge tragen. Zudem stellen wir Upload-Möglichkeiten zur Verfügung, die automatisiert Preisinformationen bieten; kurzum: Wir wollen easy to do business with sein!

Wie digitalisiert sind Ihre Kunden in dieser Hinsicht? Oft kommt ja der Vorwurf von Analysten und Branchenverbänden, dass der Einkauf noch so gut wie gar nicht digitalisiert sei.

Wir sehen schon, dass viele Kunden bereit sind, den Online- und eCommerce-Weg mit uns zu gehen und veraltete Angebots- und Offline Tools ablösen wollen. Denn online heißt ja auch, ständig up to date zu sein.

Und wie sieht die Strategie von Digi-Key in puncto größere Bestellmengen inzwischen aus?

Unsere Messgröße ist es primär, die Anzahl der Kunden zu erhöhen. Wir sind überzeugt davon, dass die Umsatzsteigerung sich aus der Erhöhung der Kundenanzahl ergibt.

Im Zeitraum Q2/2016 bis Ende 2018 hatten wir zehn Quartale in Folge, die außerordentlich stark waren, und es gab die Anforderung von Kundenseite, auch größere Stückzahlen verfügbar zu haben. Aber das ist strategisch gesehen nicht unser erster Gedanke. Unser Fokus ist nach wie vor NPI – New Product Introduction, also unseren Kunden schnell die relevanten Produkte vorzustellen und verfügbar zu machen.

Zur weiteren Unterstützung unserer Kunden bieten wir jetzt auch die Möglichkeit, einzelne Abrufmengen bis zu sechs Monate hinaus online zu verteilen. Es gibt keine Mindestbestellmenge, und jede beliebige Menge kann über mehrere Termine besetellt werden. Die Online-Bestellung hilft den Kunden, die Projektplanung zu rationalisieren, die Vorteile niedrigerer Preise bei höheren Preisstaffeln zu nutzen und zukünftige Produktbestände im Voraus zu sichern.

Inzwischen gibt es einige digitale Beschaffungsplattformen am Markt, die für sich in Anspruch nehmen, firmenübergreifend zu agieren. Wie steht Digi-Key zu solchen Plattformen?

Digi-Key hat mit DK+ Anfang des Jahres einen eigenen Marktplatz in den USA gelauncht, und wir werden das Angebot im zweiten Halbjahr auch weltweit ausrollen. Wir wollen, dass unser Angebot in unsere Seite eingebettet und integriert ist – und wir setzen hier auf strategische Partner, bei denen wir sicherstellen können, dass es autorisierte Vertragspartner von Herstellern sind. Wir bleiben damit unserer „One-Stop Shop“-Strategie treu. Wir genießen viel Vertrauen in der Branche, das möchten wir nicht aus der Hand geben. Mit DK+ wollen wir als weltweiter Distributor Produkte, Services und Lösungen für alle Phasen in dem technischen, innovativen Ecosystem anbieten.

Wir bieten bis dato 80 Prozent der BOM an und glauben, dass wir mit dieser Plattform-Strategie 100 Prozent der BOM plus das PCB anbieten können; und sogar noch darüber hinausgehen, wie wir vorher schon besprochen haben: weiter in Richtung Test- und Messgeräte, Industrieautomation etc., und dafür haben wir diese Plattform geschaffen.

Da ein Ausblick derzeit schwierig ist, allgemein gefragt: Wie geht es weiter mit der Distribution?

Die Distribution ist nach wie vor im Wandel. Die High-Service-Distribution ist stark darin, sämtliche Services abzubieten, und wird sich in dieser Hinsicht auch noch weiter entwickeln. Aber man sollte auch nicht vergessen, was Distribution heißt – eigentlich ganz banal: Verfügbarkeit! Wichtig ist eine klare und ehrliche Kommunikation zum Kunden, wann er seine Ware bekommt. Produkte, die zu lange Lieferzeiten haben, werden nicht für neue Designs eingesetzt. Daher setzen wir mit unserem Portfolio auch darauf, möglichst viel Ware auf Lager zu haben.

Also, ist die Distribution fit fürs neue Jahrzehnt?

Ja, ich denke, dass wir als High-Service- und eCommerce-Anbieter „ready for 2030“ sind! Auch oder besonders in unsicheren Zeiten sind wir stolz darauf, ein verlässlicher Partner für unsere Kunden zu sein und durch unsere Lagerhaltung von mehr als 2,2 Millionen Artikeln dem Kunden eine bessere Planungssicherheit geben zu können. Und wir erweitern unsere Kapazität, Automatisierung und Effizienz durch die Vergrößerung unseres Lagers und Distributionszentrums, das kommendes Jahr in Betrieb geht, um aktuell mehr als 200.000 Quadratmeter!

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