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Digitalisierung bei der Beschaffung

»Alte Gewohnheiten ändern«

Sourceability
Michael Mühlenhoff, Sourceability: »Viele Unternehmen haben aufgrund der Allokationssituation Teilebestellungen verdoppelt oder verdreifacht, um Engpässe bei der Fertigung zu vermeiden. Infolgedessen sammelt sich in den Lägern von bestimmten OEMs und EMS-Anbieter bei bestimmten Produkten Überbestand.«
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Ein Einkauf, der rein auf analoge und klassische Methoden setzt, ist angesichts des massiven Umbruchs in der Elektronikindustrie nicht mehr zeitgemäß. »Vielmehr sollten Firmen digitale Plattformen nutzen«, sagt Michael Mühlenhoff, Director of Enterprise Sales in EMEA bei Sourceability.

Die Coronavirus-Pandemie führte in der ersten Lockdown-Phase bekanntlich zu Werksschließungen und Produktionsstillständen und hat auch mehrere Endmärkte erheblich beeinträchtigt. Einerseits kam es temporär zu einem dramatischen Rückgang am Automotive-Markt; andererseits entstand eine beispiellose Nachfrage nach elektronischen Geräten. Diese Entwicklungen führten zu einem weltweiten Mangel an Chips, der die gesamte Lieferkette nach wie vor jede Woche Millionen von Dollar kostet. Für Einkäufer von elektronischen Bauteilen wird diese Zeit von extremer Volatilität geprägt. Massive Lieferzeitverzögerungen, Fehlbestände kritischer Teile und eingeschränkte oder keine Transparenz sind zu alltäglichen Problemen geworden. Und während sich der Rest der Welt langsam mit der Einführung von digitalen Tools an die „neue Normalität“ anpasste, griff die Elektronikindustrie mehrheitlich nach wie vor auf analoge Methoden zurück.

Sourceability widmet sich der Digitalisierung der Lieferkette von elektronischen Komponenten: Seit Beginn der Pandemie hat das Unternehmen neue Partnerschaften mit vielen Unternehmen auf der ganzen Welt geschlossen und bietet mittlerweile auf seiner e-Commerce-Plattform Sourcengine Angebote für elektronische Bauteile von über 3000 Lieferanten an.

Die Plattform wurde in den letzten Jahren ständig optimiert. Sie verfügt nun auch über RFQ Tools, mit denen Benutzer mit wenigen Klicks Anfragen digital platzieren, Preise verhandeln und Einkäufe tätigen können. Es beschleunigt den Beschaffungsprozess, indem es Käufern ermöglicht, Tausende von Teilen gleichzeitig anzufragen, die von Herstellern, Distributoren, OEMs und EMS-Anbietern angeboten und weltweit versandt werden können. Darüber hinaus können Käufer jetzt Stücklisten mit bis zu 4000 Positionen in Sourcengine hochladen und technische Details zu den Bauteilen sowie Alternativen/Crosses erhalten. Das BOM Tool ermöglicht es Benutzern, schnell und einfach Angebote einzuholen, nach gewünschten Kriterien wie kürzeste Lieferzeit oder günstigster Preis zu filtern und Bestellungen abzuschließen. Sourcengines API macht den Beschaffungsprozess durch API-Integrationen mit Partnern wie CalcuQuote, CircuitByte, Luminovo, Orbweaver und UltraLibrarian zudem noch leichter.

Sourceability arbeitet zudem an einer neuen Funktion: Bestandsüberschüsse nach dem Chipmangel sollen künftig auf der digitalen Plattform veräußert werden können. Supply-Chain-Experten sind der Ansicht, dass mittelfristig mit einer Bereinigung der Lieferkette zu rechnen ist, so auch Mühlenhoff: »Viele Unternehmen haben aufgrund der Allokationssituation Teilebestellungen verdoppelt oder verdreifacht, um Engpässe bei der Fertigung zu vermeiden. Infolgedessen sammelt sich in den Lägern von bestimmten OEMs und EMS-Anbieter bei bestimmten Produkten Überbestand.«

»Das neue Feature wird das Halbleiter-Ökosystem weiter digitalisieren und gleichzeitig den Elektroschrott- und CO2-Ausstoß reduzieren«, ist Mühlenhoff überzeugt. In der Vergangenheit waren OEMs, EMS, Distributoren und Hersteller erfolgreich, wenn sie ineffiziente und unnötig komplexe analoge Methoden verwendet haben. Bestellungen per PDFs übermitteln, zum Telefonhörer greifen, um die Lagerbestände zu überprüfen, wurden zu Standardverfahren. »Letztendlich verwandelte sich die Tendenz, die Hände in den Schoß zu legen, was die alten Praktiken der Branche anging, in Widerstand gegen gesellschaftliche Entwicklungen«, meint Michael Mühlenhoff. »Die größte Konkurrenz sind nicht andere Unternehmen. Es ist die Denkweise der Käufer. Aber mit der Zeit wird die Wahl alter Methoden zu Problemen selbst für etablierte Firmen führen. Wenn sie ihre Gewohnheiten nicht ändern, werden sie von neuen Technologien irgendwann überrollt werden«, so Mühlenhoff.

»Veraltete, aber tief im Unternehmen verwurzelte Systeme hinter sich zu lassen und Neuland zu betreten ist für einige sicher erst einmal ungewohnt. Doch dieses Unbehagen wird sich vermutlich schnell in Begeisterung verwandeln, wenn sich Unternehmen dem unendlichen Horizont der Digitalisierung öffnen.«

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