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Euro-NCAP- und ADAC-Test

Transporter mit echten Sicherheitslücken

16. Dezember 2020, 10:52 Uhr   |  Irina Hübner

Transporter mit echten Sicherheitslücken
© ADAC

Ein Testergebnis ist: Es ist deutlich besser, von vornherein Unfälle zu verhindern, als die Unfallfolgen abzuschwächen.

Unfälle mit Transportern bis 3,5 t haben sowohl für die Insassen als auch für den Unfallgegner vergleichsweise schwere Folgen. Gründe sind das höhere Gewicht und die schlechteren Crash-Strukturen. Euro NCAP und der ADAC haben nun 19 Transporter auf ihre Sicherheit getestet.

Der Lieferverkehr in den Städten steigt, und damit auch das Unfallrisiko mit Transportern bis 3,5 t. Euro NCAP und der ADAC haben Transporter auf ihre Sicherheit getestet und darüber hinaus mit einem Modell einen Crash-Test durchgeführt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf Assistenzsystemen wie Notbremsassistenten für Fußgänger und Radfahrer sowie Spurhalteassistenten. Die Tests zeigen, wieviel zielführender es ist, im Vorfeld einen Unfall zu verhindern, als die Unfallfolgen zu mindern.

Umso kritischer sieht es der ADAC, dass viele wichtige Assistenzsysteme, die im Pkw-Segment oft schon serienmäßig verbaut werden, für die Nutzfahrzeuge gar nicht oder nur gegen Aufpreis erhältlich sind. Notbremsassistenten mit Radfahrererkennung gibt es beispielsweise nur in fünf Modellen. Gurtwarner für Beifahrer bieten nur zwei Hersteller an. Weil zugleich Beifahrerairbags häufig fehlen, besteht hier eine echte Sicherheitslücke.

Der Test zeigt zusätzlich, dass Assistenzsysteme – wenn überhaupt vorhanden – in vielen Fällen nicht so gut und zuverlässig sind wie in Pkw. Die getesteten Spurhalteassistenten schneiden meist schlecht ab. Sie erfüllen die Testkriterien nicht und halten die Transporter nicht ausreichend in der Spur.

Für die Bewertung der Ergebnisse wurden neue Kategorien geschaffen (Platin, Gold, Silber und Bronze). Nach den Euro-NCAP-Tests, bei denen jeweils vollausgestattete Transporter untersucht wurden, erreichen drei Modelle Gold, fünf Silber, sechs Bronze und fünf weitere mussten mit nicht empfehlenswert bewertet werden.

Eigene Wertung des ADAC

Weil vollausgestattete Transporter aber nicht die Regel sind und sich die Systemverfügbarkeit in den EU-Staaten unterscheidet, hat der ADAC eine eigene Wertung (basierend auf der Verfügbarkeit in Deutschland) vorgenommen: Assistenzsysteme, die vom Hersteller serienmäßig angeboten werden, erhielten 100 % des Testergebnisses.

Das waren allerdings im Falle der Transporter nur Gurtwarner für Fahrer sowie in wenigen Fällen Geschwindigkeitsassistenten. Für nur optional angebotene Systeme wurden 50 % angerechnet. Nach dieser Wertung erreicht nur ein Fahrzeug Silber (Mercedes Vito), für acht Transporter wird Bronze vergeben. Alle anderen Modelle erhalten ein »nicht empfehlenswert«. Betrachtet man die Standardausführungen der Transporter, müssen alle Modelle im Test mit »nicht empfehlenswert« bewertet werden.

Auch die EU-Kommission hat das Potenzial der Assistenten erkannt und fordert ab 2022 viele Systeme serienmäßig für neue Fahrzeugtypen. Aus Sicht des ADAC wäre es wünschenswert, dass die Hersteller die Systeme schon vorher serienmäßig anbieten und die Leistung der Systeme auf das Pkw-Niveau heben. Bis dahin empfiehlt der ADAC Käufern, mindestens den Notbremsassistent zu wählen.

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