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Hoffnungsträger »grüner Wasserstoff«

Forschen, Testen, Speichern

26. April 2021, 08:02 Uhr   |  Gudrun Janicke und Petra Buch, dpa

Forschen, Testen, Speichern
© petrmalinak | shutterstock.com

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Es geht um die Herstellung, aber vor allem die Speicherung. Dazu laufen in Ostdeutschland einige Projekte.

Man gehe bereits in die Praxis, sagte EWE-Fachmann Paul Schneider. Getestet werde die sichere Speicherung von Wasserstoff, die Verträglichkeit von Materialien und der Reinheitsgrad nach der Entnahme aus der Kaverne – dem unterirdischen Hohlraum. Ein Hohlraum mit den Ausmaßen eines Einfamilienhauses wird aus dem Salzgestein im märkischen Boden heraus gewaschen. An der Erdoberfläche wird in Kürze die Technik errichtet, damit das Unternehmen mit der sogenannten Aussolung beginnen kann: Mit Wasser aus einem nahen Teich. »Wasserstofftechnik soll damit großflächig wirtschaftlich und erneuerbare Energie speicherfähig und damit rund um die Uhr nutzbar gemacht werden«, sagt Schneider.

Bundesweit laufen einige Wasserstoff-Forschungsvorhaben. Das Bundesforschungsministerium fördert die Grundlagenforschung. »Ich möchte Deutschland weltweit zur größten Wissensquelle für ‚grünen‘ Wasserstoff machen«, betont Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Er sei ein zentraler Baustein zur Energiesicherheit des Hochtechnologielandes Deutschland.

»Grüner« Wasserstoff wird durch Elektrolyse hergestellt: Wasser wird durch Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Stammt der Strom aus erneuerbaren Energien, heißt es »grüner« Wasserstoff. Die Bundesregierung will mit rund 700 Millionen Euro bis 2025 die Forschung in dem Bereich weiter ankurbeln.

Unter anderem die ostdeutsche Chemieregion benötigt große Mengen Energie. In Leuna etwa wollen Wissenschaftler mit einer Elektrolysetest- und Versuchsplattform herausfinden, wie grüner Wasserstoff im großen Stil und kostengünstig hergestellt, transportiert und gespeichert werden kann. Die Arbeiten an dem Projekt seien im Plan, wie ein Sprecher des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle sagt.

Die Pilotanlage soll den Angaben zufolge wie geplant in diesem Jahr starten. Darin sollen Wissenschaftler des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP (Leuna) und dem Fraunhofer-Institut IWMS aus Halle zusammenarbeiten. Sachsen-Anhalt hat zudem den Anspruch, eine Wasserstoff-Modellregion in Deutschland zu werden. »Das Spannende ist, wie es gelingen kann, eine energieintensive Industrie klimaneutral umzubauen«, sagt ein Sprecher des Magdeburger Wirtschaftsministeriums.

Unter dem Namen Hypos arbeitet ein Netzwerk aus rund 130 Unternehmen, Instituten und Forschungseinrichtungen. Aufgabe ist, sich für die Herstellung, Speicherung, Verteilung und breite Anwendung von grünem Wasserstoff in den Bereichen Chemie, Raffinerie, Mobilität und Energieversorgung zu engagieren.

Auch anderswo tut sich viel. In der Lausitz setzt ein Netzwerk DurcH2atmen auf Wasserstoff speziell für die Zeit nach der Braunkohle. In Görlitz unterstützen das Land Sachsen und der Bund die Einrichtung einer Forschungsplattform für Wasserstofftechnologien mit 30,5 Millionen Euro. Unter dem Namen Fraunhofer Hydrogen Lab Görlitz (HLG) gehört es zu den Projekten für den Strukturwandel in der Lausitz. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette sollen neue technische Ansätze entwickelt und erprobt werden.

In Rüdersdorf ist EWE mit seinem Investitionsvorhaben im Umfang von 10 Millionen Euro nach eigenen Angaben gut im Plan. Vier Millionen Euro stammen vom Unternehmen, der Rest aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie als Förderung durch das Bundesverkehrsministerium. Die Steinsalzschicht beginnt in Rüdersdorf in 600 Meter Tiefe und reicht bis zu 3200 Meter in die Erde. Das Salz stammt nach irmenangaben aus einem Meer, dass es vor 250 Millionen Jahren im heutigen Brandenburg gab.

In den kommenden Monaten soll die Technik aufgebaut werden, um die Aussolung - die Ausspülung des Steinsalzes - zu starten, sagt EWE-Projektleiter Hayo Seeba. Über eine vorhandene etwa 54 Kilometer lange unterirdische Sole-Leitung wird das Wasser nach Heckelberg geleitet, wo sich in großer Tiefe von Natur aus bereits Salzwasser befindet.

An dem Standort hat EWE bereits seit 2007 Speicher-Erfahrungen. Zwei der insgesamt 37 Erdgaskavernen des niedersächsischen Unternehmens befinden sich dort. Die bereits vorhandene Bohrung wurde für den Bau einer dritten Test-Kaverne genutzt. Nach Unternehmensangaben besitzt EWE 15 Prozent der deutschen Kavernenspeicher, die sich für die Lagerung von Wasserstoff eignen könnten.

EWE will künftig 3 bis 4 Terawattstunden Wasserstoff im Jahr speichern - etwa 100 000 Tonnen. Damit könnten 16 Millionen Wasserstoff-Autos vollgetankt werden. Wenn in Rüdersdorf alles gut klappt, könnten Erkenntnisse aus dem Projekt auf Kavernen mit dem 1000-fachen Volumen übertragen werden. Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt, wie das Unternehmen betont.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH