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Audi zFAS

Enorme Datenmengen bewältigen


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Zusammenarbeit mit Halbleiterherstellern

Grundsätzlich werden im zFAS nur Bauteile eingesetzt, die für den Automotive-Einsatz qualifiziert sind. Laut Vukotich soll das auch in absehbarer Zukunft so bleiben. Es sei zwar denkbar, dass Bauteile zunächst im Konsumelektronikbereich eingesetzt würden. Bevor sie dann aber für das zFAS verwendet werden, müssten sie für den Au¬to¬mo¬tive-Einsatz qualifiziert werden. Darüber hinaus legt man bei Audi großen Wert darauf, die Software für das zentrale Steuergerät zu großen Teilen selbst zu entwickeln.

Die grundsätzliche Arbeitsteilung bei der Entwicklung des zFAS bringt Vukotich so auf den Punkt: „Delphi ist der Lieferant des zFAS, die Software-Plattform entwickeln wir mit TTTech und Nvidia ist für die Funktionsintegration auf dem K1 zuständig. Die eigentliche Entwicklungsarbeit liegt bei Audi.“ Speziell für die Zusammenarbeit mit Halbleiterherstellern hat Audi schon vor einiger Zeit das Progressive Semiconductor Program (PSCP) ins Leben gerufen. Durch den direkten Kontakt zu den Herstellern sollen zum einen Innovationen schneller ihren Weg in die Serie finden. Zum anderen dient der rege Informationstausch auch der Qualitätssicherung. Zwar basiert das zFAS nur auf Standardbausteinen und keinen völlig neuen Lösungen, doch ohne einen besonderen Draht zu den Halbleiterherstellern würde ein Projekt wie das zentrale Fahrerassistenzsteuergerät nach Ansicht von Vukotich nicht funktionieren.

Gerade Nvidia tritt allerdings nicht nur als Entwicklungspartner von Audi auf, sondern bietet mit der auf der CES im Januar 2016 vorgestellten Drive-PX-2-Plattform eine eigene Lösung an, die von den Leistungsdaten her klar oberhalb des zFAS positioniert ist. Mit Hilfe von zwei neuen Tegra-Prozessoren sowie zwei GPUs soll die neue Plattform eine Rechenleistung von acht Teraflops liefern, was in etwa der Rechen-Power von 150 MacBook Pros entspricht. Diese Leistungsreserven sollen etwa für eine Bilderkennung mittels rechenintensiver neuronaler Netze genutzt werden. Die Kehrseite der Medaille ist eine Leistungsaufnahme von rund 250 Watt, weshalb Nvidia das Drive-PX-2-Modul mit einer Wasserkühlung ausstattet. Volvo hat bereits angekündigt, die Plattform in Erprobungsfahrzeugen zu nutzen.

Vukotich betrachtet Nvidias Aktivitäten mit Gelassenheit: „Ich würde sagen, Nvidia ist ein Bruder im Geiste. Der Ansatz bei Drive PX 2 ist derselbe wie unserer. Doch anders als beim zFAS handelt es sich nicht um eine serientaugliche Plattform, sondern das Modul dient rein zu Entwicklungszwecken.“ Allein schon die hohe Leistungsaufnahme sei für einen Serieneinsatz nicht akzeptabel. Und auch beim Thema neuronale Netze müsse man sich nicht verstecken: „Auch auf dem zFAS setzen wir diese Technik bereits ein.“ Vukotich geht davon aus, dass auch andere OEMs an Lösungen wie dem zFAS arbeiten, erwartet aber, dass niemand vor Audi ein solches Konzept auf die Straße bringen werde.

Hohes Tempo bedeutet hohe Anforderungen

Bei dem für nächstes Jahr angekündigten A8 wird das zFAS u.a. ein pilotiertes Fahren bei Stausituationen auf Autobahnen ermöglichen. Eine Weiterentwicklung dieser Funktion in Richtung höherer Geschwindigkeiten betrifft allerdings nicht allein das zentrale Fahrerassistenzsteuergerät, sondern das Fahrzeug als Ganzes. So sind für das automatisierte Fahren redundante Systeme etwa beim Bremsen oder Lenken erforderlich. Je höher die Geschwindigkeit wird, desto höher werden auch die Sicherheitsanforderungen.
Auch wenn das zFAS von Veränderungen im Fahrzeug nicht unmittelbar betroffen ist, muss es trotzdem angepasst werden, um weiterhin mit den entsprechend geänderten Fahrzeugkomponenten kommunizieren zu können. Darüber hinaus sind aber auch für das zFAS selbst schon Weiterentwicklungen geplant. So wird die Zahl der im Auto verbauten Sensoren weiter steigen. Dementsprechend muss auch die Rechenleistung des zFAS wachsen. Außerdem sollen laut Vukotich auch die KI-Anteile weiter ausgebaut werden.

Bis Datenfusion und -auswertung allerdings eine mit dem menschlichen Gehirn annähernd vergleichbare Qualität erreichen werden, wird es mit Sicherheit noch eine ganze Weile dauern. Doch immerhin können die KI-Lösungen schon jetzt mit komplexen Situationen umgehen – und anders als der Mensch bleiben sie dabei immer aufmerksam.

 


  1. Enorme Datenmengen bewältigen
  2. Aufbau und Bestandteile des zFAS
  3. Zusammenarbeit mit Halbleiterherstellern

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