IEC-61131-3-Automatisierungs-Software

Umfangreiches Update für Codesys

12. November 2021, 21:59 Uhr | Andreas Knoll
SPS 21 Codesys
Bedienoberflächen, die mit dem Codesys Development System erstellt sind, lassen sich jetzt über eine GPU flüssiger als bisher animieren.
© Codesys Group

Die tägliche Arbeit beschleunigen und technische Neuerungen in der Automatisierung für Anwender nutzbar machen: Dieses Ziel verfolgte die Codesys Group bei der Entwicklung des neuesten Updates ihres Codesys-Pakets.

„Codesys V3.5 Service Pack 17“ – die offizielle Bezeichnung der jetzt veröffentlichten überarbeiteten Version klingt eher zurückhaltend. Dennoch bekommen die laut Codesys Group weltweit etwa 200.000 Nutzer der IEC-61131-3-Automatisierungs-Software mit dem Service Pack 17 umfangreiche neue Funktionen.

Als modulare Software konzipiert, lässt sich Codesys V3 durch Add-on-Komponenten erweitern. Hersteller kompatibler Steuerungen und deren Anwender können selbst funktionale Plug-ins installieren und so den Funktionsumfang an ihre Anforderungen anpassen. Dabei ist es unerheblich, ob die Add-ons vom Toolhersteller bereitgestellt und über die Online-Plattform „Codesys Store“ heruntergeladen oder per .NET-basiertem SDK selbst entwickelt wurden.

In Service Pack 17 wird die Modularisierung konsequent fortgesetzt: Viele bisher fest integrierte Module sind ab sofort ebenfalls in Add-on-Komponenten mit eigener Versionierung ausgelagert. Hierzu gehören unter anderem Programmiereditoren für die IEC-61131-3-Programmiersprachen Ablaufsprache und Kontaktplan, Visualisierungstools, Motion Control sowie die Unterstützung unterschiedlicher Feldbussysteme. Übrig bleibt ein schlankes Kernprodukt mit den absolut erforderlichen Basiskomponenten, genannt „Codesys Essentials“. Weil beim ersten Setup dennoch alle Komponenten installiert werden, bemerken Anwender zunächst keinen Unterschied. Die Add-on-Komponenten lassen sich jetzt aber separat aktualisieren und auf Wunsch auch deinstallieren. Sobald neue Versionen einzelner Komponenten freigegeben sind, bekommen die User direkt im Tool eine Information per Push-Nachricht. Gewünschte Einzel-Updates lassen sich dann sofort installieren, ohne die Basisversion zu verändern.

Anwender sollen damit schneller als bisher von Verbesserungen profitieren. So muss ein Applikationsentwickler nicht mehr auf die Freigabe eines vollständigen Service Packs warten, um bei der Logikprogrammierung die neuen Funktionen des CFC-Editors nutzen zu können. Mit dem „Codesys Installer“, der gleichzeitig mit dem Setup installiert wird, können Anwender sämtliche Installationen in einem PC verwalten und anpassen. Er ermöglicht unter anderem, ein und dieselbe Version des Basissystems mehrfach zu installieren – in unterschiedlichen Kombinationen der Add-on-Komponenten. Experimentelle Testinstallationen und produktiv genutzte Installationen lassen sich dadurch sicher voneinander trennen und parallel nutzen. Zudem können sich Power-User individualisierte Versionen zusammenstellen, dabei etwa auf ungenutzte Komponenten verzichten und damit den Ressourcenverbrauch sowie die Installationszeit optimieren. Alle Add-on-Komponenten lassen sich bei Bedarf jederzeit von einem Online-Server nachladen und wie bisher nahtlos ins Tool installieren. Die Integrität der Add-on-Komponenten wird durch X.509-Zertifikate abgesichert.

Apropos CFC-Editor: Die Nutzer des freigrafischen Funktionsplan-Editors profitieren von einer ganzen Reihe von Verbesserungen. So wird der verwendete Platz für die Darstellung im Editor optimiert und erstellter Code übersichtlicher dargestellt. Werden Bausteine im CFC aufgerufen, so lassen sich deren Ein- und Ausgangsvariablen in der grafischen Darstellung jetzt frei positionieren, was wiederum die Übersichtlichkeit verbessert und die weitere Arbeit beschleunigt. Keyboard-Shortcuts und vergrößerte Verbindungsbereiche sorgen dafür, dass Programmierer den gewünschten Code schneller eingeben können. Last but not least: Die Ansicht des Editors lässt sich von der normalen Darstellung in ein augenschonendes Dark-Theme umschalten.

Flexiblere Bedienoberflächen

Mit dem Editor der im Codesys Development System integrierten Visualisierung erstellen Anwender grafische Bedienoberflächen – und zwar in einer einzigen Oberfläche parallel zur SPS-Applikation. Anhand dieser Masken testen sie die erstellte Logikapplikation, nehmen diese in Betrieb oder nutzen sie, um ein anspruchsvolles Bedienkonzept der automatisierten Maschine oder Anlage zu erstellen. Die Bedienmasken lassen sich dafür zusätzlich zum Entwicklungssystem in einer eigenen PC-Runtime, im Browser oder in geeigneten Panelsteuerungen darstellen.

Die neue Version vereinfacht die Arbeit mit Panelsteuerungen: Über eine einzige Option lässt sich die Unterstützung von Client-Animationen und Overlay-Funktionen aktivieren. Verfügt das Zielgerät über einen grafischen Coprozessor (GPU), wird dieser aktiviert und die CPU der Steuerung für grafische Operationen nicht mehr belastet. Animationen wie das Einfliegen von Dialogen, das Wischen zur nächsten Bedienseite oder das Ein- und Ausblenden grafischer Elemente erfolgen daher mit der neuen Version geschmeidiger. Die Konfiguration solcher Animationen ist dabei einfach: Es genügt, das Bewegungsziel und die Dauer der Animation anzugeben – Codesys kümmert sich um die Ansteuerung der GPU und die ruckfreie Ausführung. Mit dem Update ist es darüber hinaus möglich, aus verschiedenen Basiselementen zusammengestellte Visualisierungselemente gemeinsam zu rotieren – ebenfalls gerechnet in der GPU. Auch die Nutzung animierter Grafikelemente wie „Animated-GIF“-Dateien ist möglich.

Mit der Konfiguration redundanter Steuerungen können Anwender ab sofort auch die Synchronisierung der Web-Visualisierung auf diese Steuerungen mit wenigen Mausklicks konfigurieren. Für den Fall, dass die aktive Steuerung wechselt, etwa wegen eines Ausfalls, werden alle verbundenen WebVisu-Clients ebenfalls auf die dann automatisch neu aktiv geschaltete Steuerung synchronisiert. Die Bediener sehen somit immer den aktuellen Zustand der Maschine oder Anlage, einschließlich der zugehörigen Alarmverwaltung für das redundante System.

Integrierter Git-Client

Zur effizienten Programmierung anspruchsvoller Logikapplikationen bietet die Codesys Group ein optionales Paket aus Zusatztools an. Das Bundle „Codesys Professional Developer Edition“ umfasst Tools, um Quellcode statisch auf typische Problemstellen zu analysieren, die Abarbeitungsdauer einzelner Teile der SPS-Applikation im Zielgerät auszumessen oder automatisierte Tests der Applikation zu ermöglichen. Zur Quellcode-Verwaltung wurde bislang „Apache Subversion“ unterstützt. Jetzt ergänzt ein integrierter Client für die Open-Source-Versionsverwaltung Git das Bundle.

Anwender profitieren mehrfach davon: Der Quellcode von Steuerungsapplikationen lässt sich in verteilten Datenbanken verwalten, sogenannten Repositories. Werden im Entwicklungsprozess Änderungen am Quellcode vorgenommen, so protokolliert das System diese automatisch. Bei Bedarf sind ältere Stände der Applikation problemlos wiederherzustellen.

Oft wird eine SPS-Applikation im Laufe ihres „Lebens“ in unterschiedlichen Maschinen installiert, die Maschinen werden aber unabhängig voneinander gepflegt und gewartet. Die Verwaltung solcher Änderungen in Entwicklungszweigen, sogenannten „Branches“, ist ohne ein Zusatztool mühsam, mit Git und der Integration in Codesys aber einfach zu realisieren. Wird ein Projekt angesichts von Größe, Komplexität oder Zeitdruck mit mehreren Applikationsentwicklern gleichzeitig umgesetzt, lassen sich die Aufgaben mit einem Tool wie Git sicher koordinieren. Dabei nutzen Anwender die Versionsverwaltung in einem logischen Workflow, der sich kaum von der Arbeit ohne Git-Anbindung unterscheidet.


  1. Umfangreiches Update für Codesys
  2. OPC-UA-Unterstützung

Verwandte Artikel

CODESYS GmbH

SPS

SPS News