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IDS für neue Geschäftsmodelle

Ein Marktplatz für den Handel von Daten


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

In der Digitalisierung wettbewerbsfähig bleiben

Das übergreifende Ziel besteht letztendlich darin, die Wirtschaft hierzulande wettbewerbsfähig zu halten. Die hohe Kunst ist, weiterhin das zu tun, was die mittelständisch geprägte deutsche Wirtschaft so gut kann: exzellenten Produkte entwickeln. Dazu müssen die bisherigen Geschäftsmodelle optimiert werden. Die Herausforderung besteht also darin, parallel dazu auch noch die Möglichkeiten der digitalen Transformation in ganz neue Geschäftsmodelle umzusetzen, die vor allem auf den Austausch von Daten basieren werden.

Leider hat Prof. Dr. Boris Otto auf diesem Gebiet eher traurige Erfahrungen gemacht: Viele Manager auch aus mittelständischen Unternehmen seien in letzter Zeit ins Silicon Valley gepilgert, um sich dort inspirieren zu lassen – was grundsätzlich ja gut sei. Dann kämen viele aber fast schon frustriert darüber zurück, weil ihnen „diese physischen Produkte“ wie ein Klotz am Bein hingen. Zur Klage  bestünde aber laut Boris Otto keinerlei Grund: »Es kommt darauf an, die exzellenten Produkte mit der Digitalisierung und ihren Möglichkeiten zu koppeln.«

Keine leichte Aufgabe, wie etwa Dr. Gunther Kegel, Vorsitzender der Geschäftsführung von Pepperl+Fuchs, an anderer Stelle aus der Praxis berichtete: »Wie können wir die existierenden Hardware-orientierten Geschäftsmodelle weiter optimieren, wie parallel dazu die neuen Software-orientierten Modelle entwickeln? Wie das Zusammenspiel von Software und Hardware funktionieren wird, bedarf noch der Klärung.«

Datentaustauch und Datensouverenität verbinden

Zu dieser Klärung will der IDS entscheidend beitragen: Es kommt also darauf an, dass alle Beteiligten die Daten sehen, die sie in einem bestimmten Fall angehen, dass der Eigentümer sie dann auch zur Verfügung stellen und dass sie ausgetauscht werden können. Erst dann wäre die Voraussetzung dazu geschaffen, um aus den Daten auch einen Gewinn zu realisieren, wie Michael Hauf, Leiter Marketinglogistik von Audi aus der Praxis berichtet: Wenn ein solcher Datenaustausch im geschützten Raum des IDS  zum Zeitpunkt der Fukushima-Katastrophe 2011 zur Verfügung gestanden hätte, dann hätten über den Datenaustausch der OEMs mit den Tier1, 2 und 3-Zuliefereren und deren Zulieferern sowie aus weiteren Quellen Daten zur Verfügung gestanden, um schnell analysieren zu können welche Teile der Lieferkette von Ausfällen bedroht gewesen wären. So aber stocherten de Firmen monatelang im Nebel, keiner konnte wirklich etwas Genaues sagen.  

Wie IDS in der Praxis funktioniert, zeigt ein Projekt der Fraunhofer Gesellschaft ISST mit Salzgitter: Das IDS-System tauscht Lagerdaten zwischen Kunden- und Lieferantensystemen unter Einsatz von Smart Apps automatisiert und verschlüsselt über maschinelle Schnittstellen. So weiß der Kunde jederzeit, ob die gewünschte Stahlsorte zum Wunschtermin vorrätig ist und wieviel davon. Der bisher erforderliche aufwendige manuelle Datenabgleich entfällt. Nach demselben Muster lassen sich Transporte in Echtzeit überwachen, etwa um festzustellen, ob die Kühlkette lückenlos funktioniert oder ob jemand etwas widerrechtlich etwas geöffnet hat. Für weitere Anwendungen sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Allerdings kann IDS nur ein Baustein im Gesamtgebilde Industrie 4.0 sein. Sehr viel ist nach den Worten von Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, über das vergangene Jahr bereits geschehen, etwa im RAMI-Modell. Gerade wird an einem Betriebssystem namens VBaSyy4.0 gearbeitet. Doch neben Standardisierung und Sicherheit seien auch das High-Speed-Internet – in seiner mobilen Form G5 – und Bereitband wichtige Infrastrukturvoraussetzungen.


  1. Ein Marktplatz für den Handel von Daten
  2. In der Digitalisierung wettbewerbsfähig bleiben

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