Unterschätzte Gefahren

Vorhaben Blackout

23. Mai 2018, 13:00 Uhr | Irina Hübner
Irina Hübner, Redakteurin
Irina Hübner, Redakteurin der Elektronik
© WEKA FACHMEDIEN

Wie sicher ist das deutsche Stromnetz? Was ist, wenn Hacker es darauf anlegen würden, die Stromversorgung außer Gefecht zu setzen? Eine neuartige Bedrohung, die durch die Energiewende noch verstärkt wird.

Marc Elsberg erzählt in seinem 2012 erschienenen Roman „Blackout“, wie Hacker einen fast zwei Wochen andauernden Stromausfall in ganz Europa verursachen. Mit verheerenden Folgen, denn das gewohnte öffentliche Leben bricht ohne Strom völlig zusammen. Entstammt ein solches Szenario ausschließlich dem Reich der Phantasie? Nein! Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren eines kürzlich im SZ-Magazin veröffentlichten Beitrags.

In der Ukraine gelangen unlängst zwei Cyber-Angriffe erheblichen Ausmaßes auf das Stromnetz. Nach monatelanger Spionage gewannen Hacker im Dezember 2015 die Kontrolle über drei ukrainische Stromversorger, sodass sie die Computer in den Leitstellen fernsteuern konnten.

Beim nächsten Angriff im Dezember 2016 mussten die Hacker die Computer nicht mehr aus der Ferne bedienen, denn die zuvor eingeschleuste Schad-Software konnte wesentliche Elemente des Angriffs selbstständig ausführen. Die zweite Attacke beschränkte sich nicht auf das Sabotieren von Computern, sondern nahm Einfluss auf die Steuerungselektronik. Eine so professionelle Attacke wurde zuvor nur theoretisch diskutiert – oder eben in der Literatur.

Deutsches Stromnetz besonders anfällig

Wie wahrscheinlich ist es nun, dass das deutsche Stromnetz Opfer einer Cyber-Attacke wird? Manche Sicherheitsexperten halten das zumindest nicht für ausgeschlossen. In Deutschland gebe es zwar eine bessere Absicherung gegen Hacker als in der Ukraine. Doch wenn Angriffe auf Stromnetze erst einmal erprobt seien, könnten sie sich weltweit durchführen lassen.

Außerdem sei das deutsche Stromnetz durch die Energiewende generell sehr anfällig für Störungen. Dadurch, dass immer mehr Energieerzeuger in das Netz einspeisen, entstehen neue Einfallstore für mögliche Angriffe. Die Kommunikation zwischen Erzeugern und Verbrauchern wird ständig komplexer. Normalerweise sorgen aufwendige Angebot-Nachfrage-Mechanismen für eine stabile Netzfrequenz.

Die Steuerungsprozesse könnten beispielsweise so manipuliert werden, dass die Netzfrequenz zu stark sinkt oder steigt und in der Folge riesige Mengen an Strom an Stellen angefordert werden, wo gerade keiner benötigt wird.

Traditionelle Bedrohungen im Fokus

Ein Problem sei auch, dass das Hauptaugenmerk bei der Absicherung der Energieversorgung nach wie vor auf traditionellen Bedrohungen liege. Kraftwerke und Schaltzentralen sind physisch gesichert wie Festungen. Sie halten Erdbeben, Terroranschlägen und Bombenangriffen stand. Hingegen komme sogar an kritischen Stellen häufig Standard-Software zum Einsatz und in den Schaltzentralen seien zum Teil Rechner mit veralteten Betriebssystemen im Einsatz, die nicht einmal gewartet würden.

Möglicherweise unterschätzen Stromversorger die neuartigen Bedrohungen durch mächtige Schad-Software noch. Da geht es ihnen zwar nicht anders als vielen Privatleuten, die im Internet recht sorglos ihre Spuren hinterlassen und sich wenig um sichere Passwörter oder andere Schutzvorkehrungen kümmern. Allerdings könnte ein fahrlässiges Verhalten in diesem Fall weit schlimmere Folgen für die Allgemeinheit haben.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

WEKA FACHMEDIEN GmbH