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Kohleausstieg in Gefahr

EUPD Research befürchtet Stromerzeugungslücke schon 2022

02. Dezember 2020, 09:19 Uhr   |  Gerhard Stelzer

EUPD Research befürchtet Stromerzeugungslücke schon 2022
© BSW Solar

Anfang Dezember 2020 tagte im Bundeskanzleramt das Klimakabinett.

Die Marktforscher von EUPD Research warnen vor einer Stromerzeugungslücke bereits in 2022. Daraus würde eine Laufzeitverlängerung fossiler Kraftwerke in Deutschland resultieren. Vor dem Jahreswechsel könne die Politik mit dem EEG jedoch gegensteuern.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) und die Marktforscher von EUPD Research sehen die Gefahr, dass sich der Ausstieg aus der Kohleverstromung um viele Jahre verzögert. Das ergebe sich zwingend, wenn Erneuerbare Energien, d.h. Photovoltaik und Windenergie sowie ergänzende Speicherkapazitäten, nicht unverzüglich deutlich schneller ausgebaut würden. Bereits in zwei Jahren sei mit einer erheblichen Unterdeckung des Strombedarfs in Deutschland zu rechnen, ergaben die Analysen von EUPD Research, die zur Sitzung des Klimakabinetts im Kanzleramt am Anfang Dezember 2020 veröffentlicht wurden.

Photovoltaik in Deutschland

Kennzahlen der Photovoltaik-Branche in Deutschland.
Die jährlich neu installierte Photovoltaik-Leistung von 2009 bis 2019: Nach einem starken Zubau zu Anfang des Jahrzehnts folgte ein starker Einbruch.
Nach einer Stagnation der Solarstromerzeugung in der Mitte des Jahrzehnts ist die Branche ab 2018 wieder auf dem Wachstumspfad zurückgekehrt.

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Stromlücke von 100 Mrd. kWh

Eine bereits 2022 aufreißende Stromlücke wird sich nach Berechnungen der Bonner Marktforscher nur im ersten Jahr durch Stromimporte aus dem Ausland vollständig ausgleichen lassen. »Bereits im Jahr 2023 wird der europäische Stromverbund die Stromlücke nicht mehr schließen können. Die Laufzeitverlängerung von Kohlekraftwerken wird dann unausweichlich«, befürchtet Dr. Martin Ammon, Geschäftsführer von EUPD Research. 2023 werde die Stromlücke bereits nahezu 100 Milliarden Kilowattstunden betragen. Das entspräche fast einem Fünftel des zu diesem Zeitpunkt erwarteten Strombedarfs. Der simulierte Importbedarf an Strom aus dem europäischen Ausland steigt in der Spitze für das Jahr 2023 zeitweise bis auf 30 GW.

»Die Bundesregierung rennt sehenden Auges in eine Stromlücke. Trotz wiederholter und zahlreicher Warnungen aus der Wissenschaft ignoriert sie den wachsenden Strombedarf infolge einer zunehmenden Verstromung der Mobilität und Wärmeversorgung. Deutliche Nachbesserungen am derzeit im Bundestag verhandelten Gesetzesentwurf zum EEG 2021 sind unverzichtbar. Sie sind die letzte Gelegenheit, um eine Laufzeitverlängerung von Kohle- oder Atommeilern zu vermeiden«, warnt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW. Vor der Bundestagswahl werde es keine weiteren Gesetzesänderungen mehr geben und ein mögliches Gegensteuern in der nächsten Legislaturperiode käme zu spät.

Kennzahlen der Photovoltaik / Solarenergie in Deutschland 2019/2020.
© BSW Solar

Kennzahlen der Photovoltaik / Solarenergie in Deutschland 2019/2020.

Bundesländer fordern Streichung von Marktbarrieren

Auch eine Mehrheit des Bundesrates scheint das inzwischen erkannt zu haben. Sie forderte im November den Bundestag auf, die neu installierte Photovoltaik-Leistung von derzeit rd. 4 bis 5 Gigawatt auf 10 Gigawatt im Jahr anzuheben. Eine klare und parteiübergreifende Mehrheit der Ministerpräsidenten sprach sich zudem dafür aus, zahlreiche Marktbarrieren aus dem aktuellen Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2021) zu streichen.

»Geschieht das nicht, so droht nahezu einer halbe Million älterer Solarstromanlagen das vorzeitige Aus, während die Laufzeit von Klimakiller-Kraftwerken um Jahre verlängert werden dürfte. Das stößt nicht nur tausende Klimaschutz-Pioniere vor den Kopf. Dem überwiegenden Teil der Bürgerinnen und Bürger dürfte es ebenso wenig vermittelbar sein, dass die Installation neuer Solardächer noch vor der Bundestagswahl deutlich ausgebremst wird, anstatt diese deutlich zu beschleunigen, wie es klimapolitisch dringend geboten wäre«, mahnt Körnig.

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