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Marktstudie des VDMA

Batterieproduktion schafft 70.000 neue Jobs in Europa

12. November 2020, 10:30 Uhr   |  Ralf Higgelke

Batterieproduktion schafft 70.000 neue Jobs in Europa
© ees Europe

In ganz Europa schießen Batteriezell-Fertigungen wie Pilze aus dem Boden.

Europa hat als Produktionsstandort für Batteriezellen lange keine große Rolle gespielt. Doch technischer Fortschritt, günstige politische Rahmenbedingungen und ein äußerst vielversprechender Absatzmarkt machen den Kontinent zusehends attraktiver für die Batterieherstellung.

Die Energieversorgung in Deutschland und Europa befindet sich mehr denn je im Wandel. Mit dem zunehmenden Erfolg erneuerbarer Energien gerät auch ein weiterer Technologiezweig ins Blickfeld: Energiespeichertechnologien und vor allem Batteriespeicher werden im Zuge der Energiewende immer wichtiger. Diese Entwicklung ist auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland von Bedeutung, denn in der Batterieproduktion werden hierzulande künftig tausende Arbeitsplätze entstehen.

Die große Bedeutung der Batteriezellproduktion ergibt sich aus ihrer Schlüsselfunktion für die vorgelagerten Wertschöpfungsstufen – im gesamten Bereich der erneuerbaren Energieversorgung sowie insbesondere auch bei der Herstellung von Elektroautos: Batteriezellen machen rund 40 Prozent der Wertschöpfung in der Herstellung eines Elektrofahrzeugs aus. In keiner anderen Weltregion wachsen die Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien daher so schnell wie in Europa. Bis 2030 wird der Anteil an der globalen Fertigung nach aktuellen Prognosen von derzeit rund sechs Prozent auf 16 bis 25 Prozent anwachsen.

Aktuell entstehen in Europa zahlreiche Fabriken zur Batteriezellfertigung: Nach Erkenntnissen von Benchmark Mineral Intelligence werden bis 2029 voraussichtlich Fertigungskapazitäten von über 300 GWh Batteriekapazität in Europa erreicht. Die Metastudie Batterien für Elektroautos: Faktencheck und Handlungsbedarf des Fraunhofer ISI im Auftrag des VDMA spricht sogar von einer Produktionskapazität von 300 GWh bis 400 GWh bis 2025. Mehr als 170 GWh Produktionsleistung entfallen hierbei laut Battery-News allein auf den deutschen Markt. Zum Vergleich: Aktuell bestehen in Europa Fertigungskapazitäten von rund 30 GWh.

Neue Jobs dank Batterieproduktion

Die bereits angesprochene Metastudie des Fraunhofer ISI kommt zu dem Ergebnis, dass je Gigawattstunde Batterieleistung 40 Jobs in der Fertigung der Batteriezelle sowie 200 »vorgelagerte« Arbeitsplätze entstehen werden, etwa in der Forschung und Entwicklung sowie im Maschinen- und Anlagenbau. Hochgerechnet auf die prognostizierte Fertigungskapazität von mindestens 300 GWh in Europa bis 2029 entspricht das 12.000 direkten und 60.000 vorgelagerten Arbeitsplätzen. Bis 2033 rechnet das Fraunhofer ISI aufgrund weiterer anzunehmender Beschäftigungseffekte sogar mit 155.000 Jobs in Zusammenhang mit der Batteriefertigung.

So wird es beispielsweise auch Bedarf an Fachkräften in der Systemintegration und bei der Wartung der Anlagen geben. Daneben werden auch im Zusammenhang mit anderen Speichersystemen, etwa Brennstoffzellen und Elektrolyseuren, weiter neue Arbeitsplätze entstehen. Sogenannte »nachgelagerte Jobs« entstehen aktuell bei Herstellern von Stromspeichern, wie etwa bei Tesvolt: Der Hersteller von stationären Speichersystemen für Gewerbe und Industrie hat gerade eine Großserienproduktion von Speichersystemen in Betrieb genommen.

Batteriezellen und Speichersysteme – Made in Europe

Konkrete Ankündigungen zur Produktion von Batteriezellen oder Speichersystemen in Europa gibt es derzeit viele:

  • So plant etwa Volkswagen zusammen mit dem schwedischen Partner Northvolt am Standort Salzgitter den Aufbau einer Batteriezellenfabrik für Lithium-Ionen-Akkus. Das Werk soll zum Jahreswechsel 2023/2024 in Betrieb genommen werden und für bis zu 24 GWh pro Jahr Fertigungskapazität ausgelegt sein. VW rechnet mittelfristig mit 700 Arbeitsplätzen in der Produktion sowie weiteren 300 im Entwicklungszentrum.
  • Opel kündigte gemeinsam mit dem Mutterkonzern PSA und dem französischen Batteriehersteller Saft eine Batteriezellenproduktion am Opel-Standort Kaiserslautern an. Geplant sei eine Produktionskapazität von 32 GWh. Michael Lohscheller, CEO von Opel sprach im Zusammenhang der geplanten Gigafactory von »Deutschlands größtem Werk für Batteriezellen« – mit 2000 Jobs.
  • Auch Varta – Weltmarktführer bei kleinen Lithium-Ionen-Batterien für Kopfhörer, Thermometer und Hörgeräte und Hersteller von stationären Speichersystemen – will künftig im Bereich der E-Mobilität mitmischen und Elektroautos ausrüsten. Für die Entwicklung der nächsten Generation Lithium-Ionen-Zellen wird Varta vom Bund und den Ländern Baden-Württemberg und Bayern mit rund 300 Millionen Euro gefördert.
  • Vor kurzem hat auch Tesla seine Pläne für die geplante Fabrik in Deutschland erweitert: Der US-Elektroautohersteller will in Grünheide bei Berlin die für die Produktion benötigten Batterien selbst herstellen.
  • CATL, der größte chinesische Hersteller von Lithium-Ionen-Akkumulatoren, plant aktuell mit einer Produktionsleistung von bis zu 100 GWh die größte angekündigte Batteriezellfertigungsanlage in Europa – und das in Erfurt. CATL rechnet dabei mit der Entstehung von rund 2.000 neuen Arbeitsplätzen.

Gerade in der gegenwärtigen Covid-19 Pandemie hat sich gezeigt: Erneuerbare Energien und Energiespeichersysteme sind krisenfest und zukunftssicher. Viele Investoren schichten ihre Investments bereits in Richtung dieser Industriezweige um. Der Entwicklung verleihen politische Rahmenbedingungen wie der European Green Deal oder das EU Recovery Package weiter Aufwind.

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VDMA Verband Deutscher Maschinen- u. Anlagenbau e.V., VARTA Consumer Batteries GmbH & Co. KG aA, Volkswagen AG, Saft Batterien GmbH, VARTA Microbattery GmbH, Tesla Motors Limited, Adam Opel GmbH, VARTA Consumer Batteries GmbH & Co. KGaA, Fraunhofer ISI (Institut für System- und Innovationsforschung), VARTA Storage GmbH