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Joachim Schuhbauer, SemsoTec

»Darin liegt der Grundstock unseres Erfolges«

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Joachim Schuhbauer, Managing Director von SemsoTec: »Ich kenne eigentlich kein anderes Unternehmen aus der HMI-Branche, das über ein so gutes Netzwerk verfügt.«
© Semsotec

Der HMI-Entwickler und Fertiger SemsoTec ist auf Wachstumskurs, obwohl das Hauptgeschäftsfeld die aktuell stockende Automobilbranche ist. Anfang des Jahres wurde ein zweiter Produktionsstandort eröffnet, Ende des Jahres wird ein dritter folgen.

Über die Strategie sprach Markt&Technik mit dem neuen Geschäftsführer Joachim Schuhbauer. SemsoTec wurde 2009 gegründet, um HMI-Systeme fertigungsnah zu entwickeln und selbst mit hoher Wertschöpfungstiefe zu produzieren. In den ersten zehn Jahren lag die Unternehmensgröße bei rund 30 bis 50 Mitarbeitern, in den letzten Jahren wuchs man auf ca. 70. Im Frühjahr 2021 wurde ein neuer Standort in Brünn, Tschechien, eröffnet, und zum Jahresende wird ein hochmoderner dritter Fertigungsstandort in Cham mit insgesamt rund 5000 m2 folgen. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Um es zu steuern, wurde mit Joachim Schuhbauer ein zusätzlicher Geschäftsführer bestellt.

Herr Schuhbauer, seit 1. August sind Sie neuer Geschäftsführer bei SemsoTec, ein Unternehmen, bei dem Sie schon früher gearbeitet hatten. Wie kam es dazu?

Bis Ende 2018 verantwortete ich bei SemsoTec den Ausbau des Automobilbereichs und entschied mich danach, eine Chance zu nutzen, um meinen Markthorizont zu erweitern. Darunter hat das gute Verhältnis zum Gründer und Geschäftsführer Jochen Semmelbauer, mit dem ich mir seit 1. August die Geschäftsführung teile, nie gelitten, und auch der persönliche Kontakt ist nie abgerissen. Von einer Rückkehr überzeugt hat mich die Innovationskraft und die starke Entwicklung der Firma in den letzten fünf Jahren. Die Unternehmenskultur und das rückhaltgebende Teamwork haben mich nachhaltig beeinflusst und mir gezeigt, wie hervorragend das funktioniert. Daher hat der Schritt für mich viel Sinn gemacht.

Wo Sie die Unternehmenskultur ansprechen: Ihre Firma unterhält von Anfang an eine eigene Entwicklung und Produktion. Wie prägt das die Unternehmenskultur?

Entstanden ist die Firma aus den drei Elementen Entwicklung, Beratung und Projektleitung für die Automobilindustrie. Speziell zu einem Automobilhersteller ist eine sehr enge Zusammenarbeit entstanden, sodass wir den nötigen Anreiz hatten, uns stets aktuelle Technologien, Materialien und Fertigungsverfahren anzueignen. Darin liegt der Grundstock für unseren heutigen Erfolg. Dass wir über die Entwicklung hinaus auch Hersteller sein wollen, daran hat Jochen Semmelbauer nie einen Zweifel gelassen, und dadurch ist eine fertigungsnahe Entwicklung gewachsen. Wir lernen dadurch ständig und erweitern unser Prozess- und Fertigungs-Fachwissen, denn ein lauffähiges und effizientes Produkt ist die eine Sache; mindestens genauso wichtig ist, dass es am Ende auch wirtschaftlich gefertigt werden kann. Davon profitieren auch unsere Kunden.

Wenn wir HMIs für Fahrzeuge entwickeln, bewegen wir uns technisch ganz vorne. Da gibt es keine Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen könnte. Gerade wenn es um die Produktion geht, muss man einfach ausprobieren, und dafür braucht es Experten und Fertigungsausrüstung, sodass ein Erfahrungsschatz an Fertigungsfachwissen aufgebaut werden kann.

Wie schlägt sich das im Kundenstamm und in der Zusammenarbeit mit Kunden nieder?

Man merkt es vor allem an der Art der Zusammenarbeit. In den letzten Jahren ist aufgrund unserer Expertise und unserer Transparenz mit mehreren großen Kunden eine sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit entstanden. Dabei testen wir in unserer Fertigung z. B. Materialien, die ein Hersteller neu entwickelt, auf Umsetzbarkeit und Fertigbarkeit in Entwicklungsprojekten und teilen das gewonnene Wissen. Im Gegenzug erhalten wir Zugriff auf ganz neue Produkte, Fertigungstechniken und Materialien, die uns als vergleichsweise kleiner Firma gar nicht offenstehen würden. So können wir unseren Kunden Projekt-Unterstützung und Produkte anbieten, die eigentlich nur großen Konzernen vorbehalten sind. Der Erfolg unserer Kunden ist unser Erfolg.

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Bei SemsoTec entwickeltes Kombiinstrument
© Semsotec

Wie weit gehen solche Partnerschaften?

So weit, dass uns teilweise neueste Fertigungsprozesse und Materialien zur Verfügung gestellt werden zur gemeinsamen Optimierung.

Wie muss man sich das vorstellen?

Ein Partner, sei’s ein Zulieferer oder ein Kunde, stellt uns eine neue Technologie vor. Das können Herstellverfahren, Materialien oder neue Entwicklungen sein. Wir nutzen sie für Proof-of-Concept- oder Vorentwicklungsprojekte, für die wir beauftragt werden, und lernen dabei die spezifischen Details zur Umsetzbarkeit kennen, was dem Hersteller als auch seinen potenziellen Kunden zugute kommt, denn die Erfahrungen werden kooperativ ausgetauscht. Im Gegenzug nutzen wir das Wissen bei z. B. Automobilherstellern, die uns zum Teil als Consultant für neue Ideen kontaktieren, und helfen somit diesen neuen Technologien als neutraler Part zu Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig stehen uns diese Technologien zur Verfügung, um sie für eigene Produkte zu nutzen, die wir in Serie produzieren. Eine andere Art der Zusammenarbeit wäre, wenn ein Automobilzulieferer einen Großauftrag umsetzt und SemsoTec mit seinen flexibel ausgelegten Anlagen nutzt, die Musterphasen umzusetzen, dadurch aus der Erfahrung schöpft und diese in seiner dedizierten Fertigungslinie einfließen lassen kann, ohne selbst die Lernkurve machen zu müssen.

Gute Partnerschaften und Firmennetzwerke sind gerade für KMUs wichtig. Wie schätzen Sie die Fähigkeit Ihrer Firma hier ein?

Als extrem hoch. Unsere Firma besteht zum Großteil aus ehemaligen Mitarbeitern von großen OEMs und Tier-One-Unternehmen, die alle ihr Experten-Netzwerk mitgebracht haben. Es ist ein unschätzbarer Vorteil, dass die eigenen Mitarbeiter viele Experten von so gut wie allen großen Firmen aus der Display-Integration persönlich kennen und dort auch mal anrufen können für den fachlichen Austausch. So bekommen wir Hilfe aus den Reihen von großen Unternehmen bei Projekten, die sie sonst nicht unterstützen würden, einfach weil es technisch innovativ und herausfordernd für sie ist. Ich kenne eigentlich kein anderes Unternehmen aus der HMI-Branche, das über ein so gutes Netzwerk verfügt.

Was erledigen Sie alles In-House und wo greifen Sie auf externe Dienstleister zurück?

Grob gesagt machen wir eigentlich alles selbst, bis auf das Display, können aber für alles auch auf Partner z. B. in Asien zurückgreifen. Wir haben eine eigene Embedded- und Software-Entwicklung, simulieren und fertigen Backlights – hier müssen wir lediglich die LEDs zukaufen –, können optische Folien und jede Art von Cover-Gläsern laserschneiden. Letztere bedrucken wir auch im Siebdruckverfahren. Wir unterhalten einen eigenen Maschinenpark an Laminier- und Bonding-Maschinen und alle nötigen optischen Messanlagen. Den Touch entwickeln wir selbst, gefertigt wird er von Partnern.

Wen sehen Sie als Marktbegleiter und wie wollen Sie sich differenzieren?

Kurz gesagt, eigentlich kaum einen. Natürlich gibt es viele Unternehmen für Displays und HMIs, deren Angebote sich mit unserem überschneidet. Ein so breites Integrationswissen und eine so hohe Fertigungstiefe hat außer uns nach meinem Wissen kein Marktbegleiter. Folien und gehärtete Gläser selbst schneiden, das können zum Beispiel nur sehr wenige Firmen. Und man muss auch sehen, dass sich ein so gutes Partnernetzwerk, aus dem immer wieder innovative Produkte entstehen, meist nicht aus der Not entwickelt, weil man viele Dinge auslagern muss. Es entsteht vielmehr dann, wenn man selbst viele Arbeitsschritte beherrscht und beurteilen kann und etwas anbietet, das andere benötigen.


  1. »Darin liegt der Grundstock unseres Erfolges«
  2. Bei Medizintechnik, Luftfahrt, Industrie und E-Mobilität stärker engagieren

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