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Virtuelle Sensoren blicken tief ins Fahrzeug

07. September 2021, 15:20 Uhr   |  Nicole Wörner

Virtuelle Sensoren blicken tief ins Fahrzeug
© Compredict

Den Lebenszyklus von Fahrzeugen nachhaltiger gestalten, ihren ökologischen Fußabdruck minimieren und eine maßgeschneiderte Entwicklung zulassen? Das ist das Ziel der Software, die das aus der TU Darmstadt ausgegründete Start-up Compredict entwickelt hat. Mitgründer Stéphane Foulard im Interview.

Herr Foulard, was ist das Besondere an Compredict?

Stephane Foulard: Der Kern unserer Lösung sind virtuelle Sensoren. Das sind Algorithmen, die die Signale der Hardware-Sensoren des Fahrzeugs für tiefere Auswertungen intelligent verknüpfen. Wir nutzen also Daten und Informationen, die uns ein Fahrzeug ohnehin liefert und generieren hieraus neue Informationen, die bislang nicht messbar sind oder deren Messung bislang zu teuer oder aufwändig war – zum Beispiel das Verhalten einer Komponente im realen Betrieb, ihren aktuellen Zustand oder den Verschleiß.

Was hat Sie seinerzeit motiviert, ins Software-Geschäft einzusteigen?

Mein Co-Gründer Rafael Fietzek hat zum Thema Prüfstände promoviert und wollte ursprünglich mit mir im Hardware-Bereich gründen. Aber da hat man immer das Henne-Ei-Problem: Man braucht Geld, um einen Prototyp zu bauen, aber das Geld bekommt man oft nur, wenn man schon einen Prototyp hat. Mit einem Geschäftsmodell, das auf Software basiert, kann man leichter durchstarten. Als ich 2015 die Ergebnisse meiner Dissertation zum Online-Lastmanagement publiziert habe, waren Digitalisierung und Industrie 4.0 zu Megathemen geworden. Und die Frage kam auf, wie und welche Mehrwerte man aus Fahrzeugdaten ziehen kann. Potenzielle Kunden zeigten Interesse und es zeichnete sich ein Markt ab. Das gab den Ausschlag und wir haben die Chance ergriffen.

Worauf kommt es an, wenn man ein neues Geschäftsmodell aufbaut?

Man muss es zum richtigen Zeitpunkt tun und sein Angebot sehr klar strukturieren. Am Anfang wollten wir viel zu viel. Das geht den meisten Start-ups so. Man will alles machen, am liebsten gleichzeitig. Man muss sich aber entscheiden. Für uns haben sich am Ende zwei Marktsegmente herauskristallisiert, in denen wir jetzt skalieren wollen. Zum einen OEMs, also Erstausrüster, die mit unserer Software jedes (Serien)-Fahrzeug zum Entwicklungs- und Testfahrzeug machen können. Zum anderen Flottenbetreiber, die mittels der virtuellen Sensoren ihre Flotte optimal managen und warten können.

Die Skalierung ist für viele Start-ups eine große Herausforderung. Welche Strategie haben Sie verfolgt?

Statt auf organisches Wachstum zu setzen haben wir zum Ende unseres EXIST-Stipendiums sehr schnell die erste Finanzierungsrunde forciert und zunächst unsere Produktentwicklung abgesichert, vor allem über Kooperationen mit Industriepartnern. Seit Ende 2019 haben wir ein verkaufsfähiges Produkt, mit dem wir – wegen der Corona-Krise etwas verzögert – jetzt am Markt durchstarten können. Jetzt kommt es darauf an, andere Investoren zu gewinnen, die uns bei der weiteren Geschäftsentwicklung und Skalierung unterstützen. Gleichzeitig müssen wir natürlich unsere Software kontinuierlich weiterentwickeln.

Wie schafft man es, dass nicht nur das Unternehmen expandiert, sondern auch das Team zusammenwächst?

Wir stellen die Menschen ein, die die nötigen Hard Skills mitbringen. Aber sie müssen auch zur Unternehmenskultur passen. Das war für mich von Anfang an wichtig: Wenn man als Unternehmen wächst, braucht man gemeinsame Werte, in denen alle sich wiederfinden, die man gemeinsam lebt und auch immer wieder hinterfragt. Wir sind ein Feedback-Unternehmen. Die Produkte und das Geschäft müssen stimmen, aber die Soft Skills eines Unternehmens sind genauso wichtig – Zeit für Weiterbildung und gemeinsame Reflexion und natürlich eine gute Fehlerkultur.

Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Ihr braucht eine gute Idee, ein gutes Timing, einen guten Spirit, ein gutes Team und gute Netzwerke. Risikoaffinität und Hartnäckigkeit sind wichtig und vor allem Resilienz. Man muss lernen, sich nicht um alles Sorgen zu machen. Und nicht zuletzt gehört zum Erfolg auch immer das eine Quäntchen Glück.

Das Gespräch führte Dr. Jutta Witte

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