Neue Webserie begeistert »MINT-Fächer können wir nicht nur auf rationaler Basis bewerben«

Prof. Dr.-Ing. Klaus Diepold, einer der beiden Leiter des Center for Digital Technology & Management von LMU und TU München.
Prof. Dr. Ing. Klaus Diepold, Fakultät für Elektrotechnik, TU München: »MINT-Fächer können wir nicht nur auf rationaler und informativer Basis erwerben, schon gar nicht für junge Frauen. Hier möchten wir ein emotionales Element ins Spiel bringen, weil auch die Studienwahl oft emotional erfolgt und den Bildern folgt, die jungen Menschen im Laufe ihres Lebens aufgenommen haben.«

Liebe, Eifersucht - und E-Technik? Prof. Klaus Diepold von der Fakultät Elektro- und Informationstechnik der TU München hat eine Web-Serie produziert, die Emotionen erzeugt und Schwung in die MINT-Förderung bringt. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Prof. Diepold, was war Ihre Intention, als Sie die Idee zu „Technically Single“ hatten?

Prof. Klaus Diepold: Es ging mir darum, eine fiktive Geschichte zu erzählen, die vergleichbar zu Serien wie „Emergency Room“ oder „Grey’s Anatomy“ Dinge behandelt, die uns alle als Menschen anrühren. Das wären z.B. Liebe, Hass, Freude, Enttäuschung, Freunde, Feinde, Rache. Das Umfeld der Geschichte sollte aber eben kein Krankenhaus sein und die Protagonisten eben keine Ärzte, sondern die Handlung soll in einer (Technischen) Universität spielen und die Helden sind Studierende technischer Disziplinen. Diese fiktive Geschichte richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren und soll alternative Bilder zum Thema MINT erzeugen und vermitteln.

Was gefällt Ihnen nicht an herkömmlicher MINT-Förderung? Oder geht es darum gar nicht?

Herkömmliche MINT-Förderung ist völlig okay, sinnvoll und auch notwendig. Aber die bisherigen Fortschritte zeigen auch, dass sich die gewünschten Ergebnisse nur sehr langsam und zum Teil in homöopathischen Dosen einstellen. Wir sind hier noch nicht am Ende. Mehr vom Selben hilft sicher auch, aber vielleicht müssen wir auch in alternativen Ansätzen und Kanälen denken, um hier einen echten Fortschritt zu erzielen. MINT-Fächer können wir nicht nur auf rationaler und informativer Basis bewerben, schon gar nicht für junge Frauen. Hier möchten wir ein emotionales Element ins Spiel bringen, weil auch die Studiengangswahl oft emotional erfolgt und den Bildern folgt, die junge Menschen im Laufe ihres Lebens aufgenommen haben.

Wie haben Sie die Produktion finanziell gestemmt? War es schwer, die Gelder aufzubringen?

Die Finanzmittel haben wir aus mehreren Quellen zusammengetragen. Die größten Teile stammen von der TUM, der HFF, dem Filmförderfond Bayern sowie einigen privaten Überzeugungstätern, die z.T. auch ihre Arbeitskraft, ihre Zeit und ihr Renommee eingebracht haben. Insbesondere das Engagement von Maria Furtwängler und Maxi Schafroth möchte ich hier anführen.

Wie überall, wo um Geld für Projekte gebeten oder gebettelt wird, braucht man Geduld und Überzeugungskraft, und oft findet man das Geld auch an Stellen, an die man zuerst nicht denkt. Die Begeisterung von Bettina Reitz (seinerzeit Fernsehdirektorin BR und jetzt Präsidentin HFF) war sehr hilfreich, um entsprechende Fortschritte bei der Finanzierung zu machen.