Fachkräftearbeitsmarkt erstes Quartal

IT erholt sich, Ingenieurnachfrage bleibt investitionsabhängig

21. Mai 2026, 12:19 Uhr | Corinne Schindlbeck
Hays Fachkräfteindex
Während sich Ingenieurberufe weiterhin unterdurchschnittlich entwickeln, steigt die Nachfrage auf dem gesamten Fachkräftearbeitsmarkt zum Jahresauftakt spürbar an.
© Hays

Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte in Deutschland zeigt zum Jahresauftakt 2026 eine kurzfristige Belebung. Die Entwicklung fällt je nach Berufsgruppe deutlich unterschiedlich aus.

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Während IT-Fachkräfte, Finanzexperten, Einkäufer und Juristen überdurchschnittlich zulegen, entwickeln sich Ingenieure, HR, Marketing und Vertrieb weiterhin unterdurchschnittlich.

Der Hays-Fachkräfte-Index steigt im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 26 Prozentpunkte auf 62 Prozent. Hays weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass dieser Anstieg nicht als nachhaltige Erholung interpretiert werden sollte. Saisonale Effekte wie neue Budgets, konkretisierte Personalplanungen und die Neubesetzung offener Stellen zum Jahresbeginn tragen maßgeblich zur Entwicklung bei. Zugleich zeigt der längerfristige Vergleich eine rückläufige Grundtendenz: Während der Gesamtindex in den ersten Quartalen 2023 und 2024 noch bei 158 beziehungsweise 161 Prozent lag, sank er 2025 bereits auf 80 Prozent und liegt 2026 bei den erwähnten 62 Prozent.

Ingenieurnachfrage bleibt an konkrete Investitionen gekoppelt

Im Engineering-Bereich bleibt die Nachfrage verhalten. Im verarbeitenden Gewerbe steigt der Fachkräfteindex im ersten Quartal saisonbedingt zwar um zehn Prozentpunkte auf minus 26 Prozent, das Niveau bleibt laut Hays jedoch zurückhaltend.

Innerhalb der Ingenieurberufe profitieren vor allem jene Profile, die unmittelbar mit konkreten Investitionsfeldern verbunden sind.

Innerhalb der Ingenieurberufe profitieren vor allem jene Profile, die unmittelbar mit konkreten Investitionsfeldern verbunden sind.

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Innerhalb der Ingenieurberufe profitieren vor allem jene Profile, die unmittelbar mit konkreten Investitionsfeldern verbunden sind. Den stärksten Anstieg verzeichnen Planungsingenieure mit plus 42 Prozentpunkten. Es folgen Bauingenieure mit plus 39 Prozentpunkten, Automatisierungsingenieure mit plus 32 Prozentpunkten sowie Betriebs- und Elektroingenieure mit jeweils plus 21 Prozentpunkten.

Auch im Branchenvergleich zeigen sich investitionsgetriebene Impulse. In der allgemeinen Branchenauswertung verzeichnet das Baugewerbe mit plus 101 Prozentpunkten den stärksten Anstieg und erreicht einen Indexwert von 242 Prozent. Die öffentliche Verwaltung legt leicht um drei Prozentpunkte zu.

Für Ingenieurberufe bleibt insbesondere die Energiewirtschaft relevant. Zwar sinkt der Index hier um 32 Prozentpunkte auf 93 Prozent. Dennoch zählt die Branche laut Hays weiterhin zu den zentralen Treibern der Ingenieurnachfrage. Ausschlaggebend sind Infrastruktur- und Transformationsprojekte wie Netzausbau, erneuerbare Energien, Umspannwerke und Wasserstoff.

IT-Arbeitsmarkt zeigt deutlich stärkere Erholung

Ein anderes Bild zeigt sich im IT-Arbeitsmarkt. Nach drei schwächeren Quartalen steigt der Hays-Fachkräfte-Index IT im ersten Quartal 2026 um 37 Prozentpunkte auf 96 Prozent und erreicht damit wieder annähernd das Niveau des Vorjahresquartals. Damit liegt die Nachfrage nach IT-Fachkräften weiterhin deutlich über dem Gesamtindex von 62 Prozent.

Innerhalb der IT-Berufe zeigen sich allerdings erhebliche Unterschiede. Besonders gefragt sind IT-Security-Spezialisten, deren Indexwert um 108 Prozentpunkte auf 509 Prozent steigt. Auch Datenbankentwickler (+78 Prozentpunkte auf 313 Prozent) sowie SAP-Entwickler (+118 Prozentpunkte auf 302 Prozent) entwickeln sich überdurchschnittlich.

Demgegenüber bleiben klassische entwicklungsnahe Standardrollen trotz leichter Erholung unter dem langfristigen Ausgangsniveau. Webentwickler verbessern sich um neun Prozentpunkte auf minus 15 Prozent, Java-Entwickler um 18 Prozentpunkte auf minus 10 Prozent, .NET-Entwickler um 17 Prozentpunkte auf minus 7 Prozent. Mobile-Entwickler und Anwendungsentwickler steigen jeweils um 20 Prozentpunkte auf minus 1 Prozent.

IT-Security Arbeitsmarkt

Deutlich stärker zeigt sich zu Jahresbeginn der IT-Arbeitsmarkt. Weit vorn gesucht: IT-Security-Spezialisten.

 

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Auch auf Branchenebene entwickelt sich der IT-Arbeitsmarkt unterschiedlich. Den stärksten Zuwachs verzeichnen Personaldienstleister mit plus 42 Prozentpunkten auf 108 Prozent. Finanz- und Versicherungsdienstleister erreichen plus 32 Prozentpunkte auf 135 Prozent, die IT-Branche selbst steigt um 23 Prozentpunkte auf 79 Prozent.

Schwach bleiben dagegen Maschinenbau und Automobilindustrie. Beide Branchen gewinnen zwar leicht hinzu, verbleiben mit jeweils minus 79 Prozent jedoch deutlich unter dem Durchschnitt.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigt sich allerdings auch im IT-Arbeitsmarkt keine durchgängige Erholung. Die Nachfrage ist in nahezu allen IT-Positionen rückläufig. Ausnahmen bilden SAP-Entwickler sowie Datenbankentwickler, deren Nachfrage im Jahresvergleich deutlich steigt.

Selektive Erholung statt breiter Aufschwung

Der Fachkräftearbeitsmarkt zeigt damit zum Jahresauftakt eine differenzierte Entwicklung. Während IT-Berufe klar überdurchschnittlich zulegen und in strategischen Spezialprofilen eine hohe Dynamik zeigen, bleibt der Ingenieurarbeitsmarkt stärker an konkrete Investitionsentscheidungen gebunden. Von einer breiten Erholung des Arbeitsmarkts kann laut Hays insgesamt nicht gesprochen werden. Vielmehr zeigt sich eine selektive Nachfrageentwicklung – abhängig von strategischer Relevanz, Transformationsprojekten und unmittelbarem wirtschaftlichem Bedarf.

Deutlich stärker zeitg sich zu Jahresbeginn der IT-Arbeitsmarkt. Weit vorn gesucht: IT-Security-Spezialisten.


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