EU-Richtlinie zur Lohntransparenz

Gehaltsangaben bleiben in Stellenanzeigen selten

21. Mai 2026, 13:03 Uhr | Corinne Schindlbeck
Gehaltstrasparenz in Deutschland
© Indeed

Drei Jahre nach Verabschiedung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz enthalten viele Stellenanzeigen in Europa weiterhin keine Gehaltsangaben - in Deutschland laut Daten des Indeed Hiring Lab nur 12 Prozent. Die Frist zur Umsetzung der Richtlinie endet im Juni 2026.

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Mehrere große EU-Mitgliedstaaten werden diese Frist voraussichtlich nicht einhalten. Deutschland hat trotz eines Abschlussberichts einer Expertenkommission vom Oktober 2025 bislang keinen Gesetzentwurf vorgelegt. Auch Frankreich und die Niederlande liegen hinter dem Zeitplan.

Kaum Fortschritte bei der Transparenz

Seit 2019 ist der Anteil von Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben in vielen Ländern zwar gestiegen, in den vergangenen zwei Jahren zeigt sich jedoch weitgehend Stagnation. Eine Ausnahme ist Italien. Dort stieg der Anteil binnen eines Jahres von rund 22 auf 36 Prozent.

Die EU-Richtlinie verpflichtet Arbeitgeber nicht dazu, Gehälter bereits in Stellenanzeigen offenzulegen. Vorgeschrieben ist lediglich, Bewerbenden die Vergütung vor einem Vorstellungsgespräch mitzuteilen. Dadurch bleibt die Transparenz in einer frühen Phase des Bewerbungsprozesses häufig aus.

Unterschiede zwischen den Ländern

Die Transparenz unterscheidet sich in Europa deutlich. Neben Deutschland mit 12 Prozent und Spanien mit 17 Prozent liegen die Niederlande mit 48 Prozent, Irland mit 39 Prozent und Italien mit 36 Prozent im Mittelfeld.

Ein Grund für diese Unterschiede sind die jeweiligen Arbeitsmarktstrukturen. In Ländern mit stärker tariflich geregelten Vergütungen lassen sich Gehälter oft über Entgelttabellen ableiten. Das könnte erklären, warum deutsche Arbeitgeber seltener Gehaltsspannen direkt in Ausschreibungen nennen.

Stundenlohnjobs mit präziseren Angaben

Wo Gehälter genannt werden, dominieren meist Spannen statt konkreter Beträge. Exakte Angaben sind selten. In Großbritannien enthalten 32 Prozent der transparenten Stellenanzeigen einen festen Betrag, in Frankreich und Spanien jeweils 24 Prozent.

Gehaltstrasparenz in Deutschland

In der Elektrotechnik ist das Thema Gehaltstransparenz in Stellenanzeigen noch unterrepräsentiert.

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Besonders bei Stundenlohnjobs fallen die Angaben präziser aus. In Deutschland nennen 39 Prozent dieser Anzeigen einen konkreten Betrag. Zudem sind die Spannen enger als bei Monats- oder Jahresgehältern. Die mittlere Spanne bei deutschen Stundenlohnjobs liegt bei 19 Prozent des unteren Werts, bei Monatsgehältern bei 23 Prozent.

Bewerber wünschen sich mehr Offenlegung

Eine Umfrage unter 6.011 Beschäftigten und Jobsuchenden in sechs europäischen Ländern zeigt eine breite Zustimmung zu mehr Gehaltstransparenz. Zwischen 61 Prozent der Befragten in Deutschland und 82 Prozent in Irland geben an, sich eher auf Stellen mit Gehaltsangaben zu bewerben.

Auch die Zustimmung zu standardmäßigen Gehaltsspannen in Stellenanzeigen ist hoch. Frauen befürworten beide Aussagen häufiger als Männer.

Gesetzgebung als entscheidender Faktor

Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen laut Analyse, dass sich das Verhalten von Arbeitgebern vor allem dann ändert, wenn verbindliche Offenlegungspflichten gelten. Solange nationale Gesetze fehlen, dürfte sich die Transparenz in Europa nur langsam verändern.


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