Ticket zum Vorstandsposten

Die Kaderschmieden der DAX-Vorstände

5. Mai 2022, 12:05 Uhr | Corinne Schindlbeck
RWTH
CEOs haben ihren höchsten Studienabschluss der Horváth-Studie zufolge am häufigsten an der RWTH Aachen absolviert.
© RWTH Aachen

Die Managementberatung Horváth hat in ihrer jährlichen Analyse der Vorstandsstrukturen deutscher börsennotierter Unternehmen die Bildungswege amtierender deutscher Vorstände veröffentlicht. Das Studium an einer Universität bleibt weiterhin das wichtigste Eintrittsticket in einen deutschen Vorstand.

Gut 85 Prozent der CxOs (also CEO, COO, CFO oder CTO) mit deutscher Nationalität haben an einer deutschen oder ausländischen Universität studiert, davon über ein Drittel auch promoviert. »Die Zahl spricht weiterhin für die Bedeutung eines akademischen Abschlusses bei der Besetzung von Vorstandspositionen«, so Studienleiter Dr. Oliver Greiner, Partner bei Horváth für Strategie und Transformation. 

Aber es gibt durchaus auch alternative Wege in den Vorstand. Fast acht Prozent der amtierenden deutschen Vorstände haben ihren Abschluss an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (vormals Fachhochschule) gemacht. Die Lebensläufe der verbleibenden sieben Prozent verteilen sich auf weitere Bildungswege wie Berufsakademien oder Ausbildungen. Vier Vorstandsmitglieder haben weder eine Lehre noch ein Studium abgeschlossen.

In die Analyse flossen die Daten von 500 deutschen Vorstandsmitgliedern der in DAX, MDAX und SDAX gelisteten Unternehmen ein. 20 deutsche Vorstände – Männer und Frauen – haben ihren höchsten Abschluss an der Universität zu Köln erworben. Diese liegt damit an der Spitze, gefolgt von der RWTH Aachen (18), die Platz zwei im Gesamt-Ranking einnimmt. Die Universitäten Mannheim, München und Münster teilen sich den dritten Platz mit jeweils 15 Absolventen mit DAX-Vorstandsposten. »Wie das Ranking der in den Top 10 platzierten Universitäten zeigt, ist nicht das Einzugsgebiet der Universität entscheidend, sondern deren akademische Qualität und ihr Ruf«, meint Studienleiter Greiner. 

Dass dies von den Universitäten immer wieder neu bewiesen werden muss, zeigt eine Detailanalyse nach Alter der untersuchten Vorstandsmitglieder. In der Altersgruppe ab 54 Jahren landen die Universitäten Köln, Aachen und Münster auf den Top-3-Positionen. Bei den CxOs unter 54 Jahren stellt die WHU in Koblenz die meiste Anzahl amtierender Vorstandsmitglieder, gefolgt von der Universität Mannheim. Platz drei im Ranking der jüngeren Altersgruppe teilen sich die Münchener LMU und die RWTH Aachen. Bei weiblichen Vorständen liegen die Universitäten München und Münster vorne.
»Es ist vermutlich der internationale Charakter der WHU Koblenz, der in jüngerer Zeit viele Topmanagerinnen und -manager angezogen hat, denn Internationalisierung ist ein klarer Trend der Managementkarrieren«, so Horváth-Partner Greiner. Während von den über 54-jährigen Vorständen nur knapp zehn Prozent ihren höchsten Abschluss im Ausland erworben haben, sind es in der jüngeren Hälfte bereits 18 Prozent. Bei den unter 50-jährigen CxOs liegt der Wert sogar über 20 Prozent. Etwa 60 Prozent der CxOs mit ausländischem Abschluss haben diesen in den USA oder Großbritannien erworben (jeweils 28 Prozent), gefolgt von der Schweiz (13 Prozent) und Frankreich (8 Prozent).

CEOs haben ihren höchsten Studienabschluss der Horváth-Studie zufolge am häufigsten an der RWTH Aachen absolviert, gefolgt von der Universität zu Köln und dem KIT Karlsruhe. »Die Spitzenpositionen von Aachen und Karlsruhe zeigen, dass in vielen Vorständen neben exzellentem betriebswirtschaftlichem Wissen auch technologisches Know-how eine wichtige Rolle spielt«, so Greiner. Tatsächlich haben gut 35 Prozent aller deutschen Vorstände Ingenieur-, Natur- oder Strukturwissenschaften studiert.

Freilich kann man auch mit Abschlüssen anderer Universitäten im DAX-Konzern ganz nach oben kommen. Zwar haben gut ein Drittel aller deutschen Vorstände an einer der 10 Top-Universitäten ihren Abschluss gemacht, doch die weiteren Abschlüsse verteilen sich auf über 100 verschiedene Ausbildungsstätten. 

DAX-Kaderschmieden nach Zahl der Absolventen

  • Universität zu Köln (20)
  • RWTH Aachen (18)
  • Universität Mannheim (15)
  • Ludwig-Maximilians-Universität München (15)
  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster (15)
  • Karlsruher Institut für Technologie (13)
  • TU München (12)
  • WHU Koblenz (11)
  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (10)
  • TU Darmstadt (10)
  • Leibniz-Universität Hannover (10)
  • (Basis: 509 deutsche DAX-Vorstände in DAX, MDAX, SDAX)

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