Psychologie

Das Geheimnis der Souveränität

4. Juni 2009, 9:31 Uhr | Hartmut Volk, Wirtschaftsjournalist

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Das Geheimnis der Souveränität

Sind souveräne Menschen stets Herr der Situation oder haben sie nur gelernt, sich Unsicherheiten und Zweifel nicht anmerken zu lassen?

Souveränität, Unsicherheitsgefühle und Zweifel schließen sich keineswegs aus. Souveränen Menschen ist durchaus bewusst, dass sie scheitern können. Die Praxis zeigt aber: Sie scheitern tendenziell seltener. Und – sie können deutlich besser und konstruktiver mit eventuellem Scheitern umgehen. Sie sind in der Lage, zu Schwächen zu stehen, ohne sie aufzublasen oder mit ihnen zu kokettieren.

Weshalb kommen souverän auftretende und handelnde Menschen besser an?

Vor allem, weil sie überzeugend, einfach glaubwürdig(er) wirken und frei von Anmaßung sind. Diese Wirkung verstärkt sich noch dadurch, dass ihnen auch aggressives Verhalten fremd ist. Sie spielen sich nicht auf, sie wissen nicht alles besser, sie bedrängen ihre Mitmenschen nicht, sie sind nicht übelnehmerisch. Sie gehen auf andere zu, ohne sich anzubiedern. Souveräne Menschen sind für ihre Mitmenschen berechenbare Wesen, die im Gegenüber einen Menschen sehen, der zwar eine andere, keineswegs automatisch aber eine gänzlich falsche Meinung hat. Das beeindruckt und schafft Vertrauen. Im Führungsbereich ließen sich die Probleme deutlich reduzieren, würde bei der Vorgesetztenauswahl mehr auf diese Qualitäten geachtet. Wer Menschen zu einem Ziel führen will, sollte sie da abholen können, wo sie stehen.

Wie lässt sich Souveränität entwickeln und stärken?

Ein guter Ansatzpunkt ist der Blick darauf, was in heiklen oder unangenehmen Situationen schon recht gut gelingt: Wenn sich also schon eine gewisse situative Klarheit und Überlegtheit zeigt, man zu sich steht, anstatt sich reflexartig unterzuordnen, zu verleugnen oder Panikgefühle zu bekommen. Darüber sollte man sich freuen! Solche Erfolgserlebnisse sollte man für sich analysieren und daraus lernen. Erfolgreich bewältigte Schwierigkeiten also ganz bewusst rekapitulieren und mental durcharbeiten. Und sie ruhig auch mal feiern.

Wir Menschen neigen leider dazu, von der einen Hürde zur nächsten zu springen, ohne kurz das Erreichte Revue passieren zu lassen und eigene positive Anteile am Gelingen bewusst ins Blickfeld zu rücken – und uns darüber, ich wiederhole es, dann auch zu freuen! Ungemein hilfreich ist auch, Menschen, die sich erkennbar souverän verhalten, zu beobachten, sich an ihnen zu orientieren und von ihnen zu lernen. Noch besser ist oder wäre es, mit ihnen über ihr Verhalten zu sprechen. Denn jegliche Souveränität wurde erarbeitet. Und meistens hart!

Professor Frick, was rät der psychologische Berater Menschen, die »von der Sache« her durchaus souverän sein könnten, es praktisch aber nicht schaffen, souverän zu sein?

Geduld mit sich selbst! Auch der souveräne »Meister« hat einmal bei Null begonnen. Und auch er scheitert, wie erwähnt, und macht Fehler! Wem nur selten, gelegentlich oder in wenigen Bereichen souveränes Verhalten gelingt, soll sich darüber lieber einmal freuen, statt gleich nach den Sternen greifen zu wollen. Vielleicht brauchen diese Menschen einfach mehr Zeit, eine veränderte innere Einstellung, mehr Unterstützung durch andere – und eben Übung sowie Geduld!

 


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