Elektrotechnikbranche in Hochstimmung

ZVEI will mit Elektrifizierung und Energiewende wachsen

24. Januar 2018, 15:46 Uhr | Heinz Arnold

Fortsetzung des Artikels von Teil 4

Smart Meter als Nagelprobe

Die Nagelprobe sieht er im Smart Metering. Besonders freut ihn, dass zu  Ende des ersten Quartals 2018 – »da bin ich sehr optimisteisch« – die ersten Smart Meter von drei Herstellern durch das BSI zertifiziert sein werden. »Dann kann der Rollout losgehen!«

Als sehr wichtig sieht er die Smart Meter nicht deshalb an, weil sie so viel zum Gesamtumsatz der Branche beitrügen – da fallen sie eher weniger ins Gewicht. Viel mehr machten sie die Energiewende möglich und gäben der Bevölkerung ein entscheidendes Signal, dass sie funktioniert und es sich lohnt, mit zu machen. Oder umgekehrt formuliert: »Wenn der Roll-out nicht funktioniert, dann hätte die Energiewende entscheidend an Kredit in der Bevölkerung verspielt, das muss auf jeden Fall vermieden werden.« Dass das Ganze nicht so schnell über die Bühne ging, wie ursprünglich vorgesehen, dem kann er in diesem Zusammenhang etwas Gutes abgewinnen. Denn verglichen mit den elektronischen Zählern, die seit 2001 in Italien installiert worden sind, wären die Smart Meter in Deutschland doch viel weiter fortgeschritten: »Die Zeit war nicht schlecht investiert, am Ende kaufen dann die Italiener von uns!«

Auf Augenhöhe mit China – und den Brexit abfedern

Doch noch lieber beschäftigt er sich zur Jahresauftakt-Pressekonferenz mit den ganz großen Themen: »Insgesamt muss die Politik die Energiewende und die Digitalisierung zusammen führen. Strom- und Datenkabel müssen in Deutschland parallel verlegt werden.« Nicht zuletzt weil der Markt stark reguliert sei, bestehe hier besonderer Handlungsbedarf.

Keinerlei Bedarf sieht er dagegen für ein Klimaschutzgesetz. »Was zum Klimaschutz beiträgt, sollte in die Geschäftsabläufe selber integriert werden, nicht separat in einem Gesetz. Das sollten sich die Verantwortlichen in den Koalitionsverhandlungen gut ansehen.«

Über die Grenzen Deutschlands hinaus gedacht, sieht er vor allem den Brexit mit Sorge: »Wir müssen dem Verhältnis mit Großbritanniens nach dem Austritt sofort auf eine sichere Ebene stellen, unsichere Zustände wären für Produktion und Handel Gift. Den starken Verflechtungen muss Rechnung getragen werden. Immerhin ist Großbritannien der viertgrößte Exportabnehmer in unserer Branche.«

Und mit Blick auf das kommende Jahr, in dem auf EU-Ebene Wahlen stattfinden werden, fordert er: »Wir brauchen eine starke EU, die den Rahmen für den digitalen Binnenmarkt, für Datenökonomie und Cyber-Sicherheit setzt.«

Mit einer Stimme müsse die EU auch gegenüber China reden: Das Einstehen für klar definierte Wettbewerbsregeln, für freie Investition und freien Warenverkehr wäre dringend nötig. Nur die EU hätte die Größe, um mit China auf Augenhöhe sprechen zu können. Chinesische Alleingänge in der Normung und der Cyber-Sicherheit geißelt er in diesem Zusammenhang scharf: »Es dürfen keine einseitigen Vorteile entstehen.«

In Deutschland? Alles ganz normal!

Und wenn er gefragt wird, warum in Deutschland die Regierungsbildung immer noch auf sich warten lässt?  Da gibt er sich entspannt: »Bei uns geschieht alles verfassungskonform. Ja, es ändert sich einiges, aber das Schöne ist, dass das alles in vollkommen normale Abläufe eingebettet ist. Und Änderungen, sogar sehr schnelle Änderungen, das ist ja gerade das Motto der Zukunft. Wenn das normal abläuft, ist das ein sehr gutes Zeichen!«


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