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1,4 Mrd. Dollar für bessere Snapdragons

Qualcomm kauft ehemalige Top-Chipdesigner von Apple

14. Januar 2021, 11:15 Uhr   |  Frank Riemenschneider

Qualcomm kauft ehemalige Top-Chipdesigner von Apple
© NUVIA

Die drei Gründer von NUVIA (v.l.n.r.): John Bruno, Gerard Williams III und Manu Gulati in der neuen Firmenzentrale in Santa Clara, Kalifornien.

Es könnte einer der besten Deals in der Historie von Qualcomm sein: Nachdem Apple dem Snapdragon-Designer seit der 64-bit-Ära für Mobilprozessoren den Rang abgelaufen hat, kauft man mit dem CPU-Startup Nuvia vor allen Dingen ehemaliges Apple-Know-How ein.

Das Startup Nuvia wurde vor nicht einmal einem Jahr gegründet, jetzt will Chipdesigner und Mobilprozessorhersteller Qualcomm die Firma für 1,4 Milliarden US-Dollar kaufen - wenn die Behörden der Übernahme zustimmen, ist es sicherlich aus Qualcomm-Sicht einer der besten Deals ever.

Der Grund für den hohen Preis und die Transaktion ist einfach: 

War man mit den selbstentworfenen 32-Bit-Scorpion-, Kreit- und Kryo-CPUs auf Basis einer Arm-Architekturlizenz, die einst in den Snapdragon-Mobilprozessoren verbaut wurden, jedesmal an der Leistungsspitze und damit natürlich wirtschaftlich extrem erfolgreich, hat sich das Blatt seit der ersten 64-bit-Apple-CPU auf Ba

sis von Armv8 gewendet: Wie beim Film “und täglich grüßt das Murmeltier” läuft Apple Jahr für Jahr den Qualcomm-CPUs davon, mittlerweile hat man es in San Diego aufgegeben, für teures Geld eigene CPUs zu designen, stattdessen modifiziert man die Original-Arm-Cores, die freilich gegen Apple-CPUs auch nicht konkurrenzfähig sind, nur noch leicht.

Als wirtschaftliche Folge haben die großen Mobilgeräte-Hersteller wie Huawei und Samsung mittlerweile eigene CPUs entwickelt, statt diese bei Qualcomm zu kaufen. Dass auch diese Entwürfe nicht mit Apple mithalten können, ist dabei eine ganz andere Sache.

Mit Nuvia kauft Qualcomm nunmehr nicht nur zahlreiche Mitarbeiter ein, die vorher für AMD, Arm, Apple, Broadcom, Google und Intel arbeiteten. Vor allen Dingen aber kauft man Nuvia-Gründer und CEO Gerard Williams III ein, der bis Anfang 2020 fast 10 Jahre bei Apple zuletzt als CPU-Chefarchitekt gearbeitet hat und für das CPU-Design der ersten 64-bit-Cores verantwortlich zeichnete und sozusagen den Startpunkt für Apples CPU-Dominanz setzte.

Das Know-How von Williams III und seiner Mitstreiter wird bei allen eigenen Prozessoren zum Tragen kommen, vom Handy über Notebooks bis hin zu  Automotive-Chips. Ob Qualcomm ebenfalls einen neuen Versuch unternehmen wird, den Server-Markt zu bedienen, ist derzeit noch offen.

Dank des Know-Hows von Nuvia könnte Qualcomm endlich wieder zu Apple aufschließen, Bedarf gibt es neben bei High-End-Handys auch bei Notebooks, wo Apple mit dem M1-Prozessor den Snapdragon 8cx ebenfalls deutlich outperformt.

Gedanken muß sich Arm machen: Obwohl man mit dem Cortex-X1 eine erste CPU aus einer neuen High-Performance-Familie vorgestellt hat, die von Qualcomm bereits lizensiert wurde, traut man dieser IP in San Diego offenbar nicht zu, die Lücke zu Apple schließen zu können und setzt zukünftig lieber wieder auf Eigenentwicklungen.

 

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