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Arm TechCon 2018

arm attackiert Intel im Infrastruktur-Markt

16. Oktober 2018, 23:06 Uhr   |  Frank Riemenschneider

arm attackiert Intel im Infrastruktur-Markt
© arm

Auf seiner Entwicklerkonferenz TechCon in San Jose kündigte arm eine neue Marke für den Infrastrukturmarkt an. Arm Neoverse ist der Versuch, aktuelle und zukünftige IP-Blöcke zusammenzustellen, um Intel im IT-Infrastrukturmarkt Marktanteile abzunehmen.

Unter dem Brand Neoverse sollen Produkte von den primären CPUs im Rechenzentrum bis hin zu Edge-Computern und Speichermedien angeboten werden. Bis heute hat sich das IP-Portfolio für den Infrastrukturmarkt nicht wesentlich von der Consumer-IP z.B. für Smartphones

 

unterschieden. Das neue IP-Portfolio wird nun als "Arm Neoverse" bezeichnet.

Auch wenn die Erfolge speziell in Servern bislang limiert waren, konnte arm in den letzten Jahren einen bedeutenden Marktanteil bei Infrastruktur-Devices

 

insgesamt erringen. Dabei handelt es sich um jede Art von Nicht-Endbenutzergerät, wie Netzwerk-Devices, Switches, Basisstationen, Gateways, Router und natürlich auch Server. In diesen Märkten zusammen haben arms Lizenznehmer bis heute einen Marktanteil von bis zu 28% erreicht. Beispielsweise werden auch Top-of-Rack-Switches aufgelistet. Diejenigen, die softwaredefinierte Netzwerke der aktuellen Generation aufbauen, nutzen in der Regel x86-CPUs.

Arm hat mit der Ankündigung auch die Roadmap für die nächsten Jahre veröffentlicht. Unter den Codenamen Ares (7 nm-Fertigung), Zeus (7 nm+) und Poseidon (5 nm) werden CPU-IPs entwickelt, welche die sever-orientierten Pendants zu Enyo, Deimos und Hercules sein werden, die weiterhin unter dem Cortex-Branding bleiben. Unklar sind die Unterschiede zwischen den Cortex- und Neoverse-CPUs, auf meine Nachfrage bestätigte arms verantwortlicher SVP Drew Hendry allerdings, dass skalierbare Vektor-Erweiterungen (SVE) für diesen Markt eine wichtige Rolle spielen.

Während auf der Consumer-Seite für jede neue Cortex-Generation ein Zuwachs der Rechenlesitung um 20-25 % angekündigt wurde, soll sie bei den Neoverse-CPUs um sogar 30% für jede Generation in den kommenden Jahren steigen, obwohl Hendry erklärte, dass die Mikroarchitekturen beider Marken identisch sei. Die zusätzlichen 5 % müssen daher aus anderen Bereichen wie Speichersystem etc. geholt werden.

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Während die für den Consumer-Markt bestimmten Cortex-CPU pro Generation "nur" 20-25 % an Rechenleistung zulegen sollen, strebt arm bei den Neoverse-CPUs 30 % Steigerung an.

Neoverse soll hochgradig skalierbar sein. Wie das Bild zeigt, bezieht sich diese Angabe nicht nur auf die Anzhal der CPUs, die von 4 bis 128 (Anwendung) bzw. 256 (Data-Plane) reichen können, sondern auch auf den System-Cache (0-128 MB), das Speichersystem (20 GB/s bis 1 TB/s Datenübertragung), die Anzahl der Speicherkanäle (1-8) und den Einsatz von High Bandwidth Memory (HBM).

Am unteren Ende des Einsatzspektrums befindet sich das Edge-Computing, wo sich heute Intel Xeon D-2100 und Atom C3000 Serie und der AMD EPYC Embedded 3000 von AMD tummeln.

Ein weiterer möglicher Anwendungsfall ist das Networking und Storage an der Edge. Auch dies zielt auf dieselben x86-Architekturen ab und erlaubt die Ergänzung um benutzerdefinierte IP-Blöcke für Hardware-Beschleunigung, um die CPUs für Anwendungen anzupassen.

Im Rechenzentrum will Arm Neoverse auf 96 Cores pro Sockel erweitern. Die aktuellen Angebote im arm-Universum liegen aktuell bei 32-48 Cores, was einen großen Sprung bedeutet.

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Die hochgradige Skalierbarkeit der Neoverse-Plattform betrifft nicht nur die Anzahl der CPUs, sondern auch insbesondere das Speichersystem.

Für Lizenznehmer mit einer Architekturlizenz wird es auch bei Neoverse maßgeschneiderte IP on Demand geben, um individuelle Schnittstellen zu den Cores, deren Speicherhierarchie sowie die Breite und Tiefe der SVE-Einheiten zu konfigurieren. Zu diesen Punkten gehört auch die "Threading-Architektur". Auf Nachfrage erklärte Drew Hendry hierzu, dass SMT natürlich in den Zielanwendungen eine große Rolle spielt, schon heute hat Broadcom in seinen Server-Chips bereits SMT implementiert.

Wie nicht anders zu erwarten, hat arm bereits viele Partner mit ins Boot geholt, denn phne eine hinreichende Unterstützung durch das Ecosystem wäre Neoverse ja von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Neben Halbleiterherstellern wie Qualcomm, Broadcom oder Marvell sind auf der Cloud-Seite Alibaba, Tencent und Microsoft zu nennen, auf der Plattform-Seite Nokia, ZTE, Ericcson, Huawei und CISCO, und von den Telekommunikationsanbietern Softbank, Vodafone, Orange und Sprint. Auf der Software-Seite haben sich 18 Unternehmen komittet, von OS-Herstellern über Virtualisierung, Sprachen&Bibliotheken bis hin zu Entwicklungstool-Herstellern.

 

Auch wenn einige Key-Player noch fehlen, konnte arm bis zur Ankündigung doch einige große Namen an Bord holen.

Arm wird eine Menge Geld in das neue Brand investieren bzw. hat schon viel Geld investiert. Drew Hendry erwartet nach eigenen Worten „ein wachstums- und renditestarkes Geschäft". Dies wird in den nächsten Jahren zu beweisen sein.

Offenlegung: DESIGN&ELEKTRONIK hat auf Einladung von arm an der TechCon in San Jose teilgenommen, die Reisekosten wurden zur Gänze von arm bezahlt. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.

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Lizenznehmer mit einer Architekturlizenz können sich auch bei Neoverse kundenspezifische CPUs bauen, incl. der Möglichkeit, eine "Threading Architektur", vermutlich also SMT, zu implementieren.

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