Cybersecurity

BSI-Chef Schönbohm offenbar vor der Ablösung

10. Oktober 2022, 9:46 Uhr | dpa, Joachim Kroll
Arne Schönbohm
Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
© Rolf Vennenbernd | dpa +++ dpa-Bildfunk +++

BSI-Chef Arne Schönbohm hat das Vertrauen von Bundesinnenministerin Nancy Faeser verloren. Nun wurde auch der seit langer Zeit geplante gemeinsame Auftritt zur Vorstellung des BSI-Jahresberichtes abgesagt.

Zuerst hatten Bild und das Handelsblatt unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, offenbar vor der Ablösung steht. Am Montagmorgen hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) den seit vielen Wochen geplanten gemeinsame Auftritt mit Schönbohm zur Vorstellung des jährlichen BSI-Jahresberichtes vor der Bundespressekonferenz gestrichen.

Faeser ist nach dpa-Informationen darüber verärgert, dass der BSI-Chef weiterhin Kontakte zum umstrittenen Verein »Cyber-Sicherheitsrat Deutschland« hat, den er vor zehn Jahren selbst mitgegründet und geleitet hatte, der zuletzt aber wegen Verbindungen zu russischen Geheimdiensten in das Kreuzfeuer der Kritik geriet.

Die Verbindung von Schönbohm zu dem umstrittenen Verein war zuvor von Jan Böhmermann in der Sendung »ZDF Magazin Royale« thematisiert worden. Ein Sprecher erklärte, das Innenministerium gehe den Sachverhalten nach und prüfe diese genau. »Alle Optionen werden geprüft – und wie mit der aktuellen Situation umgegangen werden soll.«

Aus Kreisen verlautete, Schönbohms Besuch beim Jubiläum des Vereins vor einigen Wochen habe demnach das Fass zum Überlaufen gebracht. Das Bundesinnenministerium war allerdings nach einem Bericht des Portals »Business Insider« über die Festrede Schönbohms bei dem Verein informiert worden. Demnach genehmigte Faesers Staatssekretär Markus Richter den Vortrag auf Bitten von Schönbohm am 24. August.

 

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Firma mit Verbindung zum russischen Geheimdienst

In den Blickpunkt gerät nun auch immer stärker die Berliner Cybersecurity-Firma Protelion, die Mitglied im »Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V.« ist. Das Unternehmen firmierte bis Ende März unter dem Namen Infotecs GmbH. Dabei handelt es sich um ein Tochterunternehmen der russischen Cybersecurityfirma O.A.O.Infotecs, die nach Informationen des Recherchenetzwerks Policy Network Analytics von einem ehemaligen Mitarbeiter des russischen Nachrichtendienstes KGB gegründet wurde, der von Russlands Präsident Wladimir Putin für sein Wirken mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet wurde.

Protelion war bislang auch Mitglied Bundesverband für den Schutz kritischer Infrastrukturen (BSKI). Der Verband erklärte am Montag, man habe sich entschieden, die Mitgliedschaft des Unternehmens Protelion vorerst ruhen zu lassen. Dabei verwies der Verband auf den Bericht des »ZDF Magazin Royale«. »Bis zur vollständigen Klärung der Vorwürfe gegen das Unternehmen Protelion setzen wir die Mitgliedschaft aus«, erklärte BSKI-Vorsitzender Holger Berens. »Die Vorwürfe sind ungeheuerlich, und sollten sie sich bestätigen, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen müssen.«

Security-Dienstleistunger und -Softwareanbieter, die ihre Kunden vor Cyberangriffen schützen sollen, erhalten oft exklusive Zugänge zu Netzwerken und Informationen dieser Kunden. Von daher ist es nur Folgerichtig, dass Geheimdienste und Agenten diese Kanäle nutzen, um Lücken auszuspionieren und Angriffe zu planen.

Die Verbindungen von Protelion nach Russland waren vor dem Bericht von Böhmermann bereits vor Monaten in Fachpublikationen erhoben worden. Im Januar berichteten die »Forensic News« über Vorbehalte gegenüber Infotecs in den USA, also zu einem Zeitpunkt, als Protelion in Deutschland noch unter dem Namen Infotecs firmierte. Das Fach-Portal »Intelligence Online« wies nach der Umbenennung der Firma auf die problematischen Querverbindungen nach Russland hin.


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