Einkaufsmanager-Index schwächelt

Im Juli wieder unter der 50-Punkte-Marke

3. August 2022, 9:58 Uhr | Karin Zühlke
DRAM-Preise 2019
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Der S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) ist im Juli zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren wieder in den negativen Bereich abgesackt.

Im Berichtsmonat notierte der wichtige Konjunktur-Frühindikator für die größte Volkswirtschaft Europas bei 49,3 Punkten. Damit gab er binnen vier Wochen nicht nur um fast drei Punkte nach, sondern lag auch erstmals seit Juni 2020 wieder unter der Referenzlinie von 50,0.

Hauptgrund für die negative Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe ist das größte Minus beim Auftragseingang seit Mai 2020. Laut Umfrageteilnehmern gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die die Nachfrage bremsen. Die Palette reicht von zunehmender Unsicherheit und einem damit verbundenen Rückgang der Investitionen über explodierende Preise und zu hohen Lagerbeständen bei den Kunden bis hin zu anhaltenden Störungen in den Lieferketten.

„Das Abrutschen des EMI unter die psychologisch wichtige Referenzlinie von 50 Punkten hat sich bereits in den vergangenen Monaten angedeutet“, betonte Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Mittwoch in Eschborn. So sei der deutsche PMI seit Jahresbeginn – von einer leichten Aufwärtsphase im Mai einmal abgesehen – kontinuierlich gesunken. Ob dieser Negativtrend anhalte, werde unter anderem vom Ausmaß der in den kommenden Monaten zu erwartenden Versorgungsengpässe bei Erdgas abhängen.

„Nimmt man die laufenden Konjunkturindikatoren als Maßstab, so schwächt sich die Konjunktur ab, ohne aber bislang einzubrechen. Schaut man hingegen auf die Unsicherheiten und die zurückgehende Gesamtnachfrage, so liegt eine Rezession nahe, die mehr als nur eine technische ist“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Mittwoch dem BME.

„Die Geschäftsaussichten sind derzeit düster. Anhaltende Lieferprobleme, hohe Inflationsraten und steigende Energiepreise behindern nach wie vor die Produktion. Auch bei der Nachfrage gerät die deutsche Wirtschaft zunehmend unter Druck, denn bei unseren wichtigsten Handelspartnern China und den USA trübt sich die Konjunktur ebenfalls ein. Die Zeichen stehen auf Stagnation”, teilte DIHK-Konjunkturexperte Dr. Jupp Zenzen am Mittwoch dem BME mit.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise gab Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Mittwoch dem BME folgende Einschätzung: „Neben den noch immer nicht funktionierenden Liefer- und Logistikketten – mittlerweile stört auch das Niedrigwasser die Binnenschifffahrt massiv – gehen die größten Belastungen derzeit von der Entwicklung der Erdgaspreise aus. Russland hat die Erdgasexporte weiter reduziert, was die massive Sorge ausgelöst hat, dass es im Winter zu einer Mangelversorgung mit Erdgas und einer Rationierung kommt. Dies hat an den Börsen die Preise für Erdgas als auch in Folge die Preise für Strom nach oben katapultiert. Da auch bei vielen Metallen die Börsenbestände weiter rückläufig sind, stehen hier im Herbst ebenfalls Preisanhebungen ins Haus. Die Industrie erlebt also derzeit keine entspannten Sommerferien.“


  1. Im Juli wieder unter der 50-Punkte-Marke
  2. Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

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Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)