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COGD-Vorstand Dr. Heinbach

Dringender Rat zu aktivem Obsoleszenz-Management

Dr. Wolfgang Heinbach, Vorstandsvorsitzender der COG Deutschland: »Obsolescence ist keine Krankheit, die völlig überraschend ausbricht und der man völlig hilflos ausgeliefert ist.«
Dr. Wolfgang Heinbach wurde als Vorstandsvorsitzender der COG Deutschland für zwei weitere Jahre bestätigt.
© COG Deutschland

Die Component Obsolescence Group Deutschland (COGD) bewertet die aktuelle Situation auf dem Komponentenmarkt als besorgniserregend. Das neu gewählte Vorstandsgremium rät produzierenden Unternehmen zu mehr aktivem Obsoleszenz-Management.

Wachsende Beschaffungsprobleme sind keine neue Erscheinung. Vor allem Hersteller von langlebigen Geräten und Anlagen spüren schon seit Jahren, dass der Aufbau stabiler Lieferketten immer schwerer wird. Spätestens mit der Corona-Pandemie ist die Störanfälligkeit heutiger, meist globaler Lieferketten, auch ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelangt.

COGD bewertet Lage als wachstumsgefährdend

Ein Großteil der aktuell 162 Verbandsmitglieder der Component Obsolescence Group Deutschland bewerten die aktuelle Situation auf dem Komponentenmarkt als »besorgniserregend und wachstumsgefährdend.« Viele Industrieunternehmen, die auf elektronische Komponenten angewiesen sind, hätten bereits jetzt Probleme, sich ausreichend zu versorgen. Und man befinde sich vermutlich noch nicht auf dem Weg der Besserung, sondern müsse sich eher auf eine weitere Verknappung einstellen: »Wir rechnen bei einem gleichzeitig weiteren Anziehen der Weltkonjunktur mit der möglicherweise längsten Bauteile-Allokation der letzten Jahrzehnte«, sagt Dr. Wolfgang Heinbach, der kürzlich auf der Mitglieder-Jahresversammlung für weitere zwei Jahre als Vorstandsvorsitzender der COGD bestätigt wurde.

Dr. Wolfgang Heinbach, Vorstandsvorsitzender COGD: »Ich kann jedem Unternehmen nur raten, seine Lieferanten und Lieferketten noch einmal genau auf etwaige Schwachstellen zu überprüfen.«
Dr. Wolfgang Heinbach, Vorstandsvorsitzender COGD: »Ich kann jedem Unternehmen nur raten, seine Lieferanten und Lieferketten noch einmal genau auf etwaige Schwachstellen zu überprüfen.«
© COGD

Anzeichen für die lange Allokation seien u.a. der immer knapper werdende Rohstoff Kupfer und die immer länger werdenden Lieferzeiten der Halbleiterhersteller, die bei einigen Produkten bei mittlerweile 30 Monaten liegen würden.

Teuerung ein weiteres Problem

»Problematisch ist nicht nur die Verknappung an sich, sondern auch die damit einhergehende extreme Verteuerung mancher Komponenten, die bei manchen Produkten einige hundert Prozent betragen kann«, sagt Dr. Heinbach und zeigt sich über den Kurs mancher Hersteller enttäuscht. »Bedauerlicherweise scheint manchen Herstellern der schnelle Dollar in solchen Zeiten offensichtlich wichtiger als die Einhaltung langfristiger Lieferverträge. Auch das zeigt den Ernst der Lage.«

Besonders hart betroffen von der derzeitigen Entwicklung sind laut COGD die Hersteller aus Bereichen wie der Automobil-, Raumfahrt-, Militär-, Bahn-, Kraftwerks-, Medizin- und Automatisierungstechnik, die für Ihre Geräte- und Anlagen oftmals jahrzehntelang Ersatzteile benötigen. Die Verkappung in vielen Bauteilebereichen könnte dazu führen, das ältere Produktlinien aus wirtschaftlichen Erwägungen noch schneller als bisher abgekündigt werden. Weiteres Ungemach droht von verschärften Umweltauflagen, -verordnungen und -gesetzen wie z.B. die aufwendige Versorgung der SCIP- Datenbank mit Produktdaten. Auch sie werden die Suche nach den geeigneten Bauteilen und Komponenten nicht gerade vereinfachen.

Aktives Obsoleszenz-Management

Betroffenen Unternehmen empfiehlt Dr. Heinbach, künftig einen noch offensiveren Umgang mit dem Thema Obsoleszenz zu pflegen. »Die Summe der potentiellen Störfaktoren war leider noch nie so hoch wie heute. Insofern kann ich jedem Unternehmen nur raten, seine Lieferanten und Lieferketten noch einmal genau auf etwaige Schwachstellen zu überprüfen. Das gilt insbesondere für Firmen, die bislang glaubten, auch künftig ohne aktives Obsoleszenz Management auskommen zu können.«

Die Ausfallschäden aufgrund von kurzfristig abgekündigten oder aus anderen Gründen auf dem Markt nicht mehr erhältlichen Ersatzbauteilen und Werkstoffen beziffert die COGD für Deutschland auf einen jährlichen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe.

COGD will der Krise mit Erfahrung begegnen

Mit allen Verbandsmitgliedern gemeinsam diesen gewaltigen Herausforderungen stellen will sich die auf der Jahreshauptversammlung für die nächsten zwei Jahre neu gewählte siebenköpfige Vorstandschaft der COGD. Neben dem im Amt bestätigten Dr. Wolfgang Heinbach (Geschäftsführer GMP German Machine Parts), seinem Stellvertreter Axel Wagner (Head of Consulting, Legal & Compliance Prettl Electronics GmbH) und Kassenwartin Irina Werle (Obsoleszenzmanagerin BMK Group GmbH & Co. KG) gehören dem Gremium Frank Mützner (Long Term Availability Manager Osram Continental), Joachim Tosberg (Life Cycle Management RAFI), Stefanie Kölbl (Geschäftsbereichsleiterin Embedded TQ-Systems) und Christin Otto (Division Managerin Produkt Management Standard & Support Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG) an. Alle Mitglieder des neuen Führungsteams haben langjährige Erfahrung in unterschiedlichsten Bereichen des Obsoleszenz- und Beschaffungs-Managements. Die spiele laut Dr. Heinbach gerade in schwierigen Zeiten eine besonders große Rolle, um Risiken korrekt abzuwägen. Unser Bestreben ist es deshalb, möglichst viele Personen und Unternehmen von unserem Erfahrungsschatz partizipieren


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