Neue Produktionen in Australien und USA nehmen den Betrieb auf

»Die Preise für Seltene Erden sind im freien Fall«

2. Mai 2012, 11:45 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Schwere Seltene Erden weiterhin nur aus China

Bekanntlich hat China derzeit das Monopol bei den Seltenen Erden. Sind weitere Lieferquellen in Sicht?

Die Firme Lynas wird in Kürze ihre Produktion in Malaysia mit Erz aus ihrer australischen Lagerstätte Mt. Weld eröffnen und will 20.000 Tonnen Seltene Erden jährlich produzieren. Mt. Weld ist eine Erzlagerstätte, die im Tagebau betrieben wird. Hier werden vor allem die so genannten leichten Seltenen Erden gefördert, aber auch ein kleiner Anteil an schweren Seltenen Erden, etwa Dysprosium. Diesen Anteil hat sich allerdings bereits Siemens gesichert. Das Unternehmen hat Anfang des Jahres 2011 ein Joint Venture mit Lynas geschlossen. Das Dysprosium, das Siemens aus diesem Vorkommen zusteht, würde laut Angaben eines Mitarbeiters zwar für die Windkraftanlagen ausreichen, aber noch nicht für die Motorenherstellung. Siemens ist also weiterhin auf der Suche nach zusätzlichen Lieferquellen für schwere Seltene Erden.   
Ein zweiter Produzent, die Molycorp, will voraussichtlich 2013 etwa 40.000 Tonnen Seltene Erden in Kalifornien fördern. Allerdings wird es sich dabei nur um leichte Seltene Erden handeln. Das begehrte Dysprosium und Terbium werden also nicht darunter sein. Zusammen werden die beiden Firmen 50 Prozent der Weltproduktion an Seltenen Erden fördern, aber nichts Wesentliches zur Versorgung mit schweren Seltenen Erden beitragen.

Für die schweren Seltenen Erden heißt das also weiterhin, den Blick nach China zu richten?

Ja, bis auf Weiteres schon. Derzeit laufen zwar weltweit 17 Seltene-Erden-Projekte außerhalb Chinas, die einen höheren Anteil an schweren seltenen Erden haben, von denen ist aber keines soweit, dass es in den nächsten Jahren in Produktion gehen kann. Das liegt daran, dass die Projekte entweder sehr klein sind oder in sehr unwirtlichen Regionen wie Grönland und Nordkanada liegen. Hier müssten erst einmal exorbitant hohe Investitionen für die Infrastruktur getätigt werden. Hinzu kommt, dass einige Vorkommen einen hohen Grad an Radioaktivität besitzen. Uran und Thorium werden zwar abgetrennt, aber der radioaktive Abfall muss schließlich umweltkonform deponiert werden.     

Ist in China denn aufgrund der Klage der WTO eine Lockerung der Ausfuhrbeschränkungen zu erwarten?

Das ist ein politischer Prozess, der über die WTO läuft. Den möchte ich nicht beurteilen.

Gibt es in Deutschland und Europa zukunftsträchtige Seltene-Erden-Vorkommen?

Es gibt ein Projekt in Storkwitz bei Delitzsch in Sachsen. Dabei handelt es sich um einen Zufallsfund noch aus DDR-Zeiten. Dort ist man auf ein kleines Vorkommen an leichten Seltenen Erden gestoßen. Allerdings liegt das Vorkommen sehr tief, tiefer als 170 Meter, und der Gehalt ist mit einem halben Prozent SEO sehr gering. Zum Vergleich: Mt. Weld besitzt einen Gehalt von 10 Prozent. In Schweden gibt es sogar ein Erzvorkommen mit schweren Seltenen Erden, aber der Gehalt ist ebenfalls sehr gering, etwa 0,6 Prozent. Man müsste dort das gesamte Erz aufmalen, um an die Seltenen Erden zu kommen und hätte dabei 99,4 Prozent überschüssiges Gestein, das dann wiederum fachgerecht »entsorgt« werden muss.

Was tut die Bundesregierung, um die Versorgung ihrer Industrie mit Seltenen Erden sicherzustellen?

Die Regierung berät Unternehmen über uns – die Experten der Rohstoffagentur. Außerdem werden Rohstoff-Projekte mit KFW-Krediten unterstützt. Im Wesentlichen sieht die Bundesregierung die Problematik der Seltenen Erden aber als Industriethema.


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