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Folgen der Coronakrise

Beispielloser Einbruch bei Industrieproduktion und Export


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

Industrieproduktion: Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe ist aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie im April in noch nie dagewesenem Ausmaß eingebrochen. Etwa 68 Prozent der Umfrageteilnehmer verzeichneten einen Rückgang und begründeten dies mit Werksschließungen, Kurzarbeit, Zulieferproblemen und der generell schwachen Nachfrage. Der entsprechende Teilindex notierte mit 19,7 Punkten deutlich unter dem bisherigen Rekordtief von 27,8, das im Januar 2009 während der weltweiten Finanzkrise gemessen wurde.

Auftragseingang insgesamt/Export: Vor dem Hintergrund eines beispiellosen Nachfrageeinbruchs – im Inland wie im Ausland – ging die Anzahl der Neuaufträge in der Industrie so dramatisch zurück wie nie zuvor in 24 Jahren Datenerhebung. Wie beim Teilindex Leistung schlug im Investitionsgüterbereich – zu dem der Fahrzeug- und Schwermaschinenbau zählt – das größte Minus zu Buche, gefolgt vom Vorleistungsgüterbereich. Der Konsumgüterbereich, der am Anfang der Virus-Epidemie im Inland noch ein gewisses Maß an Widerstandsfähigkeit gezeigt hatte, brach nun ebenfalls ein und verzeichnete den heftigsten Rückgang der Neuaufträge in der Umfragegeschichte des EMI.

Der saisonbereinigte Teilindex Exportaufträge stürzte im April auf ein Allzeittief und signalisierte eine noch markantere Schrumpfung als beim Gesamt-Auftragseingang. Zwar gab es vereinzelte Meldungen über ein leichtes Plus in China, jedoch wurde dieses bei weitem durch die signifikant geringeren Neuaufträge aus Europa, den USA und den meisten anderen Schlüsselmärkten überkompensiert.

Beschäftigung: Die Daten zeigen, dass die Firmen beim Personalabbau im April noch einen Gang höher schalteten. So gab der saisonbereinigte Teilindex gegenüber dem Vormonat merklich nach und signalisierte den größten Beschäftigungsrückgang seit Mai 2009. Entlassungen, Nichtverlängerung von Zeitarbeitern und natürliche Fluktuation trugen zur Reduzierung der Mitarbeiterzahl bei. Da zahlreiche Unternehmen Kurzarbeit einführten, um Kündigungen möglichst zu vermeiden, fiel das Minus insgesamt geringer aus als bei der Produktion.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Die Einkaufspreise in der Industrie verbilligten sich im April den zwölften Monat hintereinander. Laut Umfrage-Teilnehmern ging dies vor allem auf die schwache Nachfrage sowie den Absturz des Ölpreises zurück. Die Rückgangsrate schwächte sich im Vergleich zum Vormonat jedoch etwas ab, da einige Produkte entgegen dem Trend anzogen, wie zum Beispiel Desinfektionsmittel und andere Chemikalien.

Der mitunter hartnäckige Wettbewerb um Neuaufträge inmitten des starken Nachfragerückgangs führte dazu, dass die Verkaufspreise bereits den zehnten Monat in Folge sanken. Der saisonbereinigte Teilindex änderte sich gegenüber dem 10,5-Jahrestief vom März nur marginal. Allerdings fiel der Rückgang deutlich kräftiger aus als während der weltweiten Finanzkrise. Markante Preisabschläge im Investitionsgüter- sowie Vorleistungsgüterbereich standen einem leichten Plus im Konsumgüterbereich gegenüber.

Jahresausblick: In den Chefetagen der Industrieunternehmen blieb man bei der Einschätzung der Produktionsniveaus binnen Jahresfrist mehrheitlich (62 Prozent) äußerst pessimistisch. Vor allem die langfristigen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie – national wie global – sind kaum abzusehen und sorgen für Unsicherheit und Besorgnis. Die Stimmung verbesserte sich gegenüber dem Rekordtief vom März kaum. So notierte der entsprechende Teilindex weiter über zehn Punkte niedriger als zu jedem anderen Zeitpunkt seit Erhebung dieser Daten im Juli 2012.
Über den EMI: Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).


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