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Kontron greift am EMS/ODM Markt an

»Wir möchten unter die Top 10 in Europa«

25. März 2021, 15:49 Uhr   |  Karin Zühlke

»Wir möchten unter die Top 10 in Europa«
© Kontron

Slowenien ist einer der sechs Produktionsstandorte von Kontron ODM/EMS.

Mit rund 550 Mitarbeitern will Kontron ODM/EMS künftig ein gewichtiges Wort am EMS-Markt mitreden – und fühlt sich nach den Worten der beiden Geschäftsführer Jochen Gimple und Holger Wußmann dafür gut gerüstet.

Im Oktober 2020 hat Kontron seine sechs Produktionsstandorte in Europa zu einem ODM/EMS-Verbund zusammengefasst. Bis dahin hatte ich das Thema ODM/EMS bzw. Elektronik-Dienstleistungen kaum mit Kontron verbunden.

Jochen Gimple: ODM/EMS ist mit dem Kauf der Exceet-Electronics-Unternehmen zu Kontron hinzu gewachsen. Exceet war ähnlich strukturiert wie Kontron, nur kleiner. Weil damit vielfältige Produktionsmöglichkeiten in die Gruppe kamen, hat das Thema Fertigung an Dynamik gewonnen. An sich gab es dieses Thema auch vorher immer wieder, aber nicht in der Ausprägung.

Zudem stellen wir fest, dass der EMS-Markttrend eindeutig in Richtung Größe geht. Und dieser Konzentrationsprozess wird sich weiter verstärken. Man muss finanzielle und wirtschaftliche Stärke vorweisen, um Projekte in größeren Dimensionen zu stemmen, in neueste Technologien investieren zu können und in die Finanzierung von Aufträgen.

Kontron nennt das Segment „ODM/EMS-Verbund“. Wie genau sieht die Struktur aus?

Holger Wußmann: Wir selbst sind Mitte 2018 von Kontron gekauft worden. Zwischenzeitlich wurden noch weitere Firmen in Slowenien und Ungarn erworben. Die heutige ODM/EMS Alliance von Kontron umfasst die sechs Standorte Großbettlingen in Deutschland, Ebbs und Engerwitzdorf in Österreich, Tab und Pécs in Ungarn und Kranj in Slowenien.

Gimple: So ist ein Unternehmensverbund entstanden, der mit 550Mitarbeitern in diesem Geschäftsfeld ein Umsatzvolumen von über 100Millionen Euro erwirtschaftet und für die Zukunft großes Potenzial sieht, unter den Großen mitzuspielen und Marktanteile zu gewinnen.

Sie wollen bei den Großen mitspielen; die liegen aber doch noch einige hundert Millionen Euro Jahresumsatz vor Ihnen. Was ist also die Zielsetzung beim Wachstum?

Gimple: Unser Anspruch als Kontron ist es, unter die Top Ten in Europa und Deutschland zu kommen. Wir sind der Überzeugung, dieses Ziel in den nächsten Jahren auch erreichen zu können.

Hilft da der etablierte Name Kontron?

Gimple: Ja, es ist sicher von Vorteil, den Namen Kontron zu tragen. Wir sehen, dass das Marktzugänge eröffnet. Wir haben viel investiert und sehen uns gut gerüstet dahingehend, dass wir stärker als der Markt wachsen können.

Aus eigener Kraft dürfte das schwierig werden. Planen Sie Zukäufe?

Gimple: Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass weitere Firmen hinzukommen, so wie die Firma Iskratel in Slowenien mit ihrem Fertigungsbereich, die wir letzten Sommer gekauft haben.

Wußmann: Unser Wachstum wird ein Mix aus organischem Wachstum und Zukäufen sein. Es ist auch nicht unmöglich, aus eigener Kraft deutlich zu wachsen. Das Vertriebsnetzwerk von Kontron ist sehr gut vernetzt in der DACH-Region, seit Jahrzehnten. Mit der für Kontron neuen DL EMS in den Markt zu gehen fällt leicht, weil wir nicht klein anfangen müssen. Wir haben sehr viele Kontaktpunkte und können auf ganzer Breite in den Markt gehen.

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© Kontron

Holger Wußmann, Kontron: »Über den gesamten ODM/EMS-Verbund betrachtet dominiert die EMS-Dienstleistung mit ca. 70%.«

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© Kontron

Jochen Gimple, Kontron: »Es ist sicher von Vorteil, den Namen Kontron zu tragen. Wir sehen, dass das Marktzugänge eröffnet.«

Das heißt, Sie nutzen das Vertriebsnetz von Kontron gruppenweit?

Gimple: Ja – und das global.

Es haben schon viele OEMs probiert, auf dem EMS-Markt einzusteigen. Einige sind damit gescheitert. Auch wird immer wieder der Vorbehalt geäußert, dass in solchen Konstellationen OEM-Kunden, also Kunden, die die Eigenprodukte eines Unternehmens beziehen, bevorzugt werden. Was entgegnen Sie dem?

Wußmann: Das ist bei uns eher anders herum. Die Eigenprodukte kommen bei uns auf Rang2, wir sind schließlich ein Dienstleister. Der Kundenwunsch steht bei uns ganz vorne, und wenn der Kunde etwas braucht, dann versuchen wir das auch möglich zu machen.

Gimple: Wir kommen aus dem ODM/EMS-Bereich und haben unser Portfolio die letzten Jahre um unsere Eigenprodukte und die Produkte von Kontron ergänzt. Wir wissen, worauf es ankommt, das ist bei uns gelebte Praxis. Wir können das besser umsetzen, als wenn jemand aus dem OEM-Bereich kommt und erst die Marktgegebenheiten der EMS-Branche kennenlernen muss.

Wie hoch ist der Anteil des EMS-Geschäfts im Verbund der sechs Fertigungsstandorte?

Wußmann: Bezogen auf Großbettlingen – hier haben wir eine große Entwicklungsabteilung – haben wir ein Verhältnis 70 Prozent ODM zu 30 Prozent EMS. Über den gesamten ODM/EMS-Verbund betrachtet, dominiert die EMS-Dienstleistung mit ca. 70 Prozent.

Die Übergänge zwischen Embedded-Anbieter und EMS mit Entwicklung sind fließend. Einige bezeichnen sich selbst als Produktion mit Entwicklung; andere als Embedded-Spezialisten, die auch fertigen. Wo positionieren Sie sich in diesem Feld?

Gimple: Viele EMS-Firmen versuchen mehr und mehr in Richtung Entwicklung zu gehen. Bei uns lief es genau umgekehrt.

Wußmann: So ist es. Wir sind sowohl in Entwicklung als auch in Fertigung erfahren. Und weil wir überzeugt sind, dass man gerade im EMS-Bereich eine signifikante Größe haben muss, bauen wir diesen Bereich strategisch aus. Das Know-how haben wir und die Finanzkraft auch. Letztlich muss man auch willens und in der Lage sein, mit der immensen Vielfalt an Anforderungen, Bauteilen und Produktionstechnologien, die durch die unterschiedlichsten Produkte der Kunden ins Unternehmen getragen werden, umzugehen.

Wo sehen Sie konkret Ihre USPs?

Gimple: Der Kunde kann aus dem ganzen Ökosystem von Kontron schöpfen. Für die Kunden ist das Thema Lieferantenkonsolidierung entscheidend. Kontron bietet einen Mix von Eigenprodukten, von der ARM- über die x86-Welt bis zur Cloud, der im Markt seinesgleichen sucht. Es gibt meines Erachtens keinen Marktbegleiter, der Ähnliches bietet. Das ist auch das Feedback vom Markt. Die Kunden schätzen es, dass sie einen Ansprechpartner haben und aus dem riesigen Produktspektrum wählen können, ohne mit zehn Lieferanten sprechen zu müssen.

Wußmann: Ich schätze, dass in Deutschland um die 400Unternehmen EMS-Geschäft betreiben. Jeder hat kleine USPs, aber das Profil per se ist ähnlich. Wir sehen für uns die Größe und Finanzstärke als starke USPs. Als Bestandteil von Kontron können wir andere Kunden gewinnen, als wir das als kleiner EMS mit 20Millionen Umsatz gekonnt hätten. Es wird kaum eine Unternehmensgruppe geben, die so aufgestellt ist wie wir.

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1. »Wir möchten unter die Top 10 in Europa«
2. "...uns ist der Mittelständler genauso wichtig wie der Großkunde."

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