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Interview mit Andreas Schneider, BMK

»In diesen Zeiten klappt es nur gemeinsam«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

EMS im Wandel

Die EMS-Industrie befindet sich in puncto Innovationen auch sehr stark im Wandel und hat sich vielerorts vom Bestücker zum Technologiepartner weiterentwickelt.

Die EMS-Industrie hat sich in der Tat stark gewandelt. Wir bauen heute immer häufiger komplette Systeme für unsere Kunden. Viele Firmen fokussieren sich auf ihre Kernkompetenzen und lagern auch die Montage an einen EMS aus. Wir fertigen deutlich häufiger ein komplettes Produkt als nur eine bestückte Platine. EMS wird immer mehr als kompletter Fertigungspartner wahrgenommen bis hin zur Direktbelieferung der Kunden. Dadurch entstehen zusätzliche Anforderungen an unser Know-how.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel zunehmend gefragte Mechanik-Kompetenz, sowohl im Einkauf als auch in der Fertigung. Auch die Prüfgeräteentwicklung für Komplettsysteme muss beherrscht werden.

Inwieweit spielen Entwicklungsleistungen nach wie vor eine wichtige Rolle?

Auch Entwicklungsdienstleistungen werden in diesem Segment verstärkt nachgefragt. Hier ist es wichtig, unser vorhandenes Know-how in Entwicklung, Einkauf etc. mit dem Fachwissen der Kunden zu ihren Anwendungen zu verzahnen. Wir spüren ein starkes Vertrauen der Kunden in unsere Systementwicklungs-Kompetenz, in der wir Designverantwortung vom Konzept bis zur Zulassung in Hardware, Software und Mechanik übernehmen. Der Einzug von IoT in viele neue Branchen verstärkt diesen Trend.

Wie sieht der internationale Footprint von BMK aus?

Der ist genau so groß, wie wir ihn brauchen. Unser Hauptmarkt ist der deutsche Markt mit den anspruchsvollen Kunden, die eine schnelle und agile Supply Chain bevorzugen. Darüber hinaus haben wir unser Werk in Tschechien, etwa fünf Autostunden von Augsburg entfernt. Wir versuchen immer die optimale Supply-Chain-Lösung für die Anforderungen unserer Kunden anzubieten. Gerade in Allokationszeiten hilft uns hier unser Einkaufsbüro in China sehr.

BMK verfügt seit 2005 über ein Werk in Israel – für einen EMS ist das ja eher ein ungewöhnlicher Standort.

Das Werk in Israel entstand aus einer Kundenpartnerschaft heraus. Wir sehen in Israel sehr viel Innovation und stellen extrem viel Bewegung und Dynamik fest. Die Musik spielt hier vor allem in den Sektoren Telekommunikation, Energie, Wasserentsalzung, Medizinelektronik, Landwirtschaft und Software inklusive Cybersecurity sowie im Militär-Umfeld. Israel tätigt pro Kopf die weltweit höchsten Ausgaben in Forschung und Entwicklung. Die Zahl der gemeinsamen Kunden in Israel und Deutschland steigt stetig. Das heißt, wir fertigen bei uns für den europäischen Markt, und vor Ort in Israel wird für den israelischen Markt produziert.

Denken Sie auch über ein Werk in China nach?

Ein Produktionsstandort in China steht bei uns aktuell nicht auf der Agenda. Im Gegenteil, da sehen wir gerade einen Umkehrtrend aufgrund der allgemeinen Wahrnehmung der Logistikschwierigkeiten. Nichtsdestotrotz ist unser Asien-Office derzeit wichtiger denn je, um Zugang auf den Beschaffungsmarkt in China zu bekommen.

Was hat Corona in der Produktion verändert?

Positiv können wir feststellen, dass die Pandemie-Krise den Zusammenhalt in der Firma gestärkt hat. Es hätte alles nicht so gut funktioniert, wenn nicht alle Mitarbeitenden so gut mitgezogen hätten und immer noch mitziehen. Das Feedback aus der Belegschaft ist sehr positiv, dass BMK auch in der Krise einen guten Job macht und sie sich bei uns sicher und gut aufgehoben fühlen.

BMK legt großen Wert auf Nachhaltigkeit. Neu hinzu kam nun die EMAS-Zertifizierung. Was genau verbirgt sich dahinter?

EMAS ist eine der strengsten Umweltnormen, nach denen sich ein Unternehmen zertifizieren lassen kann. Bei EMAS gibt das Unternehmen eine Umwelterklärung ab und in einzelnen Bereichen werden klare Zielvorgaben gemacht. Darüber hinaus haben wir kürzlich den Bayerischen Umweltpreis erhalten sowie den Augsburger Zukunftspreis. Unsere Service-Firma lebt das Motto „Reparieren statt Wegwerfen“ schon sehr lange und setzt das auch für viele Produkte, die nicht bei BMK gefertigt wurden, um.

Seit einem Jahr sind wir zudem SMETA-auditiert: Hierbei geht es um die Einhaltung von Sozialstandards im Unternehmen. Dabei werden z.B. die Mitarbeiter stichprobenartig befragt und Fragen zu den Arbeitsbedingungen gestellt.

Seit Januar bietet BMK einen eigenen Prototypenservice namens BMKyourproto für anspruchsvolle Projekte in der Elektronik an. Wo liegt die Besonderheit dabei?

Prototyping ist ein stark wachsender Markt, der gut bei uns ins Portfolio passt und ein Türöffner für das Neukundengeschäft ist.

Bei BMKyourproto verknüpfen wir die Vorteile unserer langjährigen Erfahrung in Beschaffung, Produktion und Industrialisierung mit einem kleinen, agilen und dedizierten Team. Durch spezialisierte Ausrüstung und Prozesse und einen Zugriff auf einen umfassenden BMK-Bestand elektronischer Teile ermöglichen wir eine schnelle Prototypenfertigung in nur wenigen Arbeitstagen.

Die Kommunikation zu Kunden und Bauteillieferarten erfolgt hierbei über schnelle digitale Schnittstellen.
 

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