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Interview mit Andreas Schneider, BMK

»In diesen Zeiten klappt es nur gemeinsam«

13. September 2021, 14:30 Uhr   |  Karin Zühlke

»In diesen Zeiten klappt es nur gemeinsam«
© BMK

Andreas Schneider, BMK: »Letztes Jahr im April standen in vielen Branchen die Zeichen auf Vollbremsung, jetzt sind wir bei 150 Prozent, und das ist, angereichert mit der aktuellen Liefersituation, eine durchaus explosive Mischung.«

Andreas Schneider ist seit dem 1. April Geschäftsleiter Vertrieb und Prokurist bei BMK. Er berichtet in der neu geschaffenen Position direkt an die Gesellschafter und verantwortet die gesamte Kunden-Organisation inklusive Projekteinkauf.

Ganz im Sinne des neuen olympischen Mottos für 2021, „schneller, höher, stärker – gemeinsam“, setzt Schneider nach innen wie außen auf ein partnerschaftliches Miteinander.

Markt&Technik: Herr Schneider, worauf wollen Sie in Zukunft Ihre Akzente setzen?

Andreas Schneider: Wir sind ein bodenständiger Mittelständler und haben vorwiegend mittelständische Kunden. Wir sehen uns als Partner für den Mittelstand, und das möchte ich auch fortführen und ausbauen. Wir haben sehr viele zufriedene Kunden, die Marktführer in ihrem Bereich sind und entsprechend hohe Ansprüche haben. Und in dieser Konstellation möchte ich, dass wir weiter als Partner am Markt gesehen werden und gemeinsam wachsen. Treffend finde ich in diesem Zusammenhang das neue olympische Motto, das nicht mehr nur „schneller, höher, stärker“ in den Mittelpunkt stellt, sondern für die Spiele in Tokio zu „schneller, höher, stärker – gemeinsam“ ergänzt wurde, um die Bedeutung des Miteinanders zu betonen. Gemeinsam kann man die immer schneller werdenden Veränderungen in Markt und Technologie besser meistern.

Gemeinsam mit Kunden wachsen heißt, organisch wachsen ohne Zukäufe?

Organisches Wachstum ist gesundes Wachstum und die erklärte BMK-Strategie. Das hat über 27 Jahre sehr gut funktioniert, und diese Richtung werden wir auch weiterverfolgen.

EMS ist nichtsdestotrotz eine sehr kompetitive Branche. Welchen Platz belegt BMK im europäischen Ranking und welche Umsatzziele haben Sie für dieses Jahr?

Der Rang nach Umsatz ist keine Kennzahl, die für uns entscheidend ist – vielmehr steht für uns der Kundenerfolg im Mittelpunkt. Nur wenn der Kunde erfolgreich ist, können wir erfolgreich sein.

Wir haben im letzten Geschäftsjahr 246 Millionen Euro Umsatz generiert und gehen auch für dieses Jahr von einem moderaten Wachstum aus. Der Auftragseingang ist sehr hoch, aber die Allokation dämpft natürlich die Erwartungen. Es gibt zahlreiche Beispielprojekte, in denen wir mit Kunden auch in der Corona-Zeit gemeinsam wachsen konnten. Natürlich war auch Konfliktpotenzial vorhanden, etwa wenn zu Beginn der Pandemie Bestellungen vom Kunden kurzfristig von einem Tag auf den anderen storniert wurden. Wir hätten in solchen Fällen auf unserem Vertrag bestehen können, aber das wäre nicht partnerschaftlich gewesen. In diesen Zeiten klappt es nur gemeinsam.

Genauso müssen wir jetzt einen Weg finden, wie wir zusammen durch die Allokation kommen. Letztes Jahr im April standen in vielen Branchen die Zeichen auf Vollbremsung, jetzt sind wir bei 150 Prozent und das ist, angereichert mit der aktuellen Liefersituation, eine durchaus explosive Mischung.

Wie haben sich die einzelnen Kundensegmente während der Pandemie entwickelt?

Professionelle Ausrüster für Film- und Veranstaltungstechnik hat es vergangenes Jahr sehr stark getroffen. Inzwischen stellen wir bei diesen Kunden eine starke Erholung fest. Andererseits gibt es auch Startups, die sehr schnell ihr Portfolio angepasst und sozusagen die Zeichen der Corona-Zeit erkannt haben. Ein schönes Beispiel ist ein sehr innovativer und agiler Kunde, der innerhalb von vier Wochen einen Abstandswarner auf den Markt gebracht hat, für den wir die Massenproduktion in kürzester Zeit realisiert haben. Die Medizinelektronik lief im letzten Jahr bekanntermaßen gut, aber auch Automotive, und der Maschinenbau hat sich schnell erholt.

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Die Erholung der Elektronikindustrie ging und geht einher mit massiven Problemen bei der Materialverfügbarkeit. Wie klappt aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit in der Lieferkette?

Am besten klappt es, wenn Kunde, Distribution und EMS und gegebenenfalls noch der Hersteller gemeinsam am Tisch sitzen; egal ob letztes Jahr, als wir Bedarfe verschieben mussten, oder dieses Jahr, wo das Material knapp ist und wir so vieles realisieren wollen.

Trotz Digitalisierung ist eine Transparenz der kompletten Lieferkette vom Hersteller bis zum Endkunden nach wie vor nur sehr eingeschränkt gegeben.

Wie wirkt sich die Allokation bei Ihnen aus?

Auch bei uns gibt es Störungen bis hin zu überraschenden Linienstillständen, die wir aber in Grenzen halten können. Wir sind – auch durch unser Einkaufsbüro in China – im Strategischen Einkauf sehr gut aufgestellt, sind nahe an der Distribution, den Herstellern und nahe am Kunden dran. Man muss reale Bedarfe ermitteln, ggf. Alternativteile dem Kunden zur Freigabe vorschlagen und nicht mit den sprichwörtlichen Mondbedarfen auf den Markt gehen. Bisher konnten wir aber Stillstände bei den Kunden vermeiden. Wir versuchen auf Basis von Erfahrungswerten und Software-Unterstützung von vorneherein möglichst genau zu prognostizieren, wo es Engpässe geben könnte, um diese proaktiv zu vermeiden.

Wann ist Entspannung in Sicht?

Ich traue mich ehrlich gesagt momentan keine Prognose abzugeben, ob wir den Zenit schon erreicht haben.

Rechnen Sie mit Umsatzeinbußen durch den Materialengpass?

Der Auftragseingang und Auftragsbestand sind sehr gut, und natürlich wollen wir diesen im Sinne unserer Kunden realisieren, soweit es die Materialsituation zulässt.

Innovation ist bei BMK Teil der DNA – welche Neuerungen gibt es in diesem Segment?

Unsere Abteilung für Innovation und Fertigungstechnologie legt derzeit einen großen Fokus auf Vernetzung und Automatisierung. Hier geht es häufig darum, Sonderprozesse wie Montieren, Silikonieren, Lackieren und Vergießen prozesssicher und produktiv zu gestalten. Technologien wie Robotik und KI leisten dazu einen wertvollen Beitrag.

Es wird also weniger Personal benötigt?

Nein, ganz sicher nicht. Es geht vielmehr darum, das Personal für die Aufgaben der Zukunft entsprechend zu qualifizieren. Durch eigene Ausbildung und die BMK-Akademie leisten wir hier den entsprechenden Beitrag.

Wie finanzieren Sie solche Neuerungen?

Innovation muss zur Kernkompetenz des EMS-Anbieters gehören. Unser Kunde ist der anspruchsvolle Mittelständler, insofern wollen wir ein adäquater Partner sein. Innovationen sind kein Selbstzweck, sondern können aus Kundenprojekten heraus entstehen. Wir evaluieren den optimalen Prozess und gestalten die Automatisierung. So haben wir z.B. einen Roboter für Verguss-Arbeiten im Einsatz, um die Taktzeiten zu reduzieren und die Prozesssicherheit im Vergleich zum manuellen Prozess zu erhöhen. Wir arbeiten in puncto Innovation auch eng mit unseren Anlagenlieferanten zusammen. So haben wir z.B. Technologiepartnerschaften mit den Herstellern von Bestück- Test und Löteinrichtungen und arbeiten darüber hinaus eng mit Hochschulen zusammen.

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