Studie »Urbane Mobilität im Jahr 2035« 30 Prozent mehr Fahrzeuge auf der Straße

Ab in den Stau? Ohne Regulierungen droht ab 2035 der Verkehrscollaps – das ergab die Studie »Urbane Mobilität im Jahr 2035« von Deloitte.
Ab in den Stau? Ohne Regulierungen droht ab 2035 der Verkehrscollaps – das ergab die Studie »Urbane Mobilität im Jahr 2035« von Deloitte.

Deloitte hat die Studie »Urbane Mobilität und autonomes Fahren im Jahr 2035« veröffentlicht. Darin beantwortet das Unternehmen anhand eines quantitativen Mobilitätsmodells die wichtigsten Fragen zu Potenzial und Effekten von Robotaxis und -shuttles und zeigt Handlungsoptionen auf.

Robotaxis und -shuttles haben für viele Experten das Potenzial, zu einem der Hauptverkehrsmittel des 21. Jahrhunderts zu werden. Zahlreiche Vorteile sprechen für diese innovativen Verkehrsmittel: Sie werden jederzeit und ohne große Wartezeit verfügbar sein und bringen ihre Fahrgäste bequem von Tür zu Tür. Nervige Parkplatzsuche und teure Parkgebühren entfallen. Und einen Führerschein braucht man auch nicht mehr – so wird der autonome Fahrdienst vor allem für Kinder und ältere Menschen eine sichere Option, um sich in der Stadt fortzubewegen. Und durch den Wegfall des Fahrers und die effiziente Auslastung der Fahrzeuge werden autonome Taxis und Shuttles aus Kostensicht zur attraktiven Alternative zu bestehenden Verkehrsmitteln. Doch der Einsatz von autonomen Taxis und Shuttles wird auch Auswirkungen generell auf den Verkehr und öffentliche Verkehrsmittel haben.

Um die wichtigsten Fragen beantworten zu können, hat Deloitte in einem aufwendigen Verfahren zahlreiche Big-Data-Datenquellen herangezogen. Dazu wurde das Mobilitätsverhalten der Menschen in 109 Metropolregionen ausgewertet, um die Gebiete zu bestimmen, in denen sich im Jahr 2035 große autonome Fahrzeugflotten wirtschaftlich betreiben lassen.

Um die Preise für die Nutzung von Robotaxis und Roboshuttles zu ermitteln, wurden Berechnungen angestellt, die sowohl die technische Weiterentwicklung wie auch branchenübliche Margen berücksichtigen. Dazu wurden 2.000 Teilnehmer in einem Online-Experiment nach dem Stated-Preference-Ansatz befragt, um valide zu bestimmen, welche und wie viele Personen bei welchen Preisen und Zeitvorgaben autonome Fahrzeuge nutzen werden.

Alle Daten und Ergebnisse sind in ein quantitatives Modell geflossen, das den Verkehr im Jahr 2035 in deutschen Metropolregionen berechnet. Die wichtigsten Erkenntnisse sind in fünf Thesen zusammengefasst.

Robotaxis autonomer Fahrdienste verändern Mobilität

Wie viele Verkehrsteilnehmer sind tatsächlich bereit, bei wirtschaftlich attraktiven Preisen auf autonome Fahrzeuge umzusteigen? Dazu wurden 2000 Teilnehmer in einem Online-Experiment befragt. Die Rahmenvorgaben waren: Sie werden von Tür zu Tür gebracht und müssen auch in Stoßzeiten nicht länger als 10 Minuten auf ein Fahrzeug warten. 32 Prozent aller Befragten sind bereit, dafür entweder ein Robotaxi, das sie direkt von A nach B bringt oder ein günstigeres Roboshuttle, das mehrere Personen auf einmal fährt und deswegen kurze Umwege nehmen muss,zu nutzen. Mit 32 Prozent am Gesamtverkehr sind autonome Fahrzeuge damit ein neues Hauptverkehrsmittel, das das Verkehrsaufkommen maßgeblich beeinflusst.

Preise für die tägliche Mobilität sinken 2035 deutlich

Was wird eine autonome Fahrt zur Arbeit oder zum Einkauf durchschnittlich kosten? Die Berechnungen zeigen, dass ein Kilometer mit dem Robotaxi 34 Cent, mit dem Roboshuttle lediglich 15 Cent kosten wird. Ein Robotaxi ist damit acht Mal günstiger als ein normales Taxi heute und liegt immer noch 25 Prozent unter dem Kilometerpreis eines privat betriebenen Mittelklassewagens. Für den durchschnittliche Arbeitsweg von 10 Kilometern fallen mit einem Roboshuttle lediglich 1,50 Euro an Kosten an. Das ist deutlich weniger als die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies wird alle anderen Mobilitätsanbieter einem heftigen Preisdruck aussetzen und natürlich zur Attraktivität von autonomen Fahrdienstleistungen betragen.

Robotaxis und autonome Fahrdienste haben ein großes Marktpotenzial

Um die Fahrdienstleistungen erbringen zu können, sind etwa 560.000 Robotaxis und 180.000 Roboshuttles notwendig. Die Laufzeit dieser Fahrzeuge wird aufgrund der hohen Laufleistung drei Jahre betragen. Setzt man diese Investition gegen den Rückgang im Neuwagengeschäft bei Privatkunden, ergeben sich daraus Umsatzeinbußen für die Automobilindustrie von rund 760 Millionen Euro pro Jahr. Demgegenüber stehen aber zusätzliche Einnahmen von 16,7 Milliarden Euro für die Fahrdienstleistungen der autonomen Fahrzeuge. Insgesamt bietet der Markt damit ein großes Potenzial, das nicht nur von Autoherstellern, sondern auch von anderen Anbietern ausgeschöpft werden kann.

Weniger Fahrzeuge, aber mehr Straßenverkehr in der Stadt

Die allgemeinen Erwartungen, dass autonome Fahrzeugflotten zu weniger Staus und besser fließendem Verkehr auf unseren Straßen führen, werden sich nicht erfüllen. Die Anzahl der angemeldeten Fahrzeuge wird zwar um etwa 3 Mio. Fahrzeuge sinken, aber durch die hohe Auslastung der Robotaxis und -shuttles steigt die urbane Verkehrsbelastung deutlich. Die Anzahl der täglich mit dem Auto zurückgelegten Kilometer wird pro Person in deutschen Städten von 26,7 auf 32,0 km ansteigen. Das entspricht einer Zunahme um 24 Prozent. Die Gründe sind vielfältig: Robotaxis können auch von Kindern und Personen genutzt werden, die keinen Führerschein besitzen und bisher andere Verkehrsmittel genutzt haben oder zu Fuß gegangen sind. Außerdem müssen autonome Fahrzeuge auch Leerfahrten durchführen, um zu einem Kunden zu gelangen.

Ohne Regulierung droht ein Verkehrskollaps

Wenn die Nutzung von Robotaxis und Roboshuttles nicht reguliert wird, werden durchschnittlich 30 Prozent mehr Autos gleichzeitig in den Städten unterwegs als heute. Zu Stoßzeiten werden es sogar 36 Prozent sein. Das wirkt sich natürlich auf die Fließgeschwindigkeiten im Straßenverkehr aus, die von durchschnittlich 33,5 auf 30 km/h sinken werden und damit die Fahrzeiten um ca. 10 Prozent ansteigen lassen. Das sind im Schnitt 2,5 Minuten mehr als bisher. Robotaxis werden also die deutschen Städte verstopfen, falls die Kommunen nicht handeln und beispielsweise Schülern die Fahrt zur Schule nur per Roboshuttle erlauben, nicht aber per Robotaxi.