Steckverbinder im Wandel der Zeit

Verbindungen, die Geschichte schreiben

25. Juni 2026, 09:00 Uhr | Corinna Puhlmann-Hespen
Steckverbinder
© vectyx2/stock.adobe.com

Ob Automatisierung, Datenkommunikation, Energie oder Mobilität – zuverlässige Verbindungstechnik ist eine zentrale Voraussetzung für technischen Fortschritt. Folgende Interviews zeigen, wie Steckverbinder-Unternehmen die Industrieentwicklung über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt haben.

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Torsten Janwlecke, COO von Phoenix Contact

»Von Anfang an eng mit der Elektrifizierung verbunden«

Markt&Technik: Lassen Sie uns in die Vergangenheit blicken: Wo liegen die Ursprünge von Phoenix Contact?

Torsten Janwlecke: Phoenix Contact ist ein über 100 Jahre altes Unternehmen, das 1923 in Essen gegründet wurde. Das erste Produkt, das wir entwickelt und hergestellt haben, war eine Fahrdrahtklemme für die Elektrifizierung der dortigen Straßenbahn. Schon damals stand also eine Anwendung im Fokus, die das zu der Zeit gültige Elektrifizierungs- und Mobilitätsszenario unterstützt hat. Seitdem ist Phoenix Contact in der Anschlusstechnik aktiv und eng mit den Themen der Elektrifizierung verbunden. Diese Kontinuität vom ersten Produkt bis heute macht den Kern des Unternehmens aus.

Torsten Janwlecke von Phoenix Contact
© Phoenix Contact

Wie haben Sie Industriegeschichte geschrieben?

Phoenix Contact hat zum einen die Elektronikindustrie mit der Entwicklung der leiterplattenbasierten Anschlusstechnik besonders geprägt. Nach den frühen Anwendungen in der Elektrifizierung begann in den 1970er-Jahren das Elektronikzeitalter. Mit den Leiterplatten entstand auch ein neuer Bedarf an geeigneten Leitungsanschlüssen. Die COMBICON-Produktfamilie, die vor mehr als 50 Jahren auf den Markt kam, schaffte einen Standard, der heute milliardenfach installiert ist und weltweit eingesetzt wird. Diese Lösung hat andere bis dahin verbreitete Anschlusstechniken in vielen Bereichen ersetzt und den Gerätebau nachhaltig geprägt.

Zum anderen wurde Phoenix Contact in den 1980er-Jahren selbst in der Entwicklung und Herstellung elektronischer Geräte aktiv. Die Produktlinien der Schalt- und Steuerungstechnik für industrielle Anwendungen bilden heute eine der tragenden Säulen des Unternehmens.

Was waren die größten Herausforderungen in der Vergangenheit? Und welchen Einfluss hatten diese?

Am stärksten haben uns zwei Entwicklungen verändert: die Globalisierung und die Digitalisierung. Die Globalisierung hat uns über mehrere Jahrzehnte hinweg neue Märkte, neue Anwendungen und neue Kunden in aller Welt gebracht und war damit eine wesentliche Triebfeder unseres Wachstums.

Die Digitalisierung wirkte mindestens ebenso tiefgreifend. Sie zeigt sich in den Anwendungen der Kunden ebenso wie in den eigenen Produktlinien: Aus diskreten Schaltungen entstanden zunehmend komplexe, digital geprägte Produkte. Hinzu kommen neue Anforderungen an die Vermarktung sowie an digitale Produktdaten – etwa in Form digitaler Zwillinge, Produktpässe oder nachhaltigkeitsbezogener Informationen. Die Digitalisierung hat damit nicht nur Produkte, sondern auch Prozesse und Marktzugänge verändert.

Wie hat sich die Verbindungstechnik in den vergangenen 50 Jahren verändert?

Die Verbindungstechnik hat sich vor allem entlang zweier großer Trends weiterentwickelt. Zum einen sind die Anforderungen an die Datenübertragung gestiegen: Aus analoger Signalverarbeitung wurde digitale Netzwerkkommunikation. Ströme werden kleiner, Frequenzen höher, und digitale Datenübertragung spielt in Stecksystemen eine immer größere Rolle. Dadurch miniaturisieren sich Anschlüsse, Produkte werden kleiner und gleichzeitig komplexer. Neben klassischen Steckverbindern gewinnen geschützte Lösungen z. B. für raue Umgebungen an Bedeutung.

Die zweite, möglicherweise noch wichtigere Triebkraft ist der wachsende Bedarf, hohe Ströme sicher zu übertragen. Gerade Anwendungen im Gleichstrombereich, etwa in Batteriespeichern, der Fahrzeugladetechnik oder in Solaranlagen, stellen hohe Anforderungen an die Strom- und Spannungsfestigkeit von Steckverbindungen.

Gibt es gleichzeitig Konstanten in der Verbindungstechnik?

Ja, die Kombination aus leistungsfähiger Metalltechnik und hochwertigen Kunststoffgehäusen. Denn unabhängig davon, ob es um hohe Frequenzen, hohe Ströme oder Spannungen geht, bleibt eine solide Metalltechnik die Basis jeder zuverlässigen Übertragung. Gleichzeitig braucht sie ein passendes Gehäusematerial, das je nach Anwendung Umgebungseinflüssen standhält, besonders kompakt ausgeführt sein muss oder hohe elektrische Anforderungen erfüllt. In den vergangenen 50 Jahren ist vor allem diese smarte Kombination aus Metall und Kunststoff zu einer prägenden Konstante der Verbindungstechnik geworden.

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  1. Verbindungen, die Geschichte schreiben
  2. Manuela Gutmann, Sales & Marketing Managerin von Yamaichi Electronics
  3. Philip Harting, CEO der Harting Technologiegruppe
  4. Nicol Schindlbeck, Head of Corp. Marketing & Communications von ODU
  5. Markus Binder, Geschäftsführender Gesellschafter von binder
  6. Anne Schilling, Senior Manager Business Development Connectors bei Lapp


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