Markt&Technik: Wie begann die Geschichte von binder?
Markus Binder: Mein Vater Franz Binder hat 1960 als Einzelunternehmer mit einer kleinen Werkstätte für Mechanik und Drehteile in Neckarsulm angefangen – 1968 begann dann die Produktion von Rundsteckverbindern. Was ihn angetrieben hat, war der Wille, eigenständig zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen und mit technischer Expertise etwas Dauerhaftes aufzubauen – und genau das tun wir noch heute.
Mit welchen Entwicklungen oder Ideen hat Ihr Unternehmen die Elektronikindustrie besonders geprägt?
Wir haben früh erkannt, dass Steckverbinder kein reines Commodity-Geschäft sein dürfen. Unsere Stärke liegt in der Fertigungstiefe: Wir entwickeln, konstruieren und fertigen alles unter einem Dach – von der Kundenidee bis zur Serienreife. Das hat uns in Branchen wie der Medizintechnik, Automatisierung und Messtechnik zu einem gefragten Lösungspartner gemacht.
Was waren die größten Herausforderungen in der Vergangenheit – und wie hat sich sein Unternehmen dadurch verändert?
Die zunehmende Volatilität der Märkte – globale Krisen, Lieferkettenunterbrechungen, Preisschwankungen und ein schwächelnder Binnenmarkt – hat uns am stärksten gefordert und verändert. Als mein Sohn Len 2024 ins Unternehmen einstieg, haben wir daher die Chance genutzt, uns konsequent neu aufzustellen: agiler zu werden, Strukturen zu hinterfragen und den direkten Kundenkontakt wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Das war anspruchsvoll, aber es hat uns widerstandsfähiger gemacht, was unser erfolgreicher Turnaround eindrucksvoll belegt.
Wie hat sich die Verbindungstechnik in den vergangenen 50 Jahren weiterentwickelt? Können Sie ein Beispiel nennen?
Ein prägnantes Beispiel ist die One-Cable-Automation. Statt wie früher separate Leitungen für Energie und Daten zu verlegen, werden beide Funktionen über einen einzigen Hybridsteckverbinder übertragen. Das ermöglicht dezentrale Automatisierungskonzepte ohne klassischen Schaltschrank – weniger Verkabelungsaufwand, weniger Fehlerquellen, mehr Flexibilität.
Gibt es zugleich Konstanten in der Verbindungstechnik?
Der Grundanspruch an einen Steckverbinder ist derselbe geblieben. Er muss zuverlässig verbinden, unter widrigen Bedingungen funktionieren und sich wiederholbar stecken lassen. Wer behauptet, Steckverbinder würden irgendwann überflüssig werden, verkennt die Realität industrieller Anwendungen – die physikalischen Grenzen sind gesetzt.