Experten zu Trends bei Bedienelementen

Industrie 4.0 erfordert smarte Schalter und Taster

7. April 2022, 20:21 Uhr | Andreas Knoll

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Parametrierbarkeit und Programmierbarkeit sind gefragt

Inwieweit lassen sich die Funktionsparameter elektromechanischer Bedienelemente programmieren bzw. konfigurieren? Inwieweit ist dabei Kontextsensitivität möglich?

Torsten Singer, Schlegel: Dies ist ein interessantes Thema. Die beiden Welten sind durchaus sinnvoll miteinander kombinierbar, um daraus Vorteile zu generieren. Produkte lassen sich zu jeder Zeit leicht an die aktuellen Anforderungen anpassen, die Arbeitsqualität für den Nutzer lässt sich verbessern, oder Produktionsprozesse könnten optimiert und damit weniger fehleranfällig werden. Auch hier gibt es jedoch Schattenseiten, wenn es etwa um die Erfassung von Vitaldaten der Mitarbeiter geht. Dies wirft nicht nur ethische, sondern auch rechtliche Fragen auf.

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Moritz Futterer von Rafi
Moritz Futterer, Rafi: »Auch in Zukunft wird es für einfache elektromechanische Taster noch viele Einsatzorte geben.«
© Raif

Moritz Futterer, Rafi: Bei den IO-Link-Produkten ist nicht nur ein Farbwechsel in definierten RGB-Farben möglich, sondern es gibt auch verschiedenste Funktionen wie Blinken in unterschiedlichen Frequenzen und Helligkeitsstufen sowie ein Nachtmodus in abgeschwächter Lichtintensität. Mit IO-Link ist eine Funktionsänderung auch im laufenden Betrieb möglich, sodass ein Taster für mehrere Funktionen - je nach Betriebsart - genutzt werden kann.
Eine Signalleuchte dagegen kann so auch mehrere Zustände durch unterschiedliche Farben und Blinkmodi anzeigen. Hier sparen Kunden also an der Hardware, weil für Funktionen, die bislang mehrere Bedienelemente erfordert haben, jetzt eine Hardware ausreicht.
Bei KIS.ME dagegen können Bediener individuelle Regeln erstellen und so festlegen, was bei bestimmten Ereignissen wie einem einfachen Tastendruck, der Farbänderung einer Leuchte oder dem Eingangssignal eines Sensors oder einer Maschine geschehen soll. Als Reaktion darauf werden Folgeprozesse automatisch angestoßen oder weitere Bedienelemente durch Farb- und Blinkmodi angetriggert. Außerdem lassen sich andere Benutzer etwa durch definierte E-Mails informieren und benachrichtigen.

Markus Zemke, N&H Technology: Eine kontextsensitive Menüführung ermöglicht Anwendern eine noch tiefgreifendere Interaktion mit dem System. Klassische elektromechanische Bedienelemente sind in diesem Zusammenhang die Basis, die mit einer durchdachten Softwarelösung noch fokussierter genutzt werden kann. Im besten Fall lässt sich durch das Zusammenspiel die Anzahl benötigter Bedienelemente minimieren und zugleich die Bedienung intuitiver gestalten. Weil aber die Gestaltungsmöglichkeiten direkt von den festgelegten Bedienelementen abhängen, ist es umso wichtiger, schon frühzeitig Expertenwissen in der Entwicklung einzuholen, um Soft- und Hardware optimal aufeinander abzustimmen.

Dr. Roland Aubauer, Captron Electronic: Elementar für ein gutes und je nach Anwendung situativ anpassbares HMI sind Schnittstellen für den bidirektionalen Datenaustausch. In der Industrie nutzen wir IO-Link als Standard für unsere Sensortaster. Aber auch in der eigenen Produktion bietet diese Technik individuelle Konfigurationsmöglichkeiten. So lassen sich Parameter wie Empfindlichkeit oder Farbwahl sogar außerhalb des Produktionswerks beim Kunden vor Ort abändern.

Oliver Kluj, Knitter-Switch: Programmierung und Konfiguration sind derzeit nur „ab Werk“ möglich, etwa die Einstellung der Empfindlichkeit kapazitiver Taster oder der Kraft-Weg-Kennlinie.


  1. Industrie 4.0 erfordert smarte Schalter und Taster
  2. „Smarte“ Bedienelemente für zukünftige HMIs
  3. Parametrierbarkeit und Programmierbarkeit sind gefragt
  4. Elektromechanische Bedienelemente in Touchscreen-HMIs?
  5. Relevante Normen, Vorschriften und Regelwerke
  6. Augen auf bei der Schalter- und Tasterwahl

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