Experten zu Trends bei Bedienelementen

Industrie 4.0 erfordert smarte Schalter und Taster

7. April 2022, 20:21 Uhr | Andreas Knoll
Gemeinsam sind sie stark: Touchscreen und verschiedene elektromechanische Bedienelemente an einem HMI-Panel von Schubert System Elektronik
Gemeinsam sind sie stark: Touchscreen und verschiedene elektromechanische Bedienelemente an einem HMI-Panel von Schubert System Elektronik
© WEKA FACHMEDIEN

Elektromechanische Bedienelemente haben auch im Zeitalter von Touchscreens, Gestensteuerung und Augmented Reality nicht ausgedient. In vielen modernen HMI-Systemen bilden sie eine wichtige Ergänzung zu Touchscreens.

Um aber die Anforderungen von Industrie oder Medizin 4.0 erfüllen zu können, müssen Schalter, Taster, Drehknöpfe, Wheels und Joysticks bestimmte Fähigkeiten haben. Welche das sind und welche Trends sich derzeit bei elektromechanischen Bedienelementen zeigen, erläutern sechs Branchenexperten im Interview.


Markt&Technik: Mit welchen Innovationen und Alleinstellungsmerkmalen wollen Sie im Bereich Schalter und Taster gegenüber Ihren Mitbewerbern im Markt bestehen?

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Torsten Singer, Georg Schlegel GmbH & Co. KG: »Elektromechanische Bedienelemente werden auch weiterhin nicht nur eine Daseinsberechtigung haben, sondern notwendig bleiben.«
© Georg Schlegel

Torsten Singer, Produktmanager bei Georg Schlegel: Wir legen unser Augenmerk auf Usability, Nachhaltigkeit, eine hohe Produktqualität und ein ästhetisch ansprechendes, zeitloses Design. Auch die Digitalisierung nimmt weiter Einfluss auf unsere Produkte, sodass diese fit für das IIoT werden. Neben unserem schon bekannten IO-Link-Gehäuse proboxx gehen wir auch andere Wege, um Taster und Schalter in die digitale Welt zu bringen, etwa durch unser modulares Bussystem MBS. Zudem wird das Thema Nachhaltigkeit weiter Einfluss auf unsere Produktionsprozesse und Produkte nehmen. Hier sehen wir eine große Verantwortung gegenüber unseren Kunden und unserer Umwelt.

Anette Riedl-Materna, Product Manager bei Schurter: Wenn wir auf das Jahr 2021 zurückblicken, so haben wir einige interessante und innovative Produktfamilien auf den Markt gebracht. Erstens die berührungslosen Taster TTS, die vor allem wegen der Pandemie auf hohe Nachfrage und großes Interesse gestoßen sind und einige Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen im Markt erhältlichen Produkten haben. Zweitens die kapazitive Schalterfamilie CHS, die einfach hinter alle nichtleitenden Materialien geklebt werden kann und somit ein Kundensegment anspricht, das flexibel in der Gestaltung seiner Bedienoberflächen sein und sich nicht auf ein vom Lieferanten gefertigtes „Eingabesystem“ festlegen will. Drittens ist es uns mit dem Launch der MSS-Familie gelungen, einen neuartigen elektronischen Taster zu entwickeln, der eine besonders geringe Einbautiefe benötigt. Dies mit sämtlichen Features, die sich unsere Kunden wünschen: präzise Auslösung, hohe Robustheit, Langlebigkeit und Wasserfestigkeit. Auch fürs Jahr 2022 haben wir einige interessante Neuerungen geplant. Wir können unseren Kunden somit Taster und Schalter in den unterschiedlichsten Technologien für den jeweiligen Anwendungszweck bieten.

Moritz Futterer, Head of Product Management and Marketing bei Rafi: Rafi hat im vergangenen Jahr erstmals IO-Link-Produkte auf den Markt gebracht – eine Tasterbox und eine Signalleuchte. Sie sind durch den M12-Anschluss via Plug&Play leicht zu installieren und kommunizieren selbstständig mit dem Leitsystem via IO-Link-Protokoll. Vorteil gegenüber herkömmlichen Tasterboxen ist, dass sie im laufenden Betrieb parametrierbar sind und eine manuelle Verdrahtung einzelner Litzen entfällt. Dies ermöglicht beispielsweise einen RGB-Farbwechsel.
Darüber hinaus hat Rafi 2021 eine völlig neue Lösung auf den Markt gebracht: „KIS.ME“, was für „Keep it simple. Manage everything“ steht. Ihr Herzstück ist eine Plattform im Internet, über die alle Kommunikation zwischen den Hardware-Devices läuft. Zudem umfasst sie eine Tasterbox und eine Signalleuchte sowie eine Schnittstellen-Box, die digitale Ein- und Ausgänge bestehender Sensoren und Maschinen einsammeln bzw. an Aktoren Signale ausgeben kann. Diese drei Devices schaffen unzählige Anwendungsmöglichkeiten fernab von einzelnen Steuerungen. Im Fokus stehen hier Produktions- und Intralogistikanwendungen, die bisher noch nicht digitalisiert sind und wo veraltete Prozesse vorherrschen, über deren Effizienz keine Informationen zur Verfügung stehen. Die beiden wichtigsten Motivationen zum Einsatz von KIS.ME sind erstens, laufende Prozesse transparenter zu machen, und zweitens, Ansatzpunkte aufzudecken, bei denen ein Effizienzgewinn durch Optimierung möglich ist. Durch den Keep-It-Simple-Ansatz sind diese Ziele im Alleingang ohne viel Beratung durch Externe möglich.

Markus Zemke, Vertriebsleiter bei N&H Technology: Wir legen besonderen Fokus auf ein umfassendes Dienstleistungsprofil, mit dem alle Prozesse der Produktentwicklung und Produktfertigung abgedeckt werden können. Dies umfasst unter anderen die Unterstützung bei der Entwicklung und Konstruktion, die Optimierung technischer Spezifikationen zur Produktsicherheit und die Ausarbeitung von Optionen zur Kostenreduzierung. Zusätzlich zur Fertigung elektromechanischer Komponenten und Komplettlösungen bieten wir auch Outsourcing-Optionen für den Einkauf an. Speziell unseren mittelständischen Kunden eröffnen wir die Möglichkeit, bestehende Lieferketten zu vereinfachen und Einkaufsstrukturen zu verschlanken. Für Artikel mit regelmäßigem, planbarem Bedarf bieten wir unseren Kunden die Einrichtung eines Pufferlagers bei uns vor Ort in Deutschland. Gerade in der aktuellen Lieferkettensituation ist dies für unsere Kunden immer wichtiger, weil sie unter anderem von Kostenvorteilen aufgrund höherer Produktionsvolumina und geringerer Transportkosten sowie von flexiblen Abrufmöglichkeiten mit geringem Versorgungsrisiko profitieren.

Dr. Roland Aubauer, Senior Director Research & Development bei Captron Electronic: Wir legen großen Wert auf einfache Bedienbarkeit und Langlebigkeit. Unsere kapazitiven Touch-Bedienungen sind widerstandsfähig und eignen sich dank der Umwelt- und Vandalensicherheit auch für den öffentlichen Personenverkehr. Außerdem erweitern wir die Technik unserer HMI kontinuierlich – beispielsweise mit optischen Sensoren, um die Berührungserkennung unter allen Umständen sicher zu gewährleisten und Fehlauslösungen etwa durch Schmutz oder Wasser auszuschließen. In Zukunft wollen wir nicht nur Lieferant von Komponenten sein, sondern eine Gesamtlösung für unsere Kunden bieten. Mit der Gründung von Captron Solutions können wir Unternehmen auch als Dienstleister für Softwarelösungen und Prozessberatung noch besser zur Seite stehen.

Oliver Kluj, Technical Director bei Knitter-Switch: Mit Produkten, die im jeweiligen Segment führend in ihren Eigenschaften sind, unter anderem durch Spezifikation und Lieferfristen; mit kundenspezifischen Produkten auch in kleineren Mengen; mit der Möglichkeit, Spezifikationen im Detail anzupassen; mit fundierter Kundenberatung auch am Telefon sowie mit unkompliziertem Bemusterungsservice.


  1. Industrie 4.0 erfordert smarte Schalter und Taster
  2. „Smarte“ Bedienelemente für zukünftige HMIs
  3. Parametrierbarkeit und Programmierbarkeit sind gefragt
  4. Elektromechanische Bedienelemente in Touchscreen-HMIs?
  5. Relevante Normen, Vorschriften und Regelwerke
  6. Augen auf bei der Schalter- und Tasterwahl

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