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Kundenspezifische Gehäuse

»Wir haben alle relevanten Technologien in unserem Haus«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Teil 2, kundenspezifische Gehäuseentwicklung

Gibt es Dienstleistungen, die der Kunde aktuell verstärkt in Anspruch nimmt?

Ja, wir registrieren beispielsweise eine steigende Nachfrage nach vorgeschobenen thermischen Simulationen oder auch Verzugs- und Festigkeitsanalysen. Außerdem gewinnt die Beratung hinsichtlich eines möglichen Materialmix bei der Gehäuse-Entwicklung an Bedeutung. Die Polyrack Tech-Group kann über die verschiedenen Geschäftsbereiche mit technologieübergreifender Expertise optimal unterstützen und so die bestmöglichen Materialeigenschaften zusammenführen. Insgesamt werden aber nahezu alle unsere Dienstleistungen stark nachgefragt, sodass wir unsere Kapazitäten in den Bereichen der mechanischen Fertigung sowie der Montage und Assemblierung derzeit ausbauen. Aktuell befindet sich eine Erweiterung unseres Werks am Standort in Ettlingen bei Karlsruhe mit zusätzlichen 1200 m2 Produktionsfläche in der Fertigstellung. Hier zentralisieren wir die Technologien Schweißen und Biegen und bauen sie weiter aus.

Um noch mal auf ihre Rolle als Systemanbieter zurückzukommen: Können Sie ein typisches Beispiel für eine umfassende, kundenspezifische Gehäuse-Entwicklung aus Ihrem Haus nennen?

Für die Realisierung eines kundenspezifischen HMI-Panels inklusive der Elektronik haben wir auf Basis eines Designkonzepts zunächst die technischen und wirtschaftlichen Anforderungen mit dem Kunden erarbeitet. Neben der Material- und Prozessauswahl für die technische Machbarkeit waren auch eine enge Zeitschiene bis zum Verkaufsstart sowie Design-to-Cost-Vorgaben zu berücksichtigen. Um alle Anforderungen an das Produkt zu erreichen, haben wir gemeinsam mit dem Kunden einen Materialmix der einzelnen Gehäuseteile aus Kunststoff und Metall gewählt. In das Gehäuse haben wir die Elektronik integriert und die Prototypen mit verschiedenen Displays ausgestattet, sodass der Kunde Tests durchführen und sich auf dieser Basis für ein Display entscheiden konnte. Zu den Auswahlkriterien gehörten die Touch-Bedienung, die Bildschirmhelligkeit und der große allseitige Blickwinkel für den Anwender. Die Herausforderung bei der Entwicklung und Herstellung bestand neben der Einhaltung des Wärmekonzepts auch darin, die unterschiedlichen Toleranzen und Ausdehnungskoeffizienten der Einzelteile zu berücksichtigen. So hat Polyrack beispielsweise definierte Spaltmaße und vom Kunden gewünschte Produktkennzeichnungen und Anschlussbeschriftungen umgesetzt.

Relevante Anbieter

Polyrack
Baugruppen-Montage
© Polyrack

Wer sich mit Gehäusen bzw. Electronic Packaging beschäftigt, ist auch zwangsläufig mit den Themen Wärmeabführung und Kühlung konfrontiert. Welche Trends sehen Sie im Bereich des Wärmemanagements?

Immer kleiner werdende und leistungsstarke Elektronik, raue Umgebungen und sicherheitskritische Anwendungsbereiche erfordern optimierte Kühllösungen. Denn das Wärmemanagement ist ein Faktor, der den sicheren Betrieb und die Lebensdauer von Anwendungen entscheidend beeinflusst. Welches die ideale Entwärmungs- oder Kühlungsstrategie ist, hängt dabei von den Rahmenbedingungen ab. In Abhängigkeit von der Wärmebelastung können Gehäuse mit fortschrittlichem Wärmemanagement, inklusive konduktions-, liquid-, hybrid- oder lüfterunterstützten Kühlungen, ausgestattet werden. Für fertig designte und evaluierte Elektronik bieten sich Standardlösungen wie Lüfter, Kühlkörper oder Heatpipes an. Häufiger sind jedoch platzsparende Lösungen gefragt oder es sind zusätzliche Entwärmungsmaßnahmen nötig. Wenn das Wärmemanagement von Beginn an bei der Entwicklung der Elektronik berücksichtigt wird – und nicht nachträglich als Add-on –, lassen sich oft sehr effiziente Lösungen umsetzen, die genau auf das Gehäuse, das Umfeld und dessen Anforderungen abgestimmt sind.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht der Gehäuse-Markt weiterentwickeln?

Wir gehen auch in Zukunft von einer zunehmenden Nachfrage nach kundenspezifischen Electronic-Packaging-Lösungen aus. Es gibt verschiedene Entwicklungen am Markt, die diesen Trend stützen. Dazu gehört der zunehmende Wunsch nach optischer Wiedererkennbarkeit und Individualität der Produkte, nicht nur im Endkundenbereich, sondern auch in der Industrie. Auch eine steigende Anzahl an Embedded-Lösungen und immer kompaktere Elektronik mit immer spezifischeren Anforderungen wie Display-Integration, aber auch Vorgaben durch branchenspezifische Normen, sorgen dafür, dass häufiger kundenspezifisch adaptierte Gehäuse gefragt sind. In den vergangenen Jahren haben sich mehrere Märkte als Wachstumstreiber ergeben, vor allem die Medizin- und Sicherheitstechnik sowie auch die Bereiche Telekommunikation und Broadcast. Veränderliche Elektronik, stetig wachsende und schnellere Bandbreiten, neue Ideen und Applikationen – all das sind weiterhin auch künftige Treiber für neue Entwicklungen in unserer Gesellschaft, und daraus abgeleitet sicherlich auch für das eine oder andere neue Gehäuse-Design.


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