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Interview mit Ralf Bühler, CEO Conrad

»Vom Händler zur Sourcing Plattform«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Forecasting als probates Mittel

Forecasting gilt als ein Mittel, um die Verfügbarkeiten so einigermaßen im Griff zu haben. Setzen Sie solche Systeme als Plattform-Distributor auch um?

Absolut. Die Vereinbarung von individuellen Termin- und Abrufaufträgen ist ein weiteres Tool, mit dem Conrad-Kunden ihre Lieferungen vorausschauend planen und bedarfsgerecht abrufen können. Und für den bei mehr als 6 Millionen Produktangeboten eher unwahrscheinlichen Fall, dass der gewünschte Artikel oder das benötigte Ersatzteil mal nicht auf conrad.de zu finden ist, wird das Team des Conrad-Beschaffungsservices aktiv: Unsere Sourcing-Experten sind weltweit vernetzt und übernehmen die zeitintensive Recherche stellvertretend für unsere Kunden.

Der Fokus auf B2B ist gesetzt – was wird aus dem B2C-Geschäft? Immerhin liegen da ja die Wurzeln von Conrad.

B2C ist und bleibt für uns ein fester Bestandteil der Conrad-DNA. Zumal unserer Erfahrung nach B2C und B2B als Kundengruppen nicht immer trennscharf voneinander abzugrenzen sind. Unser Ansatz lautet daher B2P, also Business to People. Immer mehr Kunden kennen Conrad Electronic mittlerweile aus dem beruflichen Kontext und schätzen uns dort als starken Partner für reibungsloses Beschaffungswesen. Als Mitte März 2020 dann der Lockdown kam, nahmen sie diese beruflich konnotierten Erfahrungen mit Conrad quasi mit ins Homeoffice, also auch mit nach Hause in den privaten Bereich. Mittlerweile merken wir, dass die positive Erfahrung, dass Conrad auch in Krisenzeiten ein verlässlicher Partner ist, wieder mit ins Büro genommen wurden. Wir sehen hier also einen deutlichen Trend, dass die Grenzen zwischen den Kundensegmenten immer mehr verschmelzen – und zwar in beide Richtungen. Anders gesagt: Verlässlichkeit, die sich nicht nur in kurzen Lieferzeiten, sondern vor allem auch in stabilen Preisen und funktionierenden Lieferketten zeigt, sind sowohl für B2B- als auch B2C-Kunden relevant – und dies nicht nur in Krisenzeiten.

An weiteren Filialschließungen, etwa in Nürnberg, hat das leider nichts geändert. Wird der stationäre Handel, also das Einkaufen im klassischen Ladengeschäft, obsolet?

Wir scheuen keine Veränderungen, wenn bestehende und langjährige Formate des stationären Handels von unseren Kunden nicht mehr so angenommen werden wie früher. Unsere Erfahrungen – und dies auch in konkreten wirtschaftlichen Zahlen ausgedrückt – haben gezeigt, dass die wirtschaftlichen Prognosen für manche Filialstandorte nicht ausreichend zufriedenstellend waren. Aber: Wir sind ein überzeugter Omnichannel-Anbieter. Dieser Ansatz hat uns groß und erfolgreich gemacht. Gleichzeitig hat uns unsere Innovations- und Veränderungsbereitschaft stets zukunftssicher aufgestellt. Parallel entwickeln wir deshalb neue Filialkonzepte, wie zum Beispiel den ersten nur für B2B-Kunden eröffneten Pilot-Shop, der im Juli vergangenen Jahres in Köln-Hürth seine Türen geöffnet hat. Wir sind dabei, dieses neue B2B-Shop-Format im regen Austausch mit unseren Kunden zu prüfen, zu analysieren und weiterzuentwickeln, um es nach einer hoffentlich erfolgreichen Testphase an weiteren Standorten ausrollen zu können.

Der Preiskampf im Elektronik-B2C-Handel dürfte es auch in Zukunft nicht leichter machen. Ist B2B von diesem Preiskampf abgekoppelt?

Natürlich wird auch im B2B-Bereich auf den Preis geachtet. Aber Unternehmen setzen darüber hinaus eben auch und insbesondere auf die Minimierung der Prozesskosten sowie Zeiteinsparung im Beschaffungsprozess. Dementsprechend bemühen wir uns um Lösungen, um ihnen die Beschaffung von B- und C-Teilen zu erleichtern. Das Stichwort lautet Lieferantenkonsolidierung: Viele Firmen konzentrieren sich bei ihrer Beschaffung auf produktions- bzw. entwicklungsrelevante Bereiche und binden dort ihre Ressourcen. In diesen Bereichen gibt es also fest definierte Lieferanten und damit auch beste Konditionen.

Wenn es hingegen um den Einkauf von Produkten des täglichen technischen Bedarfs geht, bestellen die Mitarbeiter einfach dort, wo es gerade passt. Die Folge ist, dass es immer mehr Lieferunternehmen gibt, die Bestellprozesse immer komplexer und zeitaufwändiger werden und der hierfür erforderliche monetäre Aufwand die eigentlichen Artikelkosten häufig übersteigt. Als Sourcing Platform bieten wir den Unternehmen ein breites und zugleich tiefes Sortiment, um ihren technischen Betriebsbedarf unkompliziert aus einer Hand zu decken. Und natürlich zahlt auch unsere neue Single-Creditor-Lösung darauf ein.

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