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Interview mit Ralf Bühler, CEO Conrad

»Vom Händler zur Sourcing Plattform«

14. Mai 2021, 14:43 Uhr   |  Karin Zühlke

»Vom Händler zur Sourcing Plattform«
© Conrad

Logistik-Zentrum in Wernberg

Conrad-CEO Ralf Bühler erläutert die strategische Stoßrichtung: B2B gilt dabei die volle Aufmerksamkeit, auch wenn B2C weiterhin zur Firmen-DNA gehört.

Was es mit diesem „Business to People“-Ansatz auf sich hat, welche Rolle der neue Single-Creditor Service spielt und wie der Beschaffungsservice Verfügbarkeitsprobleme löst.

Markt&Technik: Vor rund einem Jahr hat Conrad die Beschaffungsplattform mit dem Conrad Marketplace als integralem Bestandteil in Deutschland gelauncht. Wie ist die Plattform seither gediehen und wie sieht es mit der Internationalisierung der Plattform aus?

Ralf Bühler: Kernthema des letzten Jahres war unser Weg vom Händler zur Sourcing Platform. Sie wird seitdem und auch in Zukunft sukzessive weiter ausgebaut und ist selbstverständlich so skalierbar, dass sie nach und nach für andere Länder ausgerollt werden kann. Im Zuge der Erweiterung unserer Plattform hat sich einmal mehr gezeigt, welch große Rolle das Thema Digitalisierung spielt, um unser Kundenversprechen von einfacher, schneller und umfassender Beschaffung umsetzen zu können. Dementsprechend arbeiten wir nach wie vor aktiv an der umfassenden und dynamischen Digitalisierung unseres Geschäftsmodells.

Welche Rolle spielt die Sourcing Platform fürs B2B-Geschäft?

Mit der Conrad Sourcing Platform haben wir unser Geschäftsmodell noch klarer ausgerichtet – mit eindeutigem Fokus auf B2B und dem klaren Ziel, uns zur führenden europäischen Beschaffungsplattform für technischen Betriebsbedarf zu entwickeln. Um diesen Weg erfolgreich zu beschreiten, geht es vor allem darum, unseren B2B-Kunden passgenaue Lösungen für ihre Herausforderungen anzubieten. Sich auf die digitale Prozessoptimierung des eigenen Unternehmens zu fokussieren wäre also zu kurz gedacht. Vielmehr ist es auch unser Ziel, anderen Unternehmen und damit unseren B2B-Kunden dabei zu helfen, ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln und zu digitalisieren – auch dann, wenn sie darin vielleicht noch wenig Erfahrung haben. Beispiele, die das verdeutlichen können, sind unser Omnichannel-Access-Ansatz sowie Conrad Connect als Platform as a Service oder kurz: PaaS.

Bühler_Ralf
© Conrad

Ralf Bühler, Conrad: »Im Sinne einer hohen Lieferfähigkeit und zuverlässigen Supply Chain haben wir gleich zu Beginn der Corona-Krise proaktiv gehandelt: Unser Einkauf hat sich frühzeitig mit unserem internationalen Lieferantennetzwerk darum gekümmert, die Warenverfügbarkeit für unsere Kunden sicherzustellen.«

Was verstehen Sie unter Omnichannel Access?

Auf allen denkbaren Einkaufskanälen zuhause zu sein, das verstehen wir unter Omnichannel Access. Denn wer im B2B-Umfeld langfristig erfolgreich sein will, muss jeder Kundengruppe die für sie passende Einkaufsanbindung ermöglichen – auch und gerade im Bereich eProcurement. Unsere B2B-Kunden sollen dabei selbst entscheiden können, mit welcher Technologie sie sich an die Conrad Sourcing Platform anbinden wollen. Von Webshop über OCI, CSP, eKataloge, EDI und API stellen wir verschiedene Schnittstellen zur Verfügung: Wir können uns also zum einen in bestehende Kundensysteme integrieren. Wir können unseren Kunden, die bislang kein ERP-System nutzen, mit unserem Browser-basierten CSP-Shop – das steht für Conrad Smart Procure – aber auch digitale Einkaufssysteme zur Verfügung stellen. Und last, but not least hat jeder Kunde natürlich nach wie vor auch die Möglichkeit, einfach im Webshop zu kaufen.

Sie haben im März die Möglichkeit des Single Creditor für die Nutzer Ihrer eProcurement-Lösungen eingeführt. Was genau verbirgt sich dahinter?

Wir wollen damit auf Kundenseite für schlankere Einkaufsprozesse sorgen. Für OCI- und CSP-Kunden heißt es deshalb ab sofort: Zugriff auf ein sukzessiv erweitertes Produktangebot über das bevorzugte Bestellsystem und nur noch ein Rechnungssteller, also Single Creditor.

Das heißt: Sie müssen beim Einkaufen auf der Conrad Sourcing Platform nicht mehr die Rechnungen von unzähligen Marktplatz-Partnern verwalten, sondern erhalten künftig die Rechnungen für ihre Bestellung direkt von uns – und dabei spielt es keine Rolle, wie viele Rechnungen von verschiedenen Marktplatz-Partnern die Bestellung umfasst.

Also wird es deutlich einfacher für Ihre eProcurement-Kunden?

Ja! Während das Conrad-eigene Sortiment bereits seit Längerem per eProcurement verfügbar war, waren die Produktangebote auf dem Conrad Marketplace bislang nur über den conrad.de-Shop zu bestellen. Unsere Kunden mit OCI und CSP stellte das vor zwei Probleme: Sie konnten zum einen diese Sortimente nicht über ihr eigenes elektronisches Einkaufssystem abwickeln. Und zum anderen mussten sie für jeden Kauf bei einem Marktplatz-Partner einen zusätzlichen Rechnungssteller anlegen, was natürlich unnötig Zeit kostete.

Mit der neuen Lösung können wir nun gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Via eProcurement haben unsere OCI- und CSP-Kunden ab sofort individuellen Zugang zu einem erweiterten Sortiment, das sukzessive auf nahezu das gesamte Marktplatz-Angebot mit mehr als 6 Mio. Produktangeboten ausgeweitet wird. Dabei können Unternehmen entweder eine direkte Schnittstelle in ihrem ERP-System – OCI – oder das webbasierte Conrad Smart Procure nutzen.

Was uns alle in der Branche aktuell umtreibt, sind die Verfügbarkeitsprobleme vieler Komponenten. Wie haben Sie vorgesorgt?

Im Sinne einer hohen Lieferfähigkeit und zuverlässigen Supply Chain haben wir gleich zu Beginn der Corona-Krise proaktiv gehandelt: Unser Einkauf hat sich frühzeitig mit unserem internationalen Lieferantennetzwerk darum gekümmert, die Warenverfügbarkeit für unsere Kunden sicherzustellen. Wir haben die Lagerbestände in unserem Shuttle-Lager entsprechend erhöht, um den technischen Betriebsbedarf unserer Kunden auch kurzfristig decken zu können.

Nachdem Corona im Q1/2021 immer noch immer anhält und zwischenzeitlich immer mehr Produktgruppen von Allokation betroffen sind, haben wir in den letzten Wochen nochmals enorm in Lagerbestände investiert, um die Verfügbarkeit weiterhin sicherzustellen. Aufgrund unserer guten Kontakte und langjährigen Geschäftsbeziehungen zu unseren Lieferanten bekommen wir häufig limitierte Ware priorisiert. Trotz aller Vorkehrungen kann jedoch auch Conrad nicht ausschließen, dass es in einzelnen Produktbereichen im Laufe des Jahres zu einzelnen Verfügbarkeitsproblemen kommen wird.

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2. Forecasting als probates Mittel

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