Geschäftsentwicklung bei Farnell

»Multichannel noch weiter ausbauen«

27. April 2022, 10:12 Uhr | Karin Zühlke
Farnell
Susanne Ertl, Director Sales für DACH und Osteuropa bei Farnell: »Umgekehrt ist es auch ein bisschen schade, dass gerade die großen EMS-Dienstleister davon ausgehen, dass der Volumendistributor immer günstiger sein muss.«
© Farnell

Avnet hat in Q2 des Geschäftsjahres einen Rekordumsatz verbucht. Möglich machte das u. a. ein starkes Farnell-Geschäft mit einem Umsatzanstieg von 35,3 Prozent und einer operativen Marge von 13,7 Prozent. Was macht den Erfolg aus? Dazu Susanne Ertl, Director Sales DACH & Eastern Europe bei Farnell.

Markt&Technik: Die Zahlen sprechen für sich. Was macht aus Ihrer Sicht den Erfolg von Farnell aus?

Susanne Ertl, Farnell: Die Faktoren, die diese guten Zahlen ausmachen, sind vielfältig. Natürlich hat, wie für alle anderen auch, die Allokation dazu beigetragen. Dadurch, dass wir bereits über die letzten Jahre sehr viel in unser Sortiment investiert haben, sind wir sehr gut aufgestellt. Selbstverständlich haben uns auch unsere guten und langfristigen Beziehungen zu den Herstellern sehr geholfen, da wir u. a. Einblicke in die Vorlaufzeiten ihrer Produktion bekommen haben. Zudem konnten wir dadurch auch die eine oder andere Lieferung sichern, die ansonsten vielleicht anderweitig vergeben worden wäre.

Auch organisatorisch haben wir einige Änderungen vorgenommen und die drei einzelnen Produktbereiche IP&E, den Halbleiter-Bereich und Test & Measurement unter einer gemeinsamen Führung, der neugeschaffenen Position des VP of Product & Supplier Management, vereint. Somit gibt es künftig einen zentralen Fokus auf die gesamte Produkt- und Herstellerstrategie. Flankierend dazu wollen wir auch den Kundenservice weiter ausbauen und das Angebot an Tools verbessern, online und offline. Gleichzeitig setzen wir auch nach wie vor auf sogenannte Self Service Tools wie den Connector e-­Guide. Somit ist es für den Kunde möglich, auch online, schnell und selbstständig das richtige Produkt für seine Anwendungen zu finden.

Weitere Investitionen in E-Commerce-Funktionen und die kontinuierliche Unterstützung der Online Engineering Community waren ebenfalls wichtige Wachstumstreiber. In Summe wollen wir das Multichannel-Angebot noch einmal deutlich ausweiten. Dazu ist ein neuer VP E-Commerce an Bord, der unsere digitalen Services weiter voranbringen wird. Hier sehe ich für Farnell viele positive Entwicklungsmöglichkeiten.

Auch das Produktportfolio soll noch einmal deutlich wachsen, wie die Quartalsmeldung verlautbart.

In der Tat. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2022 wollen wir insgesamt 250.000 neue SKUs (Anmerkung der Red.: SKU = Stock Keeping Unit, entspricht der Artikelnummer) in unser Portfolio aufnehmen. Momentan sind wir bei etwa 55 Prozent, wobei sich das bestehende globale Portfolio nun einer Million Produkte nähert.

Wenn Sie von Tools sprechen, sind diese online nutzbar oder benötigt der User dafür eine Schnittstelle?

Es gibt Tools, die der Kunde über eine Schnittstelle nutzen kann, aber viele unserer Tools sind direkt online auf der Website nutzbar, für registrierte Kunden zumindest.

Zum Beispiel?

Ein gutes Beispiel ist das BOM Tool. Das nutzen insbesondere EMS-Dienstleister gerne für ihre Stücklisten. Die Listen werden in das Tool geladen, und in kurzer Zeit erhält der Kunde ein Ergebnis.

Das heißt, dass Farnell Multichannel immer mehr online ausrichten wird? Sie sagten bei unserem letzten Interview, es gäbe immer noch Kunden, die per Fax oder Telefon bestellen möchten. Wie wird die Gewichtung Ihres Multichannel-Angebots in Zukunft sein?

Wir bieten unseren Kunden auch weiterhin alle Möglichkeiten, mit uns in Kontakt zu treten, auch Fax und Telefon. Dabei spielt unser Servicecenter in Krakau aber eine wichtige Rolle für uns.

Inwiefern?

Um den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht werden zu können und auch lokal besser zu unterstützen, übernimmt das Servicecenter in Krakau einen Großteil der Back-Office-Tätigkeiten. Des Weiteren übernimmt Krakau die Serviceleistungen sowie die Inbound-Telefonie für Kunden, die nicht regelmäßig, sondern beispielsweise nur zwei  bis drei Mal im Jahr bei uns bestellen und die kurz und bündig ihre Bestellung tätigen wollen.  Es geht also darum, die Erreichbarkeit für unsere Kunden insgesamt zu erhöhen.

Gilt das auch für den technischen Support?

Der technische Support bleibt weiterhin lokal. Aus meiner Sicht ist das aus sprachlicher Sicht auch wichtig.

Farnell hat wieder einen eigenen Service-Bereich für EMS-Dienstleister. Was braucht die Branche anders als andere und warum sind die Anforderungen so speziell?

EMS-Dienstleister haben sehr viele Stücklisten-Anfragen, benötigen bestimmte Verpackungslösungen, Informationen zur Warenrückverfolgbarkeit und vieles mehr. Zudem haben sie häufig Klärungsbedarf bzw. Rückfragen, etwa wenn es um die Bestätigung von Lieferterminen für ihre Produktion geht. Termingerechte Lieferungen sind bekanntlich momentan nicht immer einfach zu realisieren.
 

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