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So geht es mit der Supply Chain weiter

»Eine Flutwelle an Innovationen«

28. Oktober 2020, 10:21 Uhr   |  Karin Zühlke

»Eine Flutwelle an Innovationen«
© Mouser Electronics

Mark Burr-Lonnon, Mouser »2021 wird ohne Zweifel ein gutes Jahr werden, und wir sind vorsichtig optimistisch. In Europa besteht ein großer Nachholbedarf. Wir haben wichtige Impulsgeber wie 5G, die eine enorme Nachfrage schaffen werden.«

Mouser rechnet für dieses Jahr weltweit mit einem Umsatzplus von 6 Prozent. Und auch für 2021 ist das Management zuversichtlich: Mark Burr-Lonnon, Senior VP für EMEA, Asia and Global Service, und Graham Munson, Vice President EMEA Customer im Gespräch.

Markt&Technik: In diesem Jahr hat die Branche einen Anstieg der Transportkosten zu verzeichnen, insbesondere bei der Luftfracht, wobei einige Gebühren sich verdreifacht haben sollen. Wie geht Mouser mit diesen steigenden Transportkosten um? Werden diese Kosten generell von den Distributoren an die Kunden weitergegeben?

Mark Burr-Lonnon: Ja, wir haben gestiegene Luftfrachtkosten zu verzeichnen. Im Juli gab es etwa 25 % weniger Frachtflüge als in der Zeit vor Covid. Das wirkt sich auf die verfügbare Frachtkapazität aus, was wiederum einen Preisaufschlag nach sich zieht. Wir geben diese zusätzlichen Kosten dennoch nicht an unsere Kunden weiter, sondern haben vielmehr beschlossen, sie aufzufangen. Einige Unternehmen in der Distributionsbranche haben sich allerdings dafür entschieden, die zusätzlichen Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.

Graham Munson: Mit zunehmender Luftfrachtkapazität werden die Aufschläge wieder sinken, und es gibt erste Anzeichen dafür, dass dies recht bald geschehen wird. Selbstverständlich arbeiten wir sehr eng mit unseren wichtigsten Transport- und Logistikpartnern zusammen. Unser führender Logistikpartner in den USA ist UPS, FedEx ist unser Hauptversender hier in EMEA, und wir nutzen auch DHL. Da wir den vollen Betrieb aufrechterhalten haben und die Elektronik­industrie auch in diesem Jahr gut läuft, ist das Versandvolumen nahezu unverändert geblieben, was allen unseren Logistikpartnern auch sehr bewusst ist.

Wurden die Lieferzeiten das ganze Jahr über eingehalten, und gibt es einen Trend, dass bestimmte Komponententypen häufiger längere Vorlaufzeiten haben als andere?

Burr-Lonnon: Es war ein turbulentes Jahr, das wie jedes andere begann. Das chinesische Neujahrsfest ist in unserer Branche immer ein wichtiges Ereignis und die Lieferanten berücksichtigen in der Regel die Auswirkungen der damit einhergehenden Produktionspause auf die Vorlaufzeiten. Leider verlief die Wiederaufnahme der Produktion aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht wie geplant, und das führte zu verlängerten Lieferzeiten. Anfang des Jahres konnten wir beobachten, dass die Vorlaufzeiten verlängert wurden und dass für alle Artikel, die im Zusammenhang mit medizinischen Geräten stehen, wie z.B. Sensoren und Steckverbinder, Allokationen vorgenommen wurden. Auch für MLCCs, Tantalkondensatoren und Displays haben sich die Vorlaufzeiten verlängert, wodurch es immer wieder zu Allokation kommen kann. Bei jedem modularen Produkt mit vielen Dutzend Einzelbauteilen ist es wahrscheinlich, dass es bei mindestens einem der auf der Ausstattungsliste aufgeführten Bauteile zu Engpässen oder längeren Vorlaufzeiten kommt.

Munson: Aus unserer Sicht hat sich die Kundennachfrage aus China relativ schnell erholt. Amerika scheint sich ebenfalls erholt zu haben – insbesondere die USA – und auch Europa kehrt langsam zurück. Wenn unsere Industrie wieder anspringt, insbesondere in den am stärksten betroffenen Märkten wie der Automobilindustrie, könnten wir einen Nachfrageschub erleben, der möglicherweise zu weiterer Allokation führen wird. Vor diesem Hintergrund hat Mouser in hohe Lagerbestände investiert und wird dies auch weiterhin tun, um sicherzustellen, dass wir die Bauteile vorhalten können, die unsere Kunden benötigen. Wir möchten unseren Kunden helfen, lange Vorlaufzeiten zu vermeiden. Dies ist heute wichtiger denn je. Derzeit haben wir Produkte im Wert von über 845 Millionen US-Dollar im Bestand – wir arbeiten eng mit allen unseren Lieferanten zusammen, um sicherzustellen, dass wir die benötigten Bauteile auf Lager und versandfertig haben.

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1. »Eine Flutwelle an Innovationen«
2. Nicht allzu viele Preiserhöhungen

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