Avnet Abacus und EV Charging

»Da steckt richtig Musik drin«

10. Oktober 2022, 14:51 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Display-Subsysteme

Das heißt, Display-Subsysteme bekommt der Kunde bei Ihnen nicht nur in Zusammenhang mit EV Charging?

Das ist korrekt. Wir bieten derartige Lösungen in allen Konstellationen, in denen Sie ein Display finden.

Wie entwickelt sich das Geschäft in Zentraleuropa insgesamt?

Der Outlook ist schwierig. Wir hatten einen schwächeren Juli erwartet, der aber sehr gut abgeschlossen hat. Im August gab es schon immer das klassische Sommerloch, aber wir sehen einen sehr starken September auf uns zukommen. Die Kundenanfragen spiegeln das wider. Es gibt einige Kunden, die relativ gut bevorratet sind. Nach wie vor ist es die Halbleiter-Verfügbarkeit, die sprichwörtliche goldene Schraube, die am Ende fehlt. Aber jeder Kunde sagt uns, wenn die Halbleiter wieder entsprechend verfügbar sind, würde das Lager sehr schnell abgebaut, und daher braucht er die Pipeline bei uns. Und wenn wir mit OEMs sprechen, sehen wir, dass der Request nach wie vor sehr hoch ist. Insbesondere Automotive, EV Charging, Renewable Energy mit dem Solarmarkt nehmen wieder massiv zu. Natürlich ist das auch in den Bereichen Industrial Automation oder Connectivity zu spüren.

Deshalb bin ich vorsichtig optimistisch, dass wir bei Avnet Abacus für unser Geschäftsjahr ein starkes Q1 sehen und ein sehr solides, stabiles Q2. Weiter würde ich aber erst einmal nicht schauen wollen, denn es gibt so viele Unsicherheitsfaktoren weltweit von Ukraine bis China. Niemand hier weiß, was da passiert, und zu guter Letzt dürfen wir Covid auch nicht außer Acht lassen – das wird global weiter ein Thema bleiben. Aber wir sehen einen starken Markt mit einer guten Tendenz und sehr vielen Technologien, die sich in die richtige Richtung entwickeln.

Der Solarmarkt dümpelte ja allgemein etwas dahin. Nun startet das Solargeschäft also wieder durch?

Absolut! Ob man Power Management betrachtet oder auch Capacitors, Folien-Elkos, Leistungswiderstände etc. Solarenergie ist wie auch EV Charging ein sehr schönes IP&E-Geschäft. Da steckt richtig Musik drin.

Im Zuge der geopolitischen Lage boomt angeblich der Aerospace-Bereich. Kommt das auch in der Distribution an?

Unsere Fokusmärkte sind Industrial, Automotive, Renewable Energy und Medizintechnik, aber natürlich haben wir auch Experten für den Aerospace-Markt. Schlussendlich ist das aber ein sehr spezieller Bereich. Von einem Boom merken wir bei der Avnet Abacus derzeit jedenfalls noch nichts.

Herr Jeck, Sie sind seit 23 Jahren in der Distribution tätig. Muss sich die Distribution aus Ihrer Sicht neu erfinden?

Wir als Avnet Abacus sind exzellent aufgestellt, haben das richtige Maß zwischen Broadline-Stock-Distribution und dem technischen Verständnis. Wir verfügen zudem über ein sehr starkes Team mit einem tiefgehenden technischen Wissen.

Meines Erachtens haben wir rechtzeitig die Weichen gestellt – auch mit dem Thema Log­On. Dabei handelt es sich um eine Logistiklösung, die dem Kunden, wenn er OEM-Status beim Hersteller hat, die Möglichkeit gibt, den Support direkt vom Hersteller zu bekommen, wir aber mit der logistischen Abwicklung unterstützen. Der Hersteller behält den Vorteil der Transparenz seines Geschäfts. Diese Kombination ist sicher einmalig am Markt. Die Kunden nehmen das sehr gut an. Insbesondere Kunden, die keinen Wert auf Buffer Stock gelegt haben, kommen zunehmend ins Grübeln, weil sie das Risiko der Supply Chain sehen und erkennen, dass der Distributor einiges wegpuffert. Wir haben das Feedback von unseren Kunden bekommen, dass wir mit unserer Logistik und unserer Supply Chain relativ wenige Eskalationen hatten. Natürlich war die Lieferkette auch bei uns zeitweise unter Druck, aber die Kunden sind der Meinung, wir haben sie dennoch gut über Wasser gehalten.

LogOn ist ja eine Erfindung eines anderen Speedboats, die also inzwischen über die gesamte Avnet ausgerollt wurde?

In der Tat wurde das Konzept von einem unserer Schwesterunternehmen initiiert und innerhalb des Konzerns vorangetrieben. Inzwischen ist es auch bei der Avnet Abacus ausgerollt. Wir nennen es ebenfalls LogOn.

Aber um auf Ihre vorige Frage zurückzukommen: Das sind alles Maßnahmen, die Avnet entwickelt, um dem Markt gerecht zu werden und agil am Markt sein zu können.

Avnet Abacus hat überdies in der Zen­tralregion seine Ressourcen stark ausgebaut. Welche Bereiche wurden verstärkt?
Wir haben über die letzten zwölf Monate massiv investiert in Zentraleuropa und 29 zusätzliche Stellen geschaffen. Seit 1. August neu an Bord ist beispielsweise unser Sales Director für Central West, Baden-Württemberg, Schweiz und Hessen. Des Weiteren hinzugekommen sind FAEs, Field Sales und Innendienst-Ressourcen, aber auch den Leadership-Bereich haben wir verstärkt. Das ist auch ein Commitment an unsere Kunden: Wir wollen regional noch mehr Präsenz zeigen.

Bei den Standorten haben wir Frankfurt/Wiesbaden stärker etabliert, und in der Region Baden-Württemberg sind wir von Leinfelden nach Leonberg umgezogen. Zusätzlich gibt es ein Büro in Stutensee, das wir ebenfalls verstärkt haben. Von dort aus bedienen wir die badische Region.

Wir tragen mit all diesen Erweiterungen dem sehr starken Wachstum der Zentralregion Rechnung.

Haben sich Ihrer Erfahrung nach die Kundenanforderungen in den letzten beiden Jahren verändert?

Der Kunde verändert sein Denken schon; die Frage ist, wie nachhaltig das ist. Die Kunden schauen jedenfalls inzwischen mehr darauf, wie sie ihre Supply Chain besser absichern können und welche Logistikkonzepte der Distributor bietet. Wir sehen auch, dass viele Redesigns vorgenommen werden. Hierzu kommen die Kunden mit entsprechenden Unterstützungs-Anforderungen auf uns zu.

Wir stellen auch fest, dass sehr viel Wertschätzung auf Kundenseite vorhanden ist, wenn man gut durch die Krise gekommen ist, weil es mithilfe des Distributors gelungen ist, die Supply Chain am Laufen zu halten.

Und jetzt wird es von den Kunden immer mehr begrüßt, live in den Dialog zu gehen und Kundentermine vor Ort stattfinden zu lassen.

Die Speedboats von Avnet standen ja auch immer etwas in Konkurrenz zueinander, so zumindest die Wahrnehmung nach außen. Inwieweit haben sich die Kooperationen zwischen den Speedboats verstärkt?

Als Avnet Abacus arbeiten wir mit den anderen Speedboats sehr gut zusammen. Da es bei uns keine Überschneidung mit den Produkten gibt, sind wir hier sehr flexibel und bieten damit gerade unseren Kunden den Vorteil, sie mit unseren Lösungen On- und Offboard optimal bedienen zu können.

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