Elektroniknet Logo

Nach einer Achterbahnfahrt mit Rekordumsätzen und Rekordlieferzeiten

Distribution: 2011 verspricht ruhigeres Fahrwasser


Fortsetzung des Artikels von Teil 5

Karlheinz Weigl, Regional Vice President Central Europe, Silica

Karl-Heinz Weigl, Silica
Karl-Heinz Weigl, Silica
© Silica

»Wir werden eine ’Rückkehr zur Normalität’ sehen«


Markt&Technik: Nach dem Abschwung hat sich der Markt 2010 sehr viel schneller erholt, als von den Experten erwartet. Wie sieht Ihr Resümée aus?

Karlheinz Weigl: Silica hat im Geschäftsjahr 2010 (Anm. der Redaktion: Das Geschäftsjahr endete zum 30.6.2010) ein Rekordjahr hingelegt und profitiert vom marktübergreifenden Boom. In Zentraleuropa haben wir ein Wachstum von knapp über 80 Prozent von Q4 2009 auf Q3 2010 verzeichnet. Auch unsere DMASS-Marktanteile sind in Deutschland auf fast 15 Prozent gestiegen. Es scheint, dass sich die für uns relevanten Marktsegmente alle gleichermaßen gut entwickeln, mit der industriellen Fertigung als Zugpferd.

Einige Halbleiterhersteller melden nach wie vor Lieferzeiten von über 20 Wochen. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Im Moment ist noch die Mehrheit unserer Halbleiterhersteller von der Knappheit betroffen, allerdings sehen wir hier auch Unterschiede: Einige Hersteller haben aus vergangenen Allokationsphasen gelernt und ihre Prozesse zur Bewältigung von Produktknappheit und Kapazitätsplanung optimiert, das zahlt sich jetzt aus. Ich erwarte jedoch, dass sich die Situation über die nächsten Monate entspannen wird – bei einigen Produktgruppen gehen die Lieferzeiten bereits zurück.

Mit welchen Maßnahmen haben Sie den Lieferengpässen entgegengewirkt?

Die Hauptursache der gegenwärtigen Verknappung liegt darin, dass anfänglich niemand – weder unsere Kunden, noch unsere Lieferanten und auch wir nicht – an die Nachhaltigkeit eines Aufschwungs geglaubt hat. Die vorherrschende Meinung war, dass es sich um eine kurzfristige »Korrektur« nach der rasanten Talfahrt in der ersten Hälfte von 2009 handeln würde. Wir waren und sind stets darum bemüht, von unseren Kunden einen möglichst transparenten Überblick über ihre Bedarfssituation zu erhalten – nicht zuletzt deshalb war die Zusammenarbeit mit den meisten unserer Kunden in den letzten Monaten besonders eng. Auf diese Weise konnten wir auf Änderungen im Markt schnell reagieren und entsprechende Supply-Chain-Prozesse einleiten. Basierend auf dem Feedback, das wir von den meisten unserer Kunden erhalten haben, denke ich, dass wir die Situation professionell gehandhabt haben. So haben wir bereits im Oktober und November 2009 – als es noch nicht klar war, dass der Aufschwung wirklich nachhaltig ist – unsere Bestellungen bei unseren Herstellern dramatisch erhöht. Anders wäre ein Wachstum wie oben beschrieben gar nicht möglich gewesen. Schade ist nur, dass wir trotzdem die volle Nachfrage unserer Kunden nicht bedienen konnten. Außerdem haben wir im Personalbereich frühzeitig reagiert und Ressourcen aufgebaut. In Zentraleuropa wurde in den vergangen Monaten unser Personal um fast 20 Prozent aufgestockt; wir haben neue Mitarbeiter im Innen- und Außendienst sowie Applikationsingenieure eingestellt.

Wie müsste eine Lieferkette aussehen, um solche extremen Lieferengpässe wie im letzten Jahr zu reduzieren oder gar zu vermeiden?

Das ist schwierig zu beantworten. Natürlich sind wir als Distributor in Kontakt mit einer breiten Kunden- und Herstellerbasis, und natürlich haben auch wir die Informationen der renommierten Marktforscher. Ich denke, dass die gegenwärtige Situation primär deshalb entstanden ist, weil die Industrie als Ganzes – bedingt durch den Absturz des Marktes Anfang 2009 – in einer Art Schockstarre war und an eine so schnelle und sprunghafte Erholung nicht geglaubt hat. Ich denke nicht, dass es ein »Rezept« zur Bewältigung dieser Situation gibt – aus Erfahrung wissen wir, dass jede Verknappung eine andere Ursache und einen anderen Verlauf hat.

Manche Distributoren beklagen die mangelnde Unterstützung der Hersteller, wenn es um die Verfügbarkeit geht. Sehen Sie das genauso?

Definitiv »Nein«. Wir liefern zwar nicht die Mengen, die unsere Kunden von uns erwarten, ein Umsatzwachstum von knapp über 80 Prozent in nur neun Monaten zeigt jedoch, dass uns die Hersteller nach Kräften unterstützen.

Auf welchem Niveau wird sich der Markt 2011 stabilisieren?

Wir werden eine »Rückkehr zur Normalität« sehen – die Anzeichen hierfür mehren sich. »Normalität « heißt: Bedarf und Verfügbarkeit stehen in etwa im Einklang. Auf welchem Niveau sich dies jedoch stabilisieren wird, ist die Frage für die Kristallkugel. Wir sehen zwar eine leichte Abschwächung des Wachstums, bewegen uns aber immer noch auf einem extrem hohen Niveau. Im Moment liefert die Halbleiterindustrie weltweit Rekordstückzahlen, die unsere Industrie so noch nie gesehen hat – das wird sich bis spätestens Mitte nächsten Jahres wieder einpendeln.

Relevante Anbieter


  1. Distribution: 2011 verspricht ruhigeres Fahrwasser
  2. Slobodan Puljarevic, President, EBV Elektronik
  3. Markus Krieg, Geschäftsführer Marketing, Rutronik
  4. Thomas Braun, Vice President Sales, Arrow Central Europe
  5. Gerald Meier, Marketing Manager Central Europe, Future
  6. Karlheinz Weigl, Regional Vice President Central Europe, Silica

Verwandte Artikel

Gleichmann & Co. Electronics GmbH, Gleichmann Electronics, EBV Elektronik GmbH & Co. KG