SmartTex-Netzwerk Textilien werden jetzt intelligent

Licht aus dem Gewebe: neue Möglichkeiten für Arbeitsschutz, Signalement und Sicherheit.
Licht aus dem Gewebe: neue Möglichkeiten für Arbeitsschutz, Signalement und Sicherheit.

Smart Textiles sind ein weltweiter Wachstumsmarkt. Eine Expertise des Europäischen Zentrums für Wirtschaftsforschung prognostiziert bis 20230 allein für Deutschland ein Marktvolumen von 4,2 Milliarden Euro. Vorteile bieten sie für die Bereiche Bekleidung, Industrie und Medizintechnik.

Das SmartTex-Netzwerk mit 65 Firmen und Forschungsinstituten aus sieben Ländern gilt als das größte seiner Art in Europa. Es wird vom Freistaat Thüringen mit dem Ziel gefördert, neue Wertschöpfungsketten für neue Produkte, Dienstleistungen und Technologien und damit zukunftsträchtige Umsatzpotenziale zu erschließen.

Sogenannte intelligente Textilien, die heizen, steuern und leuchten können und über Sensoren Vitalparameter bei Mensch und Tier oder Ist-Zustände in Bauteilen erfassen, sollen bei Bekleidung sowie in Industrie und Medizintechnik für zahlreiche Innovationen sorgen. Experten sagen Produkten auf dieser Grundlage jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich voraus.

Aktuelle Entwicklungen

Projekte, an denen Mitglieder des Verbunds unter Einbeziehung von Materialwissenschaftlern, Biowissenschaften und Elektronikern derzeit arbeiten, haben beispielsweise die Entwicklung bedarfsgerechter innovativer Assistenzsysteme für Menschen mit Handicaps zum Ziel. Dabei geht es unter anderem um Bekleidung mit Sensoren beziehungsweise Aktoren, um Textilien mit Memofunktion, die bei motorischen Störungen die Greiffunktion unterstützen, oder auch um die Klimatisierung von Rollstühlen und Handschuhen.

Textile Solargewebe für das energieautarke Monitoring von Körperfunktionen in Medizin, Gesundheit und Sport beziehungsweise zur Energieversorgung von Consumer-Elektronik stehen gegenwärtig ebenso auf dem Plan wie die drei folgenden Produktentwicklungen:

Textil-Lautsprecher

Der flexible Stereo-Lautsprecher kann beispielsweise Freizeithemden oder Berufsbekleidung zum Sprechen bringen (Sprach- oder Musikausgabe für Handys) oder – eingebaut im Dachhimmel von PKW – sitzplatzbezogene Informationen beispielsweise nur für den Fahrer ermöglichen. Kern des Planarlautsprechers mit einer denkbar großen Anwendungsbreite ist eine auf Stoff gestickte Spule und ein flacher Magnet mit nur zwei Millimetern Dicke.

Flexibles Flächenlicht

Das neuartige Leuchtelement für Sicherheitsanwendungen und Kennzeichnung an Arbeitsschutzbekleidung kommt mit wesentlich weniger Spannung und Wechselstromfrequenzen als marktübliche Produkte aus. Es besteht aus einem mehrschichtigen Polymer- oder Silikonkörper; die aus flexiblen Platinen bestehende Elektronik ist teilweise darin integriert. Durch diesen Ansatz lässt sich die Größe der externen Elektronik verringern. Erste Elemente mit einer Leuchtfläche von 35 mm x 100 mm sind inzwischen produziert; an größeren Leuchtflächen wird derzeit gearbeitet.

Rauschgiftschnüffler

Fast jeder kennt die lästigen Drogen- und Sprengstoffkontrollen beim Kofferdurchleuchten auf den Flughäfen: Mit einem Spezialpapier wird an Gepäckstücken oder auf der Tastatur von Laptops ein Abstrich gemacht, der dann separat im Labor nebenan ausgewertet wird. Um hier Zeit zu sparen, kann  Textilelektronik zum Einsatz kommen. Entwickelt wird dazu eine Art Wischtuch für den Zoll, das Nanometer-große Partikel von verbotenen Substanzen aufspüren kann und noch während der Anwendung entsprechende Informationen direkt an den Auswertungscomputer gibt. Herzstück dieser Innovation ist ultradünne Sensorik, die in die textilen Fäden eingearbeitet werden.