Mehr Fahrsicherheit, höhere Nutzlast

EDAG entwickelt neue Hinterachse für Transporter

3. November 2022, 13:00 Uhr | Irina Hübner
Hinterachse mit Querblattfeder-Konstruktion.
© EDAG Group

Die EDAG Group hat eine neue Hinterachse für Light Commercial Vehicles (LCVs) entwickelt. Die innovative Querblattfeder-Konstruktion spart Platz, erhöht die Fahrsicherheit sowie die Nutzlasst und erhöht außerdem den Komfort.

Bei Fahrwerken für Transporter galten bisher die kostengünstigen und robusten hinteren Starrachsen als erste Wahl. Allerdings können längsblattgefederte Starrachsen die Handling- und Komfortansprüche, die aktuelle und kommende Fahrzeuggenerationen stellen, immer weniger erfüllen. Die EDAG Group hat daher eine Koppellenkerachse mit Querblattfeder entwickelt: die EDaxle::LCV.

Mit dieser soll die Halbstarrachse in eine erfolgreiche Zukunft fahren. Die neuartige Nutzfahrzeug-Hinterachse löst den Zielkonflikt aus geringen Kosten und hohem Fahrdynamikpotenzial. Sowohl der Fahrkomfort als auch die Fahrsicherheit werden verbessert. Gleichzeitig bleibt die Achskonstruktion einfach – und hält auf diese Weise Preisniveau und Bauraumbedarf gering.

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Seitenstabilität steigt um 20 Prozent

Im Detail verbessert die EDaxle::LCV die Querführung und Steifigkeit um etwa 20 Prozent gegenüber herkömmlichen Starr- und Halbstarrachsen. Das steigert die Fahrsicherheit deutlich. Die Radführung an den Längsschwingen, die durch ein torsionsweiches Profil verbunden sind, erhöht auch den Längsfederweg.

Der bei Längsblattfedern übliche S-Schlag – die Tendenz der Achskonstruktion, sich um sich selbst zu drehen – entfällt bei der EDAG-Lösung komplett: Der Fahrkomfort verbessert sich sowohl beim einseitigen als auch beim beidseitigen Einfedern. Zusammen mit der Querblattfeder, die vollständig in den Achskörper integriert ist, garantiert diese Bauform zudem eine geringe Bauhöhe. Das ermöglicht sehr niedrige Ladeflächen.

Die flache Bauform ermöglicht eine tiefe Ladefläche
Die flache Bauform ermöglicht eine tiefe Ladefläche
© EDAG Group

Leichtbau trifft Elektrifizierung

Die EDAG-Koppellenkerachse ist aus vielen weiteren Gründen prädestiniert für zukünftige Mobilitätsanforderungen. Die Federhubübersetzung beispielsweise ist optional verstellbar. Das hält den Höhenstand und die Radfederrate unabhängig von der Beladung gleich. Aufwendige und wartungsintensive Luftfedersysteme fallen dadurch weg. Außerdem lassen sich zahlreiche Stahlbauteile der Achse durch Faserverbundwerkstoffe ersetzen. Das reduziert das Gewicht der Achse weiter: Um etwa 6 kg sinkt es im Vergleich zur Standardausführung. Zusätzlich haben die Entwicklerinnen und Entwickler der EDAG Group die Achse auf Radnabenmotoren vorbereitet: Sie lässt sich also einfach und platzsparend elektrifizieren.

Der nah am Radzentrum montierte Querträger ist ein weiterer entscheidender Pluspunkt. Gerade bei Nutzfahrzeugen mit hohen Achslasten sorgt das für eine sehr gute Abstützung auch unter hohen Querkräften. Zusätzliche Querabstützung bietet die Querblattfeder. Diese ist mittels asymmetrischer Elastomerlager mit den Längslenkern verbunden. Sie stützt sich außerdem am Chassis ab. Mit diesem Doppel-Parallelogramm bleibt die Achse auch unter Querkrafteinfluss spurstabil, das Rad wird nicht in eine Nachspur gezwungen. Mit den aktuell spezifizierten Lagern liegt der elastokinematische Spuränderungsgradient unter Querkrafteinfluss bei circa 0,065 Grad pro Kilonewton. Die asymmetrischen Elastomerlager stellen außerdem sicher, dass sich die Blattfeder beim Federn frei bewegen kann und gleichzeitig eine gute Querkraftabstützung erreicht.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für unterschiedliche Fahrzeugklassen

Aktuell ist die Achse auf eine maximale Achslast von zwei Tonnen ausgelegt. Daher eignet sie sich besonders gut für leichte Nutzfahrzeuge mit bis zu 3,5 Tonnen (4,25 Tonnen für batterieelektrische Fahrzeuge) zulässigem Gesamtgewicht. Doch auch Hochdachkombis und Nahverkehrstransporter sowie Wohnmobile und -anhänger sind mit EDaxle::LCV besser unterwegs. Zum ersten Mal ist die EDaxle::LCV in der Weiterentwicklung des EDAG CityBots auf dem Deutsche Bank Park Gelände in Frankfurt am Main in der zweiten Jahreshälfte 2023 im Einsatz. Das Konzept EDaxle::LCV wurde von der EDAG Group in Deutschland zum Patent angemeldet.


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