Marcel Jeron, Easee, im Interview

Netzschonend laden ist die Zukunft

13. September 2022, 8:45 Uhr | Redaktion: Irina Hübner
Marcel Jeron, Geschäftsführer von Easee Deutschland, möchte mit Easee das Stromnetz der Zukunft mitgestalten.
Marcel Jeron, Geschäftsführer von Easee Deutschland, möchte mit Easee das Stromnetz der Zukunft mitgestalten.
© Easee | WFM

Das norwegische Tech-Start-up Easee ist bekannt für den intelligenten Laderoboter Easee Home. Vor kurzem brachte das Unternehmen mit dem Easee Equalizer ein Produkt für dynamisches Lastmanagement auf den deutschen Markt. Das intelligente Gerät schützt die Hauptsicherung im Gebäude vor Überlastung.

Die Redaktion der Elektronik automotive sprach mit Marcel Jeron, Geschäftsführer von Easee Detuschland, über sicheres, nachhaltiges Laden und darüber, wie Easee das Stromnetz der Zukunft mitgestalten will.

Elektronik automotive: Welche Herausforderungen, Trends und Entwicklungen sind durch den Boom deutscher E-Mobilität zu beobachten?

Marcel Jeron: Die Elektromobilität in Deutschland wächst rasant. Schon heute kommt der Ausbau der öffentlichen Ladepunkte nicht mehr hinter dem Tempo der Neuzulassungen von E-Autos her. Es braucht neue Ideen und Lösungsbausteine, um die Ziele der Mobilitätswende in Deutschland umzusetzen. Hierbei können private Ladeinfrastrukturen für Ein- oder Mehrfamilienhäuser und Unternehmen zukünftig eine entscheidende Rolle spielen. Zudem haben die privaten Ladepunkte und Akkus der Elektroautos großes Potenzial, wenn es um die Gestaltung zukunftsfähiger Stromnetze geht.

Ihre Integration in das Netzmanagement kann dazu beitragen, die Netzqualität zu verbessern und dezentrale Speicher zu bilden. Dadurch werden starke Schwankungen im Netz verringert, die durch den kontinuierlich steigenden Anteil regenerativer Energien in Zukunft immer häufiger auftreten werden. Voraussetzung dafür sind intelligente Stromnetze (Smart Grids), die Stromerzeugung, -speicherung und -verbrauch optimal aufeinander abstimmen, Leistungsschwankungen ausgleichen und wichtige Informationen für die Netzbetreiber übermitteln.

Bild 1. Der Easee Equalizer sorgt für einen dynamischen Lastausgleich zwischen Gebäude und Laderoboter.
Bild 1. Der Easee Equalizer sorgt für einen dynamischen Lastausgleich zwischen Gebäude und Laderoboter.
© Easee

Elektronik automotive: Was ist der Easee Equalizer? Wie kannn dieses Produkt dazu beitragen, Netzkapazitäten auszugleichen und die Haussicherung zu entlasten?

Marcel Jeron: Das Laden von Elektroautos erfordert viel Energie. Energie, die im Gebäude unter Umständen bereits von anderen Geräten in Anspruch genommen wird. Heutzutage ist es üblich, dass die im Haus verfügbare Energiemenge statisch auf Hausanschluss und Wallbox aufgeteilt wird, was dazu führt, dass Elektroautos nicht mit der maximalen Energiemenge laden können. Mit dem Easee Equalizer ist diese statische Aufteilung kein Thema mehr. Das Lastmanagement überwacht den Energieverbrauch und verteilt die Energiemenge je nach Bedarf dynamisch an die verschiedenen Geräte.

Laufen im Gebäude gleichzeitig Wäschetrockner und Kaffeemaschine, lädt das Fahrzeug automatisch mit weniger Leistung. Ist der Verbrauch im Haus niedrig, kann das Fahrzeug schneller laden. Dadurch wird ein optimiertes und sicheres Aufladen bis zur maximalen Ladeleistung des Fahrzeuges ermöglicht. Durch die spezielle Link-Technik funktioniert alles vollautomatisch, ohne dass Anwenderinnen und Anwender Anpassungen an den Geräten vornehmen müssen. Per App kann jederzeit beobachtet werden, wieviel Energie im Haus verfügbar ist und gerade verbraucht wird.

Mit dem Easee Equalizer kommen wir unserem Ziel, intelligente Stromnetze mitzugestalten, einen großen Schritt näher. Dabei berücksichtigen wir verschiedene Nutzergruppen. Für Besitzerinnen und Besitzer einer Solaranlage arbeiten wir aktuell etwa an einer Lösung, die die lokale Steuerung der Ladeleistung abhängig von der Solarstromerzeugung auf dem Dach durch den Equalizer ermöglichen soll.

Elektronik automotive: Welche Voraussetzungen braucht es, um sein E-Auto schneller und netzschonend zu laden?

Marcel Jeron: Ein großes Problem bei der Installation von Wallboxen ist, dass die Hauptanschlüsse in Gebäuden oft nicht für den Mehrverbrauch durch Elektrofahrzeuge ausgelegt sind. Das gilt besonders für Mehrfamilienhäuser oder gewerbliche Gebäude, in denen mehrere Ladepunkte installiert werden sollen. Das kann zu einer Überschreitung der garantierten Anschlussleistung führen, hohe Kosten verursachen und im ungünstigsten Fall sogar zur Auslösung der Hausanschlusssicherung führen.

Bild 2. Ein dynamisches Lastmanagement zwischen Gebäude und Elektroauto überwacht den Energieverbrauch und verteilt die Energiemenge je nach Bedarf an die verschiedenen Geräte.
Bild 2. Ein dynamisches Lastmanagement zwischen Gebäude und Elektroauto überwacht den Energieverbrauch und verteilt die Energiemenge je nach Bedarf an die verschiedenen Geräte.
© Easee

Wie bereits erwähnt, überwacht der Easee Equalizer den Verbrauch aller Ladepunkte und Geräte im Gebäude. Wenn der Verbrauch im Gebäude niedrig ist, steuert er die Ladeleistung der Laderoboter automatisch hoch, sodass E-Autos signifikant schneller und zugleich netzschonend aufgeladen werden können. Sind mehrere Elektroautos an verschiedenen Ladepunkten angeschlossen, benennt der Equalizer dem Easee-Lademanagement die zur Verfügung stehende Leistung. Diese wird dann von den Laderobotern entsprechend verteilt. Durch ein dynamisches Lastmanagement können auch unterschiedliche Ladeszenarien umgesetzt werden. So lassen sich zum Beispiel bestimmte Ladepunkte priorisieren. Kann ein Elektroauto nur für kurze Zeit geladen werden oder muss häufiger fahren, wird sichergestellt, dass es schneller geladen wird als die E-Autos, die über Nacht an die Wallbox angeschlossen sind.

Unser Konzept und dessen Intelligenz sind stark von unserem Nachhaltigkeitsgedanken sowie den Erfahrungen aus Norwegen getrieben. Dabei berücksichtigen wir die Wahrscheinlichkeiten der Ladezustände von E-Fahrzeugen. Somit können wir über den Tagesverlauf mit der bereits vorhandenen Hausanschlussleistung mehr Fahrzeuge laden als vergleichbare Systeme. Das spart Unternehmen nicht nur Kosten, sondern ist auch nachhaltiger als zum Beispiel in größere Transformatoren oder Leitungen zu investieren.

Elektronik automotive: Wie können Laderoboter helfen, Energiekosten für Verbraucher:innen zu senken? Wie kann Easee seinen Kund:innen beim Sparen helfen?

Marcel Jeron: Die stark steigenden Energiepreise und Diskussionen über den Energiemarkt sorgen für Verunsicherung und Sorge um die Bezahlbarkeit der eigenen Mobilität. Während man bei öffentlichen Ladepunkten an fixe Strompreise gebunden ist, die sich teilweise gar nicht mehr groß von den fossilen Kraftstoffpreisen unterscheiden, können Elektroautos zu Hause von einem dynamischen Autostromtarif profitieren. Er sorgt dafür, dass das Auto während der günstigsten Stunden des Tages geladen werden kann. Denn was viele nicht wissen: Der Strompreis variiert stündlich an der Börse und ist dann besonders günstig, wenn die Nachfrage niedrig ist, wie zum Beispiel nachts.

Bild 3. Der intelligente Laderoboter Easee Home erlaubt  ein sicheres und smartes Laden des E-Autos.
Bild 3. Der intelligente Laderoboter Easee Home erlaubt ein sicheres und smartes Laden des E-Autos.
© Easee

Um von den dynamischen Preisen zu profitieren, braucht man lediglich einen Stromlieferanten, wie unseren Partner Tibber, der dynamische Autostromtarife anbietet. Easee Home kann ganz einfach in die Tibber-App integriert werden, sodass Kund:innen garantiert von den günstigsten Preisen profitieren können. Aktuell beobachten wir zudem ein schnelles Wachstum im Bereich privater Solaranlagen. Sind diese in das System von Tibber und Easee integriert, kann ihre Energie für die Aufladung genutzt werden. Ebenso gibt es mittlerweile Stromanbieter, welche die Verbrauchsdaten des Laderoboters abrufen und so am Ende des Jahres den Kund:innen für diese Energiemenge anteilig Kosten zurückerstatten. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, wie das Bonussystem bei Krankenkassen, wenn man regelmäßig sportliche Aktivitäten nachweist.

Elektronik automotive: Welche Vision verfolgt Easee für die Zukunft?

Marcel Jeron: Seit der Gründung 2018 schreibt Easee eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Vor vier Jahren wurde Easee von drei Freunden in der norwegischen Kleinstadt Sandnes gegründet. Sie hatten die Vision, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft der Mobilität und Elektrizität zu arbeiten. Heute zählt Easee zu den am schnellsten wachsenden Green-Tech-Unternehmen Europas. Mit drei Mitarbeitern gestartet, haben wir heute mehr als 450 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an fünf Standorten in Europa, in Deutschland an den Standorten Wismar und Hamburg. Easee stellt seine Mitarbeiter:innen über den kurzfristigen Profit und das ist jeden Tag spürbar.

Was uns besonders macht, ist das Verständnis eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die allen Mitarbeiter:innen die Sicherheit gibt, die beste Version seines Selbst sein zu können, sowie der visionäre Antrieb, unseren Teil zu einer nachhaltigen Zukunft zu leisten. Eine Zukunft, die uns in eine elektrifizierte Gesellschaft führt und ermöglicht regenerative Energiequellen zu nutzen. Dabei sehen wir unsere Laderoboter nicht nur als Produkt, sondern als Enabler. Diese schaffen nicht nur mehr Transparenz im Energieverbrauch der Endkunden, sondern geben ihnen auch die Möglichkeit, das Stromnetz der Zukunft aktiv mitzugestalten.

Wie das konkret geht? Durch eine Technologie, die uns im Verbund dezentralisiert auf den Energieerzeugungs- und Verteilmarkt Einfluss nehmen lässt. Das war bisher häufig nur den großen Playern und in der Politik möglich. Mit diesem Antrieb entwickeln wir Produkte nicht nur nach minimalen Anforderungen aktuell gültiger Normen, sondern mit zusätzlichen Produkteigenschaften, deren Potenzial sich erst in Zukunft entfalten wird. Unsere Mitarbeitenden verstehen sich als Teil dieser auch tiefergreifenden gesellschaftlichen Veränderung, in der die Technologie uns befähigt, schneller auf veränderte Umgebungsbedingungen zu reagieren.

Elektronik automotive: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Easee und seine Produkte?

Marcel Jeron: Als Green-Tech-Unternehmen haben wir uns bei Easee verpflichtet, nicht mehr natürliche Ressourcen als nötig zu verbrauchen. Wir arbeiten derzeit an unseren Lebenszyklusanalysen, um unseren ökologischen Fußabdruck kontinuierlich zu verringern und zu verbessern. Bei Easee entwickeln, designen und produzieren wir den Großteil unserer Produkte in Norwegen und der EU. Wir haben auch Wege gefunden, unsere Marketingaktivitäten aktiv klimaneutral zu gestalten. Kontinuierliche kostenlose Updates der Firmware erlauben es uns, die Produkte immer auf den aktuellen Stand zu bringen. Durch CO2-Kompensationen in unserer Logistik und mit unseren Logistikpartnern lagern und liefern wir bereits heute jedes Easee Produkt in Deutschland klimaneutral. Es ist unser klar formuliertes Ziel, innerhalb der nächsten zehn Jahre zum führenden Unternehmen für nachhaltige Elektro-Technologie in Europa zu werden.

 

Neuigkeiten von Easee:

 

Das Thema Nachhaltigkeit ist bei Easee Teil der Unternehmens-DNA: Die fortschreitende Veränderung des Klimas ist schon heute deutlich zu spüren. Was für uns nicht mehr zu verhindern ist, gilt es für nachfolgende Generationen zumindest nicht weiter zu verschlechtern. Unsere tägliche Arbeit leistet einen Teil dafür, indem wir gemeinsam mit unseren Partnern an der Elektrifizierung der Gesellschaft arbeiten und dadurch die Chance für erneuerbare Energieerzeugung und -nutzung eröffnen.

Elektronik automotive: Herzlichen Dank für das Interview, Herr Jeron!

 


Der Interview-Partner

Marcel Jeron
ist Managing Director von Easee Deutschland. Das Green-Tech-Unternehmen möchte das Stromnetz der Zukunft aktiv mitgestalten. Seit Marcel Jeron im April 2020 seine Karriere bei Easee, am Standort in Wismar, begann, ist das Team nicht nur in Deutschland, sondern europaweit gewachsen. Unter dem Motto »Shaping the Future of Electricity« will Jeron zusammen mit Easee eine Ladeinfrastruktur für eine nachhaltige und digitalisierte Zukunft in Deutschland entwickeln. Für Jeron steht Teamwork an erster Stelle. Dabei ist ihm wichtig, dass alle einsatzbereit an einem Strang ziehen und so ein sicheres Arbeitsumfeld geschaffen wird, in dem jedes Teammitglied sein Potenzial entfalten kann.


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