Citroën und BASF zeigen Konzeptauto

Material-Innovationen für nachhaltige, erschwingliche Mobilität

30. September 2022, 8:51 Uhr | Irina Hübner
Das Konzeptfahrzeug oli von Citroën und BASF.
Bei der Gestaltung des Fahrzeugäußeren wurde besonders auf Stabilität geachtet.
© BASF

Das Fahrzeug ist nicht schnell, nicht luxuriös, nicht schwer. Doch Citroën und BASF zeigen mit dem Konzeptfahrzeug oli (all-ë), dass durch Reduktion und Eliminierung Gewicht und Ressourcen eingespart werden können.

Dadurch, dass die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h gedrosselt ist und die Beschleunigung dem 2CV ähnelt, werden die Reichweite und die Lebensdauer der Batterie entscheidend verlängert. Dass Verzicht durchaus eine erfrischende Ästhetik haben kann, demonstrieren diverse Bauteile: Sie wurden neu interpretiert und konstruiert; Materialien wurden in einem anderen Kontext verwendet wurden.

Die komplette Rücksitzlehne wurde beispielsweise aus einem flexiblen 3D-gedruckten Kunststoff gefertigt (Ultrasint TPU88A). Die offene Gitterstruktur übernimmt dabei die natürliche Belüftung und ersetzt sämtliche Ventilatoren im Sitz. Hierfür sowie für die Herstellung von insgesamt etwa zwanzig Teilen wurde dabei auf die Kompetenz des 3D-Servicebüro Sculpteo in Frankreich, einer BASF-Marke gesetzt.

Kein Soundsystem, kein Navi

Vergebens sucht man auch ein Sound- oder Navigationssystem, denn diese sind schlicht nicht an Bord. Da der Kunde meist über ein Handy und mobile Boxen verfügt, können diese Geräte im Armaturenbett eingesteckt werden und sie verbinden sich dann automatisch mit dem Fahrzeug.

Weniger komplex, stattdessen nachhaltig

Viele der neu entwickelten Bauteile sind sortenrein konstruiert. Das bedeutet, sie stammen aus ein und derselben chemischen Produktfamilie. Grund dafür ist, dass verklebte und verschweißte Bauteile, bestehend aus verschiedenen Materialtypen, mechanisches Recycling erschweren.

Produktionstechnische Vereinfachungen

Auch produktionstechnisch wurde der Vereinfachungsgrundsatz konsequent umgesetzt, so sind die Fahrer- und Beifahrertüre identisch. Das spart Presswerkzeuge und reduziert die Komplexität. Dasselbe gilt für sämtliche Radläufe und Stoßfänger.

Weiß mit Glimmerpartikeln

Die Farbe der Karosserie vermittelt das Konzept des Fahrzeugs: Auf den ersten Blick scheint es ein reines Weiß zu sein, aber es wurden Glimmerpartikel hinzugefügt, um die Form des Fahrzeugs zu betonen. Im Kontrast zum Äußeren wurden die Materialien des Innenraums – wie die Sitze und der Bodenbelag – mit einer intensiven orangen Farbe lackiert.

Die Materialien des innenraums sind mit einer intensiven orangen Farbe lackiert.
Die Materialien des innenraums sind mit einer intensiven orangen Farbe lackiert.
© BASF

Co-Creation als Schlüssel für neue Lösungsansätze

Bei Entwicklung und Design arbeitete der Hersteller Citroën eng mit BASF zusammen. Innovative Lösungen des Chemieunternehmens spielten bei der Co-Creation eine zentrale Rolle. Projekte wie die Entwicklung des Konzeptfahrzeugs mit dem Partner Citroën seien »wahre Booster« auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft, Leiterin des Unternehmensbereichs Coatings bei BASF Automotive.

»Man braucht Innovationen, man braucht kreative Köpfe, um die Gedanken verschiedener Unternehmen zusammenzuführen«, so Holzenkamp. BASF verfolgt seit Jahren eine Nachhaltigkeitsstrategie, die beispielsweise das Projekt ChemCycling zum chemischen Recycling von Kunststoffen sowie den Biomassenbilanzansatz, bei dem in der Produktion fossile Rohstoffe durch erneuerbare ersetzt werden, enthält.
Neben Produkt- und Engineering-Expertise konnte BASF mit dem Creation Center auch seine Designkompetenz einbringen.

Vielfältige BASF-Materiallösungen

Viele BASF-Lösungen kommen bei dem neuartigen Fahrzeugkonzept zum Einsatz: Ein Hochleistungskunststoff von BASF findet sich in den hinteren Armlehnen und im Boden des Innenraums. Infinergy, ein expandiertes TPU (Thermoplastisches Polyurethan), wird auch in Laufschuhen und Sportböden eingesetzt. Es ist elastisch wie Gummi, aber leichter und sehr widerstandsfähig und besonders abriebfest. Im oli hat das Material die Aufgabe, Armlehnen und Bodenbelag eine angenehme und doch beständige Oberfläche zu geben. Außerdem dämpft es Schall und Vibrationen.

Hier sorgt eine zusätzliche spezielle Beschichtung für eine extralange Lebensdauer: NovaCoat-P auf Wasserbasis schützt die weichen Untergründe bestmöglich gegen Abrieb, UV-Strahlung, Schmutz und Chemikalien. Weil der Bodenbelag wasserfest ist, lässt er sich einfach mit Wasser reinigen. Dazu sind Stöpsel aus Elastollan integriert, die zum Ablassen von Wasser und Schmutz entfernt werden können.

Weniger Außengewicht

Auch beim Fahrzeugäußeren wurde kräftig Gewicht gespart – und das bei höherer Stabilität und Haltbarkeit. Motorhaube, Dach und Kofferraum bestehen aus Platten, in denen das Polyurethansystem Elastoflex mit dem Spritzlacksystem Elastocoat kombiniert wurde. Dank einer wabenartigen Sandwichstruktur sind die Platten so stabil, dass man sogar darauf stehen kann. Dies ist Teil der Funktionalität des Fahrzeugs.
Als Lackierung für die Karosserie kommt mit R-M AGILIS ein weiteres BASF-Produkt zur Anwendung, das für mehr Nachhaltigkeit steht. Der wasserbasierte Lack hat einen sehr niedrigen Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC).

Die kathodische Tauchlackierung CathoGuard 800 von BASF, die das Batteriegehäuse vor Korrosion schützt, trägt ebenfalls zu Ressourceneinsparungen bei. Sie zeichnet sich durchihre hohe Leistungsfähigkeit und Umweltfreundlichkeit aus, da sie zinn-/HAP-frei und lösemittelarm ist.


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