Deutsche Großstädte

Werden Autos bei der Verkehrsplanung zu wenig berücksichtigt?

27. September 2022, 11:05 Uhr | Irina Hübner
Rote Radwegmarkierung in einer Großstadt wie beispielsweise Frankfurt am Main.
© Automobilclub von Deutschland

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) ruft die Verantwortlichen für die Verkehrspolitik in den deutschen Großstädten dazu auf, das Auto nicht aus dem Stadtverkehr zu verdrängen. In Frankfurt am Main sei genau das derzeit der Fall, so der AvD.

Die Stadt Frankfurt gestaltet aktuell belebte innerstädtische Straßen mit vielfältigem Einzelhandel und Verbindungsfunktion für den Kfz-Verkehr zu Fahrradstraßen um. Dadurch werde laut dem Automobilclub neben dem weiträumigen Auftragen von roter Farbe und Rad-Piktogrammen auch die Anzahl der verfügbaren Parkplätze deutlich reduziert.

Gastronomie muss erreichbar bleiben

Den Befürchtungen der örtlichen Händler und Gastronomen, durch fehlende Parkplätze Kundschaft zu verlieren, sei nicht Rechnung getragen worden. Stattdessen müsse sich der Kraftfahrzeug-Verkehr erhebliche Umwege suchen, um an Ziele in der Stadt zu gelangen. In der Praxis führe das immer wieder zu verkehrswidrigen Fahrmanövern, weil eine praxistaugliche Umfahrung nicht ausgeschildert wurde.

Gewerbetreibende haben zudem in den letzten beiden Jahren eine sehr schwierige Wirtschaftslage zu bewältigen. Für sie ist nach Einschätzung des Automobilclubs von Deutschland von essenzieller Bedeutung, dass das eigene Geschäft oder Lokal auch für den Kraftverkehr gut zu erreichen ist. Ebenso seien Handwerksbetriebe und Dienstleister elementar darauf angewiesen, ihre Kunden und Einsatzorte mit Kfz anzufahren und so Material und Werkzeug anliefern zu können.

Rücksichtnahme auf Pendler erforderlich

Der AvD vermisst bei den Planungen zudem oftmals eine Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Pendler sowie auf die des Wirtschaftsverkehrs. So ist beispielsweise Frankfurt am Main eine Pendlerstadt, in die rund 400.000 Menschen täglich einpendeln. Rund 235.000 davon nutzen dazu das Auto und gaben in verschiedenen Befragungen wiederholt als Grund an, dass zur Nutzung des eigenen Pkw keine vernünftige Alternative vorhanden sei.

Der Verweis auf das Netz des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) hilft laut AvD in Frankfurt – wie in den allermeisten anderen Ballungszentren – nicht weiter, da dieses während der Rushhour regelmäßig an seiner Belastungsgrenze operiert und keine Kapazitäten für die Aufnahme zusätzlicher Personen bestehen. Der dringend erforderliche Ausbau der ÖPNV werde jedoch noch Jahre in Anspruch nehmen. Gleichzeitig sei zu bezweifeln, dass der Fahrradverkehr oder das Zufußgehen die entsprechenden Verkehrsleistungen adäquat ersetzen können.

Radwege entstehen an den falschen Stellen

»Das Beispiel Frankfurt am Main zeigt, dass Verkehrspläne nicht einseitig an den Interessen einiger Stadtbewohner ausgerichtet werden dürfen. In allen Ballungsräumen bilden Pendler ebenfalls eine große relevante Gruppe. Und die Städte sind auf ihre Pendler angewiesen. Angesichts der hohen Preise für Kraftstoffe und Energie stehen Politik und Verwaltungen in der Pflicht alles zu vermeiden, was die Mobilität der Bürger verteuert oder erschwert. Die Nutzung des eigenen Wagens ist für die Mehrheit der Menschen kein Selbstzweck, sondern eine pure Notwendigkeit«, kommentiert AvD-Generalsekretär Lutz Leif Linden.

»In Frankfurt ist zu beobachten, dass die neuen Radwege weder Tag noch Nacht von einer nennenswerten Zahl von Radlern genutzt werden. Die Einrichtung der Wege erfolgt also an den falschen Stellen. Der AvD steht deshalb gerne der Stadtpolitik beratend zur Seite, um miteinander zu echten Lösungen zu kommen. Alle Verantwortlichen sind daher aufgerufen, eine verantwortungsbewusste, integrative Verkehrspolitik zu betreiben, die die Bedürfnisse des individuellen Kraftverkehrs nicht einer ideologisch postulierten Verkehrswende opfert.«


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