Fünf Kilometer langes Testgebiet

5G-Testbed für Automotive-Anwendungen eröffnet

12. Mai 2022, 9:25 Uhr | Irina Hübner
 Logo von 5G Bavaria.
© Fraunhofer IIS

Das 5G-Bavaria-Testbed »Automotive« des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS südlich von Rosenheim ist nun offiziell in Betrieb. In einem fünf Kilometer langen Testgebiet können Unternehmen 5G-Funktionalitäten für vernetztes Fahren in realer Verkehrsumgebung erproben.

Vor jeder Markteinführung müssen neue Anwendungen zunächst umfangreich erprobt und unter Realbedingungen getestet werden. Das 5G-Bavaria-Testbed »Automotive« bietet Unternehmen nun eine reale Testumgebung für 5G-Mobilfunkanwendungen im Bereich vernetztes Fahren. Hierfür steht ein fünf Kilometer langes Testgebiet im Süden von Rosenheim zur Verfügung, über das sich ein abgeschlossenes 5G-Netz mit mehreren Basisstationen spannt. Die kontrollierte und reproduzierbare Testumgebung zeichnet sich durch ein heterogenes Straßengebiet aus, das sowohl urbane Bereiche mit Brücken und Unterführungen als auch Abschnitte der Bundesstraße B15 und der Autobahn A8 umfasst.

Im Testfokus: Der Echtzeit-Datenaustausch

»Das Testbed ›Automotive‹ ist speziell für Entwickler und Anwender ausgelegt, die neue Vernetzungslösungen in einem real existierenden Straßennetz testen möchten. Der Fokus liegt dabei auf dem Erproben der Übertragungstechnik sowie der Evaluierung spezifischer Sende- und Empfangskomponenten«, sagt Martin Speitel, Gruppenleiter Automotive am Fraunhofer IIS.

Die Ermittlung essenzieller Leistungsparameter wie Latenz, Zuverlässigkeit und Durchsatz geben hierbei wertvolle Rückschlüsse auf Servicequalität und User-Experience der jeweiligen Anwendung. Neben der Luftschnittstelle selbst können auch Sende- und Empfangskomponenten im Prototypenstatus getestet werden. Auch der Einfluss von (Massive)-MIMO-Technologien auf die Empfangsqualität und den Datendurchsatz sowie mögliche Fahrgeschwindigkeiten sind Teil potenzieller Messszenarien. Bei Bedarf besteht zudem die Möglichkeit, bestimmte Testszenarien vorab mit der Simulationsplattform »C-V2XSim« zu simulieren, um sie dann auf der Straße zu testen.

Realitätscheck für 5G-Anwendungsszenarien

Die Bandbreite potenzieller Anwendungsszenarien, die sich im Testbed »Automotive« einem Realitätscheck unterziehen können, ist groß. Connected-Car-Szenarien beispielsweise profitieren vor allem in puncto Servicequalität von den Messungen der Paketverlustraten im direkten Anwendungskontext. Neue Funktionen, die das automatisierte Fahren mit sich bringt, lassen sich auf den Testrouten in Rosenheim genauso umfassend evaluieren wie die Qualität der Datenverbindung zwischen Fahrzeug und Funknetz sowie zwischen den Fahrzeugen. Untersuchungen von Machine-Learning-Ansätzen zur Vorhersage und Verbesserung der Empfangsqualität gehören ebenfalls zu den Messmöglichkeiten im Testbed.

Von der 5G-Forschung in die 5G-Anwendung

Das Testbed »Automotive« ist Teil der Initiative »5G Bavaria«, die vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert wird. Ziel der Initiative ist der Transfer von der Forschung am neuen Mobilfunkstandard 5G in die Anwendung. Technische Machbarkeit und Grenzen der 5G-Mobilfunktechnologie sollen sich auf diese Weise frühzeitig unter realen Bedingungen ausloten lassen, so dass der Produktentwicklungsprozess beschleunigt wird.

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