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Im Strafvollzug

Künstliche Intelligenz soll Suizide verhindern

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© aquatarkus/stock.adobe.com

Automatisierte Videoüberwachung soll in Niedersachsen helfen, Suizide und Straftaten hinter Gittern zu verhindern. In einem gemeinsamen Antrag plädieren die SPD- und CDU-Fraktion für ein Forschungs- und Modellprojekt.

Intelligente Kameratechnik und automatisierte, auf Algorithmen basierende Analysesoftware soll bei auffälligen Verhaltensweisen der beobachteten Gefangenen Alarm schlagen. Dadurch sollen sowohl Suizidfälle verhindert, aber auch die Übergabe verbotener Gegenstände oder sich anbahnende Raufereien erkannt werden werden. 

«Wir müssen endlich die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung, speziell der künstlichen Intelligenz, konsequent in allen Bereichen der Sicherheitspolitik nutzen», sagte der CDU-Abgeordnete Christian Calderone. Dazu gehörten auch Haftanstalten.

Die kameragestützte intelligente Situations- und Verhaltenserkennung werde bereits in zahlreichen Projekten bundesweit mit Erfolg getestet, beispielsweise am «Sicherheitsbahnhof Berlin Südkreuz» oder an Kriminalitätsschwerpunkten wie dem Bahnhofsvorplatz in Mannheim.

Nordrhein-Westfalen erprobt die Kameratechnik laut dem Antrag bereits zur Suizidprävention im Justizvollzug. Durch eine Beobachtung des Haftraums gefährdeter Gefangener mittels ereignisgesteuerter Kameratechnik sollen kritische Situationen, die auf ein Suizidgeschehen hindeuten, frühzeitig erkannt werden, damit ein Einschreiten möglich ist.

Mittels automatisierter, auf Algorithmen basierender Analysesoftware ist die digitale Kameratechnik in der Lage, bestimmte gefahrenträchtige Verhaltensmuster von Personen zu erkennen. Das System schlägt zum Beispiel Alarm, wenn ein Mensch plötzlich zu Boden sinkt, eine körperliche Auseinandersetzung entsteht oder ein abgestellter gefährlicher Gegenstand lokalisiert wird.

Das Justizministerium begrüßte den SPD/CDU-Antrag. Grundsätzlich bewege sich die Suizidprävention in Haftanstalten in einem sehr sensiblen Spannungsfeld, denn eine menschenwürdige Strafhaft erlaube keine absolute Überwachung der Gefangenen. Der Erforschung und Bewertung neuer technischer Möglichkeiten stehe die Justiz deshalb offen gegenüber, hieß es. Dabei kommen Suizide in niedersächsischen Gefängnissen selten vor. Ihre Zahl schwankte zuletzt zwischen zwei in den Jahren 2014 und 2019 sowie sieben in den Jahren 2017 und 2020.

Über Fortbildungen und die Einbindung des Sozialdienstes versuchen die Haftanstalten bereits, die Gefahr von Suiziden zu bannen, erklärte das Justizministerium. Zu Beginn der Haftzeit sei das Risiko meist am höchsten. In elf Gefängnissen sind im Aufnahmebereich der Untersuchungshaft 277 Endgeräte mit Seelsorgefunktion installiert, worüber die Gefangenen nachts mit einem Seelsorger reden können. In einer Haftanstalt gibt es außerdem sogenannte «Listener», das sind Inhaftierte, die freiwillig als Gesprächspartner für neu aufgenommene Gefangene zur Verfügung stehen.


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