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Exklusiv-Interview mit Pewatron

»Unser Fokus ist und bleibt der Sensor«

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Christoph Kleye, Pewatron Deutschland: »Mir war es wichtig, den langfristigen Fortbestand der Firma zu sichern.«
© Pewatron

Im Mai 2017 hatte Christoph Kleye seine IS-Line GmbH an Pewatron verkauft, seit 1.4.2018 sind nun auch der Name und die Marke vollständig in Pewatron aufgegangen. Wir sprachen mit Christoph Kleye und Pewatron-Geschäftsführer Thomas Röttinger über die Hintergründe – und wie es nun weitergeht.

Markt&Technik: Herr Kleye, zunächst einmal: Warum haben Sie IS-Line überhaupt verkauft?

Christoph Kleye: Mir war es wichtig, den langfristigen Fortbestand der Firma zu sichern. Zwar ist es im Hinblick auf meinen Ruhestand noch sehr früh, aber weil man im Allgemeinen zehn Jahre für eine Firmenübergabe ansetzt, habe ich beschlossen, dass der frühzeitige Verkauf des Unternehmens auf langfristige Sicht das Beste ist.

Haben Sie aktiv nach einem Käufer gesucht?

Kleye: Nein. Ich hatte den Verkaufsgedanken für mich gerade durchformuliert, da traf ich durch Zufall Herrn Röttinger und wir kamen ins Gespräch. Über den AMA-Verband kannten wir uns zwar schon lange, aber dennoch mussten wir zunächst abklären, ob wir in der engen Zusammenarbeit überhaupt zueinander passen. Dann ging alles recht schnell. Wir sind beide im Bereich Sensorik und Power-Solutions unterwegs, und beim Vergleich unserer Kunden und Lieferanten hat sich gezeigt, dass es dort relativ wenige Überlappungen gab – und dass die Lieferanten noch nicht einmal im Wettbewerb zueinander stehen. Also eine nahezu perfekte Ergänzung. Das gibt es selten.

Aber das reicht ja noch nicht, um sein Unternehmen in fremde Hände zu geben.

Kleye: Ich war sehr überrascht, wie gut sich das Ganze ergänzt hat. Je weiter wir ins Detail kamen, desto mehr haben wir festgestellt, dass wir erfolgreich sein können, wenn wir unsere Stärken zusammentun. Es gibt kaum Diskussionsbedarf, weil wir die gleiche Gedankenwelt haben und die gleiche Idee, wie sich der Markt entwickeln wird. Ob sie richtig ist, ist eine andere Frage, aber wir sehen das schon sehr ähnlich.

Und wie geht es Ihnen nun, da IS-Line quasi Geschichte ist? Sie wirken sehr zufrieden.

Kleye: (Lacht) Mir geht es sehr gut. Letztendlich mache ich als Geschäftsführer der Pewatron Deutschland GmbH ja weiterhin das, was ich vorher gemacht habe. Und dabei habe ich auch noch die Zukunft meiner Firma und meiner Mitarbeiter sichergestellt. Das ist ein gutes Gefühl für einen Unternehmer.

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Thomas Röttinger, Pewatron AG: »Digitalisierung ist ein großes Thema für uns, aber hauptsächlich, weil es eines für unsere Kunden ist.«
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Ist es nicht schwer, die Zügel aus der Hand zu geben? Es war ja das, was Sie aufgebaut haben, Ihr Baby.

Kleye: Natürlich ist es nicht leicht. Aber um den Vergleich mit den Kindern aufzugreifen: Auch sie werden erwachsen und müssen irgendwann mal aus dem Haus. Dann kann man nur hoffen, dass man ihnen das Rüstzeug für eine gute Zukunft mitgegeben hat. So muss man das hier auch sehen. Die Firma ist größer geworden, und um sie für die Zukunft sicher aufzustellen, musste ich den nächsten Schritt gehen. Den macht man entweder aus eigener Kraft oder – wenn man es schneller und sicherer haben will – geht man Partnerschaften ein. In diesem Fall war das der Weg.

Was meinen Sie mit „aus eigener Kraft“?

Kleye: Es wäre ja eine Alternative gewesen, in neue Mitarbeiter zu investieren, organisch zu wachsen und langfristig einen Geschäftsführer einzustellen. Aber das wäre ein steiniger, aufwändiger Weg gewesen. Mit der Partnerschaft ist es viel einfacher und effektiver. Zudem kann man sich jetzt auch gleich mit den Problemen der Zukunft auseinandersetzen, also etwa mit der Digitalisierung und den Veränderungen, die der Markt beispielsweise hinsichtlich des Beratungsbedarfs und des Einkaufsverhaltens der Kunden mit sich bringt.

Welche Rolle hat Pewatrons Muttergesellschaft, die schweizerische Angst+Pfister AG, in der Übernahme gespielt?

Thomas Röttinger: Der Zusammenschluss war eine Entscheidung der Eigentümer, die im Vorfeld natürlich mit der Muttergesellschaft besprochen wurde. Sie hat die Entscheidung mitgetragen, mischt sich aber in das tägliche Geschäft und in die Geschäftsphilosophie nicht ein.


  1. »Unser Fokus ist und bleibt der Sensor«
  2. Hürden, Marktpositionierung und weitere Aquisitionen?
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