Auch Risiko für Android möglich Empfindliche Sicherheitslücke in iOS 12.0

Apples Firmenzentrale in Cupertino, USA.
Apples Firmenzentrale in Cupertino, USA.

Ein Forschungsteam der TU Darmstadt hat eine Schwachstelle in Apples iOS gefunden, die mehr als eine halbe Milliarde Geräte betrifft. Aufgrund der Sicherheitslücke können Angreifer iPhones und iPads mit handelsüblicher Hardware und ohne physischen Zugriff zum Abstürzen bringen.

Die Wissenschaftler des Secure Mobile Networking Labs an der TU Darmstadt  haben eine Schwachstelle gefunden, durch die ein Angreifer mobile Apple-Geräte mit einer Standard-WLAN-Karte und einer für unter 20 Euro erhältlichen programmierbaren Platine zum Absturz bringen kann. Nach dem Prinzip der „responsible disclosure“ wurde die Sicherheitslücke an Apple gemeldet und soeben durch ein iOS-Update geschlossen. Die Forscher empfehlen Nutzern von mobilen Geräten von Apple dringend, das aktuelle iOS-Update 12.1 zu installieren, um die Geräte zu schützen.

Apple wirbt traditionell für nutzerfreundliche Funktionen, wie AirPlay, mit dem man kabellos und mit einem Klick von verschiedensten Apple-Geräten Musik oder Filme an kompatible Lautsprecher und Fernseher senden kann. Die dahinterliegenden Protokolle nutzen dazu Herstellererweiterungen wie Apple Wireless Direct Link (AWDL), das direkte WLAN-Kommunikation zwischen Apple-Geräten ermöglicht. Doch die komfortablen Funktionen bergen auch Risiken, erklärt TU-Professor Matthias Hollick, Leiter des Secure Mobile Networking Labs: »AWDL nutzt verschiedene Funktechnologien. Vereinfacht gesagt klingeln wir mittels Bluetooth LE Sturm und das Zielgerät aktiviert dadurch AWDL. In einem zweiten Schritt nutzen wir aus, dass Apple die Eingaben, die wir an das Zielgerät schicken, nicht vollständig sauber überprüft; das ermöglicht es uns, das Gerät mit unsinnigen Eingaben zu fluten. Im Ergebnis können wir dadurch das Zielgerät oder auch alle in der Nähe befindlichen Geräte gleichzeitig zum Absturz bringen. Dabei benötigen wir keinerlei Nutzerinteraktion.«

Milan Stute, Mitarbeiter am Secure Mobile Networking Lab, ergänzt: »Um die Bluetooth Brute-Force-Attacke und die nachfolgenden Schritte praktisch durchzuführen, braucht es nicht einmal spezielle Hardware: der Angriff funktioniert mit einer WLAN-Karte eines handelsüblichen Laptops und einem BBC micro:bit, einem preiswerten Bluetooth-fähigen Einplatinencomputer ähnlich einem Raspberry Pi oder Arduino, der ursprünglich als Programmier-Lernplattform für Schulkinder entwickelt wurde.«

Auch wenn die gefundene Schwachstelle nur Apple-Geräte betrifft, sollten sich Nutzer mit einem Android-Handy nicht in Sicherheit wiegen: Die gefundene Schwachstelle hat auch Implikationen für die „Nicht-Apple-Welt“. Der neue Standard der Wi-Fi Alliance, Neighbor Awareness Networking (NAN), baut auf AWDL auf und wird bereits von Googles Android unterstützt. Die Forscher erwarten, dass ähnliche Schwachstellen in NAN-Implementierungen gefunden werden, da AWDL und NAN eine ähnlich hohe Komplexität aufweisen.